Uwe Kerkewitz Bundestagsabgeordneter der Bündnis 90/ die Grünen und stellvertretender Sprecher im Entwicklungshilfeausschuss des Bundestages war am 16. September Gastreferent in der Gaststätte Fasanengarten/ Niederndorf. Anlass war die faire Woche in Deutschland.

"Fair Town"

Uschi Schmidt Ortsverbandssprecherin Bündnis 90/ Die Grünen Herzogenaurach eröffnete die Veranstaltung in der gut besuchten Gasstätte Fasanengarten und bedankte sich besonders bei der Steuerungsgruppe "Fair Town Herzogenaurach" und der Ökofest-Initiative e.V. aus Herzogenaurach. Schmidt erinnerte sich rückblickend an die Ernennung der Stadt Herzogenaurach zur 147. fairen Stadt im Jahr 2013.

"Fair fängt nicht in Afrika an, sondern hier." - Das ist das Statement von Uwe Kerkewitz. Warum hier? Ein Beispiel: Bei öffentlichen Ausschreibungen können faire Richtlinien in sozial und ökologischer Sicht gefordert werden. Diese Richtlinien wurden 2004 von der EU veranlasst. " Leider ist es kein Muss hier in Deutschland, sondern nur ein Kann," so Kerkewitz,

Nicht verbindlich

"Denn Freiwilligkeit bringt nichts Verbindliches." Oder zum Beispiel: 350 Milliarden Euro hat die öffentliche Hand zur Verfügung und nur ein Sechstel bis ein Fünftel werden für faire Produkte ausgegeben. Es könnten zum Beispiel 50 Prozent der Uniformen, Berufskleidungen und sonstige Materialien fair beschafft werden. Bei Sanierungsarbeiten an öffentliche Gebäuden, wie Schulen oder Kindergärten könne man örtliche Betriebe mit einschließen und so der regionale Wirtschaftkreislauf geschlossen werden kann.

"Was braucht Afrika?" fragte sich Uwe Kerkewitz, "Afrika braucht gute, fair ausgehandelte Handelsverträge und nicht Verträge, die überwiegend zu Gunsten der Industriestaaten oder entstandenen Herrscherelite der afrikanischen Staaten." Bedenklich findet Kerkewitz auch das Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten. (Mitglieder der Mercosur-Staaten sind Argentinien , Brasilien, Paraguay und Uruguay.)

Die EU möchte für den Industriezweig Produkte in die Mercosur-Staaten einführen und im Gegenzug importiert die EU Agrar- und Lebensmittel. "Aber um Agrar- und Lebensmittel zu produzieren braucht man Flächen und so wundert man sich nicht über die Brandrodung im Amazonas."

Erfreut ist Kerkewitz über die positive Entwicklung bei den Ausgaben beim Kauf von fairen Produkten. Wurden im Jahr 2009 noch 5 Euro pro Kopf und Jahr ausgegeben, so sind es heute 20 Euro. Alles habe vor 50 Jahren mit dem Verkauf von fairem Kaffee und Kakao nach dem Gottesdienst begonnen.

Jetzt haben viele Supermärkte faire Produkte in ihrem Sortiment. Auch kam Kerkewitz auf den "grünen Knopf" zu sprechen. Er bedauert, dass es so lange gedauert hat. Der "grüne Knopf" ist das Siegel für Textilien, die ökologisch und sozialverträglich produziert worden sind und regelmäßig kontrolliert werden.

Viele Siegel

Leider gebe es in der Textilindustrie viele Siegel unter anderen auch Haussiegel, die keiner Kontrolle unterliegen. Beim "grünen Knopf" würden, so Kerkewitz, drei Arbeitsabschnitte kontrolliert und zwar der Zuschnitt, das Färben und das Nähen, aber nicht die Gewinnung der Baumwolle. Entwicklungsminister Müller möchte erst zwei Jahre abwarten und dann auswerten.