Die drei trocken-heißen Sommer 2018 bis 2020 begünstigten die Fichtenborkenkäfer. Diese Insekten schädigten viele Fichtenwälder auch im Bereich des Landkreises Forchheim. Es entstanden viele Kahlflächen, die wieder in Bestockung gebracht werden müssen. Doch wie soll das am effektivsten geschehen?

Um dies herauszufinden, waren zahlreiche interessierte Waldbesitzer zu einer Fortbildungsveranstaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg und der Waldbesitzervereinigung (WBV) Fränkische Schweiz im Wald bei Weißenohe erschienen. Forstamtsrat Stefan Ludwig vom Forstrevier Egloffstein und Benedikt Kügel von der WBV plädierten dafür, wo immer möglich die sogenannte Naturverjüngung zu übernehmen.

Fläche genau anschauen

„Schauen Sie sich Ihre Kahlfläche erst mal genau an. Gehen Sie langsam durch Ihr Grundstück und untersuchen Sie genau die Vegetation am Boden. Häufig wird man überrascht sein, wie viele Baumpflänzchen schon da sind!“, erklärte Forstamtsrat Ludwig. In dem Wald bei Weißenohe erkennt man schon von weitem eine bereits kniehohe Buchen-Verjüngungsgruppe. Aber auch daneben, in der vermeintlichen Grasfläche, findet man bei genauer Suche versteckt im Gras je Quadratmeter drei bis fünf Baumpflanzen, zum Beispiel Buchen, Bergahorne, Eichen, Hainbuchen, Kirschen , Eschen.

„Normalerweise pflanzen wir ein Bäumchen je drei Quadratmeter. Hier sind also etwa zehnmal mehr Pflanzen vorhanden!“, warf Benedikt Kügel ein. Zur Verdeutlichung der Pflanzenmenge war in einem kleinen Bereich jede Pflanze mit einem Farbband gekennzeichnet.

Klimaresistente Baumarten

Stefan Ludwig erklärte anhand seiner Unterlagen, „dass im Jurabereich gerade die Laubbaumarten Eiche, Edellaubhölzer (dazu gehören zum Beispiel die Ahornarten, Kirsche , Elsbeere und Linde) als Mischwald den prognostizierten Klimawandel besser überstehen werden als Nadelwälder mit Fichten, Kiefern und Lärchen“. Und gerade diese klimaresistenten Laubbaumarten bekomme man im Jurabereich wie hier in dem Wald bei Weißenohe häufig als Naturverjüngung „von der Natur geschenkt“.

Vorteile der Naturverjüngung

Benedikt Kügel wies darauf hin, dass natürlich verjüngte Pflanzen vor Ort aus dem Samen ihre Wurzeln in den Boden schlagen würden und dieses Wurzelsystem dann ein Baumleben lang ungestört bleibe. Eine bessere Verwurzelung im Boden gebe es nicht. Außerdem sei eine Pflanzung auf bestimmten Kalkstandorten des Juras mit vielen Steinen im Unterboden häufig sehr schwierig.

Leider funktioniert die Naturverjüngung nicht ohne weiteres Zutun. Forstamtsrat Ludwig wies deshalb darauf hin, dass Gras, Sträucher oder Brombeere die Naturverjüngung verdrängen könnten. Deshalb sei die angepasste Pflege der Naturverjüngungsflächen wichtig. Auch hier sei es wichtig, die Flächen jährlich im Sommer zu kontrollieren.

Naturverjüngungsflächen pflegen

Bei Grasflächen genüge es meist, die gewünschten Baumpflänzchen durch Niedertreten des Graswuchses freizustellen und dadurch zu verhindern, dass der Grasfilz im Winter durch Schneedruck die Baumpflanzen niederdrückt. Bei Brombeerflächen sei meist eine zweimalige händische Pflege pro Jahr nötig, da sich sonst Brombeerranken auf die Baumpflanzen legten und diese niederdrückten.

Keine Wildschutzmaßnahmen

Standortgemäße Naturverjüngung soll laut gesetzlicher Vorgabe im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen möglich sein. Dazu ist es aber nötig, dass die Waldbesitzer als Jagdgenossen mit dem Jagdpächter kommunizieren. Nur ein Jäger, der weiß, wo Naturverjüngung auf Schadflächen unterstützt werden muss, kann auch durch Schwerpunktbejagung dort mithelfen.

Es werden allerdings nicht alle Käferflächen eine solch reichliche Naturverjüngung aufweisen, wie das bei der Veranstaltung gezeigte Beispiel. Deshalb wird manchmal auch eine Ergänzungspflanzung in Bereichen nötig sein, in denen sich keine Naturverjüngung einstellt. Oder es können kleinflächig gruppenweise Mischbaumarten wie Kirsche , Flatterulme oder Douglasie gepflanzt werden, die nicht in der Verjüngung vorkommen.

Bei diesen Baumarten wird ein Einzelschutz nötig sein. Benedikt Kügel wies darauf hin, dass die WBV Fränkische Schweiz selbstverständlich ihre Mitglieder bei der Pflanzenbeschaffung unterstütze.

Beratung und Förderung

Letztlich ist es sinnvoll, bei einem Beratungstermin mit dem zuständigen Revierleiter des AELF (www.aelf-ba.bayern.de) abzuklären, ob ausreichend geeignete Naturverjüngung vorhanden ist oder ob eine Pflanzung notwendig wird. Dabei können auch die Fördermöglichkeiten erörtert werden. red