„Das ist jetzt eure neue Bibel.“ Dies sagte Bürgermeisterin Anja Gebhardt ( SPD ), als alle Gemeinderätinnen und -räte das 43 Seiten starke Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) der Gemeinde Kirchehrenbach während der Gemeinderatssitzung erhielten. Bisher handelt es sich allerdings nur um ein Arbeitspapier, wie die Geografin Claudia Roschlau vom Architekturbüro Baurconsult erklärte.

Die Lenkungsgruppe hat sich bereits zweimal getroffen; am 2. September um 18 Uhr soll dann die Auftaktveranstaltung mit den Bürgern stattfinden, die an dem Entwicklungskonzept mitarbeiten sollen. Wegen Corona und des Lockdowns war ein Treffen im größeren Kreis mit den Bürgern bisher nicht möglich. Via Videokonferenz kann so ein Prozess nicht starten. Nach dieser Auftaktveranstaltung sollen dann Arbeitsgruppen zu den verschiedenen Themen gegründet werden.

Als ganz großes Handlungsfeld bezeichnete Roschlau die Baulandentwicklung in Kirchehrenbach . Schwerpunkte sind der Ortskern, aber auch die Siedlung mit vielen Baulücken. Nach außen hin kann sich Kirchehrenbach nicht mehr weiterentwickeln, da es von einem Naturschutzgebiet umgeben ist.

Wohnraum wird benötigt

Viele Wohnungen, in denen oft nur noch eine Person lebt, haben über 100 Quadratmeter Wohnfläche . „Wir brauchen deshalb neue Lösungsansätze für alle Generationen“, sagte die Expertin. Für den Altort könnte ein kommunales Förderprogramm mit einem Sanierungskonzept aufgelegt werden. Weise man ein Sanierungsgebiet aus, dann habe man im positiven Sinne die Hand drauf. Dann müsste nicht bei jedem Bauantrag , wie bislang, ein langes Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. Es soll quasi eine Leitlinie werden, nach dessen Kriterien sich die Gebäude im Altort entwickeln sollen.

Als ganz wichtig bezeichnete die Planerin auch die technische Infrastruktur wie Kanal- und Wasserleitungen in die inzwischen zahlreichen Baugebiete. Die Bestandsanalyse hatte unter anderem ergeben, dass Aufenthaltsflächen an entsprechenden Standorten vermisst werden. Wichtig sei es auch, fußläufige Verbindungen zum Beispiel zwischen Schule und Pfarrheim zu schaffen. Denn der Straßenraum in Kirchehrenbach ist meist sehr schmal. Rundwege sollten geschaffen und integriert werden, an denen es Treffpunkte für Jung und Alt mit Bewegungselementen gibt.

Plätze für die Bürger

Schade sei es, dass der Dorfplatz vor der Kirche eigentlich keiner mehr ist, weil dieser befahren werden kann. „Diesen Bereich werden wir uns noch einmal genauer anschauen“, kündigte Roschlau an. Am Kindergarten sei zum Beispiel ein schöner Platz, den man als Aufenthaltsfläche für die Bürger gestalten könnte, oder auch am Schulsportplatz, der zukünftig nicht mehr in Gänze gebraucht werde. Ein weiteres Handlungsfeld sind neue Kooperationsformen für Gewerbe und Handwerk, eine engere Vernetzung und eine gemeinsame Vermarktung für Dienstleitungen.

Spannende Themen seien auch der Tourismus und die Gastronomie . Ein Wohnmobilstellplatz, der am Fuße des Walberla entstehen soll, ziehe Dinge nach sich. So brauche man Toiletten und eventuell Strom- und Wasseranschluss.

Überregionale Wanderwege

Weil überregionale Fuß- und Radwanderwege durch den Ort verlaufen, habe man Potenziale, die man abschöpfen könne. Allerdings wäre dazu eine Beschilderung sehr wichtig, wenn man in den Ort hineinkommt.

Angeregt wird weiter die Schaffung eines Jugendarbeitskreises oder ein Fitnesspfad für Senioren sowie ein Parkraumkonzept, um so früh wie möglich die Verkehrsströme zu entflechten. Räume müssten multifunktional genutzt werden, damit das Ganze auch finanzierbar bleibe.

Wichtig sei auch die Barrierefreiheit im Ort. Der Raum der Verwaltungsgemeinschaft, sprich: das Kirchehrenbacher Rathaus, sollte in Zukunft auch für Rollstuhlfahrer zugänglich sein. Dazu gibt es bereits Pläne. Weiterhin riet die Planerin, den in die Jahre gekommenen Flächennutzungsplan anzupassen und ihn zu digitalisieren. Dazu sei es dann auch wichtig, dass die Öffentlichkeit wisse, was ein Flächennutzungsplan überhaupt sei und welche Festsetzungen in diesem gelten. Frühzeitig sollte man im Flächennutzungsplan auch Fuß- und Radwegeverbindungen mit aufnehmen. „Dann muss das nicht ständig neu diskutiert werden“, erläuterte Roschlau.

Potenziale herausholen

Die Leitlinien müssen zuerst mit der Bezirksregierung von Oberfranken abgestimmt werden, weil diese auch für die Städtebauförderung zuständig ist. Wichtig sei, dass der ganze Prozess transparent sei. In Gang gebracht werden könne er nur mit den Eigentümern der Grundstücke. „Es steckt noch ganz viel Potenzial in unserem Ort, den man aus ihm herausholen kann“, resümierte die Bürgermeisterin nach der Konzeptvorstellung. „Spannend wird nun, was die Bürger dazu sagen“, meinte Claudia Roschlau abschließend.