Marco Meissner

Gemetzel, Seuchen, Hungersnot - vor 400 Jahren brannte der Dreißigjährige Krieg sein Zeichen auf grausame Weise ins heutige Deutschland ein. Auch die Stadt Kronach und ihr Umland blieben nicht verschont, ehe vor 370 Jahren wieder Friede einkehrte. Die Spuren der Kriegszeit lassen sich bis heute nachvollziehen.
"Dreimal wurde Kronach belagert", erzählt Museologe Alexander Süß über die Geschehnisse der Jahre 1632, 1633 und 1634. Zuvor war die Stadt relativ lange von den seit 1618 tobenden Konflikten im Land verschont geblieben. Doch dann fiel der Blick des schwedischen Obristen Claus Hastver auf die alte Crana. Mit Drohbriefen versuchte er, die Städte der Region zur Aufgabe zu bewegen und so lange Belagerungen zu vermeiden. "Er hat die Hölle an die Wand gemalt", erklärt Süß. "Heute würde man das psychologische Kriegsführung nennen." Bei den Kronachern - ebenso übrigens bei den Weismainern - hatte er damit kein Glück. Während ihm Lichtenfels seine Tore öffnete, kündigten diese beiden Städte Widerstand an.
Was folgte, war die längste Belagerung Kronachs in diesem Konflikt. Hastver trat als Oberbefehlshaber der Angreifer mit 3000 bis 3500 Mann an. Darunter waren sogar ein bis zwei Kompanien Finnen und Truppenkontingente des Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach sowie des Coburger Ausschusses. Die Kronacher stemmten sich mit etwa 600 Mann (Kronacher Ausschuss) sowie 300 Mann Verstärkung vom Bamberger Ausschuss dagegen. "Der militärische Oberbefehlshaber war der Festungskommandant Francisco de Melon, den Kronacher Ausschuss kommandierte Major Hanß Rudolph Ma yer", so der Museologe.
Vom 17. Mai bis zum 12. Juni 1632 dauerte dieser Angriff. Dann zogen die Belagerer erfolglos ab. Im Gedächtnis der Bürger bleibt aus diesem Monat eine Geschichte, die verbrieft ist und der Kronach einen Bestandteil seines neuen Stadtwappens verdankt.
Süß erzählt: "Beim Vernageln von Geschützen im Lager der feindlichen Belagerer wurden fünf Kronacher Verteidiger überrascht, gefangen genommen und ,vom Halß bis vff die Fueßsohlen lebendig geschundten vnd begraben‘." Laut dem Stadtfähnrich und späteren Bürgermeister Johann Nikolaus Zitter sowie dem Ratsprotokollbuch soll es sich um Lorenz Papstman (Kupferschmied), Hans Fidler (Gastwirt), Rochus Körner (Bürgersohn), Berthold ("ein von Höfles gewesener Spithalknecht") und Claus Herold von Weismain gehandelt haben.
Vom 13. bis 16. Juni 1633 stand Oberbefehlshaber Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar vor Kronachs Toren. Mit 2000 Mann Reiterei und 450 Musketieren lagerte er, wie auch schon Hastver, in nördlicher Richtung am Westhang des Rosenbergs auf den so genannten Schwedenwiesen. Den Kronacher Ausschuss kommandierte wiederum Major Mayer, der am Ende der Belagerung in Gefangenschaft geriet.


Der dritte Anlauf scheitert

Fast auf den Tag genau ein Jahr später standen erneut Feinde vor der Cranach-Stadt. Oberbefehlshaber Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, der Bruder der vorherigen Belagerers, versuchte vom 12. bis 22. Juni 1634 die Stadt zur Aufgabe zu zwingen. Dafür hatte er sich mit Christian Markgraf von Brandenburg-Kulmbach verbündet. Mit rund 4700 bis 5000 Fußsoldaten sowie 800 bis 1000 Mann zu Pferd hatten sie ihr Hauptquartier in Neuses aufgeschlagen. Sogar ein schottisches Regiment von 400 bis 600 Mann hatte sich ihnen angeschlossen.
Letztlich zogen die "Schweden" jedoch auch im dritten Anlauf unverrichteter Dinge ab. Wobei die Schweden oft gar keine solchen waren und die Religion nur als ein Vehikel für die Machtpolitik in der Region diente. "Kriege wurden damals nämlich auch als gute Gelegenheit gesehen, alte Nachbarrivalitäten zu pflegen", stellt Süß fest.