von unserer Mitarbeiterin  Renate neubecker

Kemmern — "Beim Kirchweihbaumaufstellen waren die Gemeinderäte und ich auf die Idee gekommen, die bei uns lebenden Asylbewerber zum traditionellen Geißbockreiten einzuladen", erzählt Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU). Diese Beteiligung an der Ortskultur solle dem besseren Kennenlernen und der Integration dienen, so Gerst. Die Einladung folgte sofort, und die Familien kamen sehr gerne und ließen sich jetzt vom Gemeinderat bewirten.
Vorher freilich hatte die Frage der Bewirtung geklärt werden müssen. Bei Steaks, Bratwürsten und Pizza befürchteten die Gemeinderäte aus religiösen Gründen Probleme. Jetzt gab es also Kaffee und Kuchen sowie Käsebrötchen. Das Kemmerer Bier ließen sich die Gäste ebenfalls schmecken.


Staunende Kinderaugen

Ganz neu für die Familien war der Kerwa-Umzug mit den vielen Wagen und Gruppen. Der Gemeinderat war mit einem eigenen Wagen unterwegs, auf dem die durchgeführten und zukünftigen Projekte aufgelistet waren. Auf diesem Wagen durften sich die beiden Kinder Ina und Lea den Abschluss des Geißbockreitens anschauen. Mit großen, staunenden Augen verfolgten sie das Spektakel. Dazu gab es auch noch jede Menge Süßigkeiten. Zum Schluss durften Ina und Lea den ganzen Beutel mitnehmen, der wird natürlich mit den anderen Kindern geteilt. Alle Asylbewerber sagten übereinstimmend, dass sie in Kemmern sehr gut aufgenommen wurden.
Im Moment leben 21 Personen zusammen in einem Haus. Sie kommen aus Albanien, Bosnien, dem Kosovo und aus dem Irak. Das jüngste Kind ist die drei Monate alte Leonis. Sie wurde schon in Deutschland geboren. Gestern kamen noch fünf Personen aus Syrien und Armenien dazu.
Betreut wird das Haus von der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Rolando Gally ist für alle von der Awo betreuten Heime zuständig. Er spricht neun Sprachen, das ist beim Zusammentreffen der Gemeinderäte und der Asylbewerber sehr hilfreich. So können die Sprachbarrieren überwunden werden und es kommt eine gute Unterhaltung zustande. Bei Problemen sind außerdem die Sozialpädagogen der Awo zur Stelle.
In Kemmern ist das ehrenamtliche Engagement von Gemeinde und Kirche sehr groß. Organisiert wurde unter anderem schon ein ehrenamtlicher Deutsch-Unterricht. Ina und Lea besuchen den gemeindlichen Kindergarten. Einer der Väter spielt bei den Alten Herren Fußball. Zum Schluss bekräftigte Rüdiger Gerst, dass die neuen Familien wieder genauso herzlich aufgenommen würden.