52,5 Prozent aller Beschäftigten arbeiten laut einer Pressemeldung des DGB Unterfranken in Bad Kissingen/Rhön-Grabfeld im Bereich Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus zu Niedriglöhnen. Der Landkreis Bad Kissingen habe damit die höchste Niedriglohn-Quote im unterfrankenweiten Vergleich.

DGB-Kreisverbandsvorsitzender Gerhard Klamet bringt es auf den Punkt: "Knapp 8200 Beschäftigte arbeiten in Bad Kissingen/Rhön-Grabfeld zu Niedriglöhnen." Viele würden mit Armutslöhnen abgespeist und seien vom Wohlstand abgekoppelt. Klamet: "Tarifverträge und Tarifbindung sind die Mittel gegen Niedriglöhne."

Die Daten stammen aus dem neuen Report "Tatort Niedriglohn in Bayern" 1, den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

DGB-Kreisvorsitzender Gerhard Klamet: "Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr." Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine in der Region Bad Kissingen/Rhön-Grabfeld mehr als 8200 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen.

Besonders hoch sei das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (Bad Kissingen: 52,5 Prozent, Rhön-Grabfeld: 39,3 Prozent). Viele Beschäftigte erhielten einen Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde.

"8196 Beschäftigte in Vollzeit, die nur Niedriglöhne erhalten, sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs in der Region. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Alleine bei den Minijobs in Bayern sind sieben von zehn dem Niedriglohn zuzurechnen", so Klamet weiter. Für den DGB in Bad Kissingen/Rhön-Grabfeld sei klar: "Tarifverträge entfalten ihre Wirkung gegen Niedriglöhne. In den Betrieben, in denen Tarifverträge gelten, geht es den Beschäftigten besser, sind die Löhne höher und die Arbeitsbedingungen besser."

Es müsse im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind und die Kaufkraft in der Region gestärkt wird, heißt es in der Pressemeldung weiter. "Daher fordern wir die Kommunen auf, öffentliche Aufträge nur an tarifgebundene Unternehmen zu vergeben. Die Arbeitgeber fordern wir auf, Tarifflucht zu unterlassen und in die Tarifbindung zurückzukehren und die Beschäftigten ordentlich zu bezahlen. Die Beschäftigten fordern wir auf, sich zu organisieren und sich gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft für gute Tarifverträge einzusetzen."

In Bad Kissingen und im Rhön-Grabfeld sei ein "Tatort" entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raube und zur Spaltung unserer Gesellschaft beitrage. Dies gelte es schleunigst umzukehren. red