Das Amtsgericht in Haßfurt hat ein Strafverfahren wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort gegen eine Geldauflage eingestellt. Der Angeklagte kam glimpflich davon.
Einen Strafbefehl hatte der 70-jährige Beschuldigte aus einer Ortschaft im Maintal nicht akzeptiert. Auf 30 Tagessätze zu je 20 Euro hatte der Strafbefehl gelautet. Wegen des Einspruchs wurde der Vorfall am Amtsgericht in Haßfurt verhandelt.
Der Vertreter der Anklage, Ilker Özalp, warf dem Angeklagten vor, sich nach einem von ihm im September in Haßfurt vor der Post verursachten Verkehrsunfall unerlaubt vom Unfallort entfernt zu haben. Er sei beim Ausparken zweimal gegen ein Auto gestoßen, wobei ein Fremdschaden von 600 Euro entstanden sei, schilderte Özalp.
Der redegewandte Angeklagte schilderte den Vorgang und sagte, dass er aus der Parklücke ausfahren wollte und rückwärts gefahren ist. Da er hinter sich ein Fahrzeug sah, sei er wieder in die Parklücke eingefahren. Nachdem dieses Fahrzeug weg war, habe er ausgeparkt und sei nach Hause gefahren. "Drei Minuten später war die Polizei bei mir und sagte, ich hätte eine Unfallflucht begangen." Das könne nicht sein, beteuerte der Angeklagte, sonst wäre er niemals weggefahren.
Die Polizei habe die Anstoßhöhe an seinem Auto gemessen. Der Schaden, der an seinem Auto festgestellt wurde, stamme aus einem anderen Fall in einer Großstadt im Norden Deutschlands, schilderte der Rentner. Es setzte sich mit dem Besitzer des anderen Wagens in Verbindung und bemerkte: "Die vermeintlichen Anstoßstellen stimmen nicht überein." Und: "Die Angaben der Zeugen bezweifle ich von A bis Z", sagte er.
Der 35-jährige Fahrer des Firmenautos, an dem der Angeklagte einen Schaden verursacht haben soll, sagte, dass er gesehen habe, wie der Angeklagte aus einer Parklücke herausfahren wollte. Eine Kollision sah er offensichtlich nicht. Darauf wurde er erst von einem Zeugen aufmerksam gemacht.
Dieser eigentliche Tatzeuge, ein 52-Jähriger aus dem Landkreis, war sich sicher, dass der Angeklagte zweimal beim Versuch auszuparken gegen den Pkw des 35-Jährigen geprallt ist. Er, so der Zeuge, habe vor der Post auf seine Frau gewartet und den Vorfall genau beobachten können. "Ganz leicht stieß er zweimal gegen das Auto, welches wackelte. Für mich war es offensichtlich, dass der Angeklagte zweimal gegen das Auto fuhr, da gibt es nichts zu rütteln", betonte der Zeuge.
Nach der Beweisaufnahme erläuterte Richterin Ilona Conver, dass eine eindeutige Schadenszuweisung wohl nur mit einem Gutachten geklärt werden könne, selbst wenn die glaubwürdige Aussage des Zeugen vorliege. Nach einigen Überlegungen erklärten sich die Prozessbeteiligten zur Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage bereit. Das Verfahren wird vorläufig eingestellt und der Angeklagte muss eine Geldauflage von 300 Euro an eine Sport-Jugendgruppe in Haßfurt zahlen.