Hans-Josef Fell, Präsident Energy Watch Group (EWG) und MdB 1998 bis 2013 im Wahlkreis Bad Kissingen, kritisiert in einer Presseerklärung zur Wechselstromleitung P43, die auch durch den Landkreis führen soll, dass die verantwortlichen Politiker es verpasst hätten, den Ausbau erneuerbarer Energien zu stärken.

Die laufend neu vorgeschlagenen Hochspannungsleitungen seien das logische Ergebnis eines seit Jahren insbesondere in Bayern weitgehend politisch unterdrückten schnellen Ausbaus der erneuerbaren Energien, so Fell. 

Doch die Stromerzeugung in Bayern wird Ende 2022, mit Abschaltung des letzten Atomkraftwerks, nur noch 60 Prozent des Strombedarfs decken können. Heute schon gibt es seit dem Abschalten von Grafenrheinfeld eine Unterdeckung von über zehn Prozent, erläutert Fell. Diese Stromlücke könne, wenn es keinen nennenswerten Neubau von Stromerzeugungsanlagen gibt, nur mit neuen und immer stärkeren Leitungen aus Regionen außerhalb Bayerns ausgeglichen werden.

Dabei sei noch nicht einmal mitgerechnet, dass in Bayern in den nächsten Jahren über 200 Windkraftanlagen sowie viele Solarstrom- und Biogasanlagen abgeschaltet werden. Zudem werde der Strombedarf mit dem aus Klimaschutzgründen notwendigen Zuwachs an Elektromobilität und Wärmepumpen noch steigen. 

Doch statt den Ökostrom-Ausbau massiv zu stärken, wird er in der aktuellen EEG-Novelle weiter zurückgedrängt, mahnt Fell an. In Bayern verhindere die 10H-Regelung darüber hinaus weitgehend den Ausbau der Windkraft, und auch der Ausbau von Solarstrom und Bioenergien finde auf viel zu geringem Niveau statt. Zusätzlich würden Wasserkraftanlagen mit immer höheren Auflagen aus dem Betrieb gedrängt, und im Bereich Geothermie konzentriere sich der Wärmeausbau nur auf den Süden Bayerns. Erdgaskraftwerke seien zu teuer und aufgrund ihres hohen Methanausstoßes klimapolitisch nicht zu verantworten, teilt Fell mit. 

Sicherung der Stromversorgung

Die Bundesnetzagentur müsse zur Sicherung der bayerischen und süddeutschen Stromversorgung immer weitere und stärkere Stromleitungen vorschlagen. Die neuste sei die P43. Dagegen laufen in Unterfranken, insbesondere auch im Landkreis Bad Kissingen, Landrat, Bürgermeister, Gemeinderäte, Bürgerinitiativen und betroffene Bürger und Bürgerinnen Sturm und wollen sogar den Klageweg gegen die Leitungen beschreiten. Der Protest sei nachvollziehbar, weil die P43 gerade im Biosphärenreservat Rhön massive Schneisen schlagen werde, erklärt Fell. "Wer Leitungen verhindern will, muss den Ausbau der erneuerbaren Energien vor Ort massiv stärken", schreibt Fell. Im Prinzip bräuchte Bayern eine eigenständige Stromerzeugung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien, wodurch sich neue Leitungen erübrigen würden. Wie das gehen könnte, habe die Energy Watch Group (EWG) für den Landkreis Bad Kissingen aufgezeigt:  http://energywatchgroup.org/wp-content/uploads/EWG_Regionalstudie_Bad-Kissingen.pdf

Diesen "wissenschaftlich fundierten Plan" habe die EWG im März in Hammelburg der Öffentlichkeit vorgestellt und diese am 10. März an Landrat Thomas Bold mit einem Gesprächsangebot versendet. Im Mai wurden die Bürgermeister von Bad Bocklet, Bad Brückenau, Burkardroth, Elfershausen, Münnerstadt, Oberthulba, Thundorf und Hammelburg mit Gesprächsangebot angeschrieben. 

Lediglich der OB von Bad Kissingen hatte geantwortet, dass er nach der Coronakrise darüber ins Gespräch kommen wolle, so Fell. Die Leitungen werden dringend benötigt, wenn es keinen starken Ausbau der erneuerbaren Energien gibt. Genau um diesen kümmert sich aber die verantwortliche Politik in der Region nicht und befördert so die Notwendigkeit eines massiven Leitungsausbaus, so Fell. red