Eigentlich war das alles ja ganz anders geplant. Im September sollte ein großes Fest mit Tag der offenen Tür stattfinden, die Hallstadter Feuerwehr wollte den Bürgern zeigen, wo sie jetzt zu Hause ist. Aber Fehlanzeige. Nachdem der Umzug schon länger vollzogen ist, bekam das Gebäude jetzt im kleineren Kreis seinen kirchlichen Segen.

"Den 19. und 20. September sollten Sie sich schon mal vormerken." Ende Februar führte Harald Kohmann, einer der beiden stellvertretenden Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Hallstadt, die Stadträte durch das fast fertige Gebäude. Denn für diesen Termin hatte die Feuerwehr die Weihe und einen Familientag angesetzt, bei dem einer breiten Öffentlichkeit der Neubau in allen Details präsentiert werden sollte. Nur wenige Tage später holte ein für die aktuellen Generationen prägendes Ereignis auch die Feuerwehr ein: Ein Virus, das kaum noch jemand beim Namen nennen will, durchkreuzte die Pläne. Zwar zog die Feuerwehr in den folgenden Wochen vom bisherigen Standort in der Stadtmitte ins neue Gebäude um. Dass das große Fest nicht so wie geplant stattfinden kann, war aber schnell klar.

Dennoch: Das neue Feuerwehrhaus ist in Betrieb, die Feuerwehrfrauen und -Männer sind hier längst heimisch geworden. Noch fehlten aber die Einweihung und der kirchliche Segen - und das holten Feuerwehr, Stadt und Kirche nun am Samstag nach.

Einsatz, Mut, Selbstlosigkeit

Um 16 Uhr startete am alten Feuerwehrhaus der Festumzug, angeführt vom Musikverein Stadt Hallstadt, dahinter die Feuerwehrler und ihre Fahrzeuge. Am neuen Haus wurden zunächst die Flaggen gehisst, bevor der feierliche Einzug vollzogen wurde. Die Pfarrer Christoph Uttenreuther und Andreas Schlechtweg hielten danach in der großen Fahrzeughalle die kirchliche Segnung. Penibel hatten die Organisatoren dabei auf die Einhaltung der Abstands- und Maskenregeln geachtet, alles verlief einwandfrei.

Pfarrer Uttenreuther zitierte ein Gedicht von Eugen Roth, bei dem es um einen Feuerwehreinsatz geht: Am Stammtisch ist sich jemand sicher, dass ein Feuerwehrmann, der bei einem Einsatz verletzt wurde, doch einfach hätte besser spritzen müssen. "Reden ist immer leichter als Handeln, vor allem hinterher", sagte Uttenreuther. "Zur Hilfe im Notfall gehören voller Einsatz, Mut, Selbstlosigkeit. Aber wer sich einsetzt, der setzt sich auch der Kritik aus."

Professionelle Bedingungen

Nicht immer hätten es die Feuerwehrler einfach, dafür sei aber umso wichtiger, dass die Ausrüstung passt. Und dazu gehöre auch das neue Feuerwehrhaus, das beste und professionelle Arbeitsbedingungen biete. Pfarrer Schlechtweg überreichte der Feuerwehr ein Kreuz, das prominent in der Fahrzeughalle durch Kommandant Stefan Groh seinen Platz erhielt.

Bürgermeister Thomas Söder überbrachte die Gratulation von Stadtrat und Bürgerschaft. "Gerne hätten wir heute ein großes Fest begangen. Ich kann aber sagen: Wir werden das nachholen!" Er richtete auch an die Planer und Baufirmen ein großes Dankeschön, ebenso an Oliver Funk vom städtischen Bauamt, der das Projekt begleitet hatte. Wichtig sei auch gewesen, dass der Stadtrat jederzeit hinter dem Projekt gestanden und die finanziellen Mittel bewilligt habe. Und nicht vergessen werden dürfe die Feuerwehr selbst. Ein eigener Planungsstab habe sich über Jahre mit dem Gebäude beschäftigt und den Bau vorangetrieben. Baubeginn war im Oktober 2017. Gekostet hat das Feuerwehrhaus insgesamt rund acht Millionen Euro.

Viel Lob gab es auch von Landrat Johann Kalb ("Hallstadt ist unglaublich!") und auch von Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann. Er stellte in seinen Grußworten heraus, dass die Hallstadter Wehr zwar auch für die Stadt, aber ebenso für ein großes Umfeld zuständig sei - mit Autobahnen, Bahnstrecke und viel Gewerbe. Im Anschluss an den Festakt bestand für die geladenen Gäste die Gelegenheit, sich das Gebäude genauer anzuschauen.