Es war eine Mitteilung, die noch am 30. Dezember seitens der Stadt Coburg ins Netz gestellt wurde. Bewegung an frischer Luft, hieß es da, sei ein triftiger Grund, das Haus zu verlassen. Und ja, der Spaziergang dürfe auch gern in den Landkreis Hildburghausen führen, wo mit mehr Schnee zu rechnen war als im Coburger Land.

Die Mitteilung wurde noch am Abend des selben Tages gelöscht. Inzwischen waren aus allen deutschen Mittelgebirgen und den Alpen Meldungen aufgetaucht, dass die Schneegebiete überrannt werden.

Auch für den nahen Thüringer Wald musste keine Werbung gemacht werden. Siegmundsburg, Neufang, Steinach, Masserberg..., die Leute kamen überall in Massen. So intensiv sich der Tourismusverein Coburg/Rennsteig sonst bemüht, Besucher in die Region zu locken. So eindringlich ersuchte Masserbergs Bürgermeister jetzt, lieber nicht zu kommen: "Schweren Herzens möchte ich Sie bitten, Ausflüge aller Art in unsere Gemeinde Masserberg zu überdenken. Unsere Parkplatzsituation ist mehr als angespannt. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir dieses hohe Gästeaufkommen unseren Einwohnern nicht mehr zumuten können. Nur wenn wir jetzt alle zusammenhalten und geltende Regeln einhalten, können wir uns so bald wie möglich alle wieder gesund sehen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis. Denis Wagner, Bürgermeister der Gemeinde Masserberg."

Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) schließt sich diesem Aufruf an: "So sehr es uns freut, dass unsere Wintersportangebote sich wachsender Beliebtheit auch in den Nachbarlandkreisen erfreuen, müssen wir trotzdem in diesem Jahr auf die bestehenden Einschränkungen hinweisen.

Dabei gilt es zu beachten, dass mit der derzeit für den Landkreis Hildburghausen gültigen Allgemeinverfügung umfangreiche Ausgangsbeschränkungen gelten. Ein Aufenthalt im Landkreis Hildburghausen außerhalb einer eigenen Wohnung ist nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Zu den triftigen Gründen zählt unter anderem auch die Bewegung oder sportliche Betätigung im Freien, allerdings ausschließlich alleine oder alleine mit einer weiteren nicht im selben Haushalt lebenden Person oder mit Angehörigen des eigenen Haushaltes. Diese Beschränkungen gelten für jeden, der sich im Landkreis Hildburghausen aufhalten möchte." Ob es zu weiteren Einschränkungen durch eine Landesverfügung kommt, die von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ins Gespräch gebracht wurden, ist dabei noch unklar. Eine Möglichkeit, die Besucherzahlen in den Wintersportorten zu verringern, wäre eine Sperrung der Parkplätze. "Das wäre Sache der Gemeinden, aber wir sprechen auch darüber", sagte Thomas Müller auf Anfrage. Unterdessen plant der Wintersportort Oberhof nach Medienberichten, das Stadtgebiet komplett abzuriegeln, weil dem Besucheransturm anders nicht beizukommen sei. Trotz allem hofft Landrat Thomas Müller, dass die Tourismusregion von Coburg bis zum Rennsteig nicht vergessen wird, wenn die Beschränkungen einmal nicht mehr gelten.

Bewegung an frischer Luft ist in Coburg Stadt und Land weiterhin ein triftiger Grund, das Haus zu verlassen. Im Landkreis ist das zurzeit nur mit Angehörigen des selben Hausstandes erlaubt. Zu Hause darf aber Besuch eines anderen Hausstandes empfangen werden. Im Stadtgebiet dürfen Angehörige zweier Hausstände zusammen spazieren gehen - allerdings darf das immer nur mit Angehörigen eines bestimmten Hausstandes geschehen. Mit diesem ist auch das Treffen in den eigenen vier Wänden erlaubt. Der Landkreis hat mögliche weitere Einschränkungen angekündigt.

Landrat Sebastian Straubel (CSU) appelliert daher an die Bürger: "Das Coronavirus überträgt sich von Mensch zu Mensch, daher sind leider persönliche Kontakte der Haupt-Übertragungsweg. Wir appellieren deshalb immer wieder an jeden Einzelnen - denn jeder von uns kann und muss einen Beitrag zur Eindämmung des Virus leisten -, persönliche Kontakte zu reduzieren! Natürlich - das ist nachvollziehbar - will man den ersten Schnee genießen, mit den Kindern nach draußen, Schlittenfahren, und dergleichen. Das ist auch möglich. Aber bitte achten Sie darauf, Plätze zu meiden, an denen viel los ist. Gehen Sie möglichst alleine oder lediglich mit Personen Ihres Hausstandes ins Freie - am besten auch in Ihrer direkten Umgebung."