Manchmal geht es sehr schnell, bis die Betrüger einen Menschen im Visier haben. So wie in diesem Fall. Der Mann stirbt, die Kinder besorgen der nun verwitweten Mutter ein Smartphone und Tablet, damit man besser in Kontakt bleiben kann. Schon nach wenigen Wochen hat die betagte Frau Kontakt zu einem Mann. Der umgarnt sie, schickt auch ein Foto von sich - er sieht sehr adrett aus. Bevor etwas Schlimmes passieren kann, schauen sich die Kinder die Nachrichten, die über soziale Medien oder E-Mail ausgetauscht wurden, genauer an. Auch das Foto von dem adretten Mann. Den gibt es wirklich, aber es ist kein einsamer Herr, sondern ein Diplomat. Und das Bild ist aus dem Netz geklaut.

In diesem authentischen Fall ist es zum Glück nicht dazu gekommen, dass ein Betrüger Geld erschwindelt hat. Bei einer Frau (46) aus Coburg hatte ein Verbrecher leider mehr Erfolg. Die Frau bekam im vergangenen November über das Internet eine Freundschaftsanfrage eines Unbekannten. Er sei US-Soldat im Auslandseinsatz, schrieb er.

Erst will er ihr Herz, dann ihr Geld

Man schrieb hin und her - und nach und nach schaffte es der "Soldat", das Vertrauen der Coburgerin zu gewinnen. Im Dezember hatte er sie so weit. Er brachte sie dazu, aus verschiedenen Anlässen Geld zu überweisen, teilte die Polizei Bayreuth gestern mit. Zunächst überwies die Frau demnach einen niedrigen vierstelligen Betrag.

Der falsche Soldat muss ihr vieles versprochen haben - am Ende offenbar sogar ein Leben zu zweit. Dafür müsse er aber aus der amerikanischen Armee ausscheiden - und das koste "Ablöse". Die Frau überwies dieses Mal eine niedrige fünfstellige Summe auf ein Konto in Deutschland. Das reichte dem Ganoven nicht, er forderte mehr - aber da ging die Coburgerin zur Polizei und erstattete Anzeige.

Organisierter Betrug

Das Phänomen nennt sich "Love-Scamming". "Dabei handelt es sich um organisierten Bandenbetrug, der in den meisten Fällen von westafrikanischen oder osteuropäischen Ländern ausgeht", sagt Franziska Schramm, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken. Die Nationalitäten der Täter seien aber unterschiedlich, es gebe deutsche, afrikanische, amerikanische oder französisch-stämmige Betrüger. Ursprünglich wurde diese Masche unter dem Begriff "Nigeria-Connection" bekannt, informiert die Zentrale für polizeiliche Kriminalprävention auf ihrer Seite im Internet. Dabei sei die Masche "US-Soldat im Auslandseinsatz" sogar recht häufig. Die Männer gäben vor, nicht an ihr eigenes Konto zu kommen und bitten um Überweisungen via Zahlungsdienstleister wie Money-Gram oder Western Union. Die Betrüger sprächen perfektes Englisch.

Dabei geben sich die "Scammer" tatsächlich viel Mühe. Nach dem ersten Kontakt werde abends zum Beispiel stundenlang gechattet oder telefoniert. Lange Gespräche über Familie, Beruf, Liebe, die gemeinsame Zukunft... So erschleichen sich die Betrüger das Vertrauen ihrer Opfer. Und: Das sind keineswegs nur Frauen. Auch Männer werden so kontaktiert, die "Scam-Frauen" geben sich dann als Krankenschwestern, Lehrerinnen oder Geschäftsfrauen aus. Tendenziell seien aber als Opfer mehr Frauen als Männer betroffen, sagt Franziska Schramm. Einen Trend nach oben gebe es bei den Fallzahlen zwar nicht. "Im Vergleich zum Vorjahr sind 2021 weniger Love-Scamming-Fälle zu verzeichnen. Jedoch ist die Summe des Beuteschadens deutlich gestiegen und lag im letzten Jahr im hohen sechsstelligen Eurobereich. Die Dunkelziffer der Fälle ist sicherlich um einiges höher. Einige Opfer erstatten aufgrund des Schamgefühls keine Anzeige bei der Polizei", sagt Schramm.

Wie kann man sich schützen?

Dazu hat die Polizei zunächst vier einfache Ratschläge: Niemals Geld überweisen - alle Nachrichten als Beweismaterial abspeichern - Anzeige erstatten - Kontakt abbrechen. Man kann aber auch als Privatperson aktiv im Internet ermitteln. Franziska Schramm: "Um die Internetbekanntschaft auf Echtheit zu überprüfen, kann der Name der Online-Bekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" in einer Suchmaschine, wie zum Beispiel Google, eingegeben werden. So wird in vielen Fällen ein Verdacht bestätigt." Und: Das Internet bietet Werkzeuge, die erkennen helfen können, wenn ein Foto gestohlen und für Betrugszwecke verwendet wurde (siehe Infokasten).

Zu späte Warnungen für die Coburgerin, die an den Liebes-Schuft geraten ist.