Ob Handball, Basketball oder Eishockey: Die Profivereine aus der Region hatten sich akribisch auf eine Saison unter Corona-Bedingungen vorbereitet. Um zumindest einen Teil der Zuschauereinnahmen zu generieren, erarbeiteten die Klubs Hygienekonzepte, passten ihre Etats an - und bekamen positive Rückmeldungen.

Doch die steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland werfen die Pläne über den Haufen, es drohen Geisterspiele ohne Aussicht auf schnelle Verbesserung. Wie gefährdet ist der fränkische Hallen-Profisport?

HSC Coburg kommt in Bedrängnis

Bei den Coburger Erstliga-Handballern geht die Angst um. Wie bereits berichtet steht seit Montagnachmittag fest, dass der HSC ab sofort vorerst keine Fans mehr in die über 3000 Zuschauer fassende HUK-Arena lassen darf. So hat es die Stadt Coburg angesichts des steigenden Sieben-Tage-Inzidenzwertes entschieden.

Wie lange der Klub derartige Geisterspiele ohne Zuschauereinnahmen durchhalten kann, weiß Geschäftsführer Jan Gorr auch nicht genau: "Eine konkrete Zahl kann ich da an dieser Stelle nicht nennen. Aber eines ist allerdings klar: Die Zuschauereinnahmen sind ein wesentlicher Teil unseres Budgets. Und ohne eine Kompensationslösung in diesem Bereich werden wir eine Saison ohne Zuschauer wirtschaftlich nicht überstehen können." Und wie könnte eine solche Lösung aussehen? "Das könnte zum Beispiel die Fortführung der Corona-Hilfe Profisport sein. Das wäre für alle Profivereine mehr als wichtig."

BBC hat ohne Fans geplant

Seit Monaten wird der Berufsalltag des kaufmännischen Leiters des Basketball-Zweitligisten BBC Coburg, Carsten Richter, vom Thema Corona dominiert. "Meine Tage sind zurzeit lang, das Thema ist allgegenwärtig. Morgens, wenn ich aufstehe und der Kaffee durchläuft, geht der erste Blick immer auf die Seite des Robert-Koch-Instituts mit den aktuellen Fallzahlen."

Und was droht dem BBC Coburg im "Worst-Case-Szenario", sprich einer kompletten Saison ohne Zuschauer? "Hätten wir nur Geisterspiele, wäre das für uns eine deutliche Erschwernis. Wir hätten eine Chance durchzukommen, aber das wäre ein ambitioniertes Ziel", erklärt Wolfgang Gremmelmaier. Der BBC-Geschäftsführer sagt aber auch, dass der Klub vorsorglich bei der Etatplanung gar keine Zuschauer-Einnahmen berücksichtigt hat. Jeder Euro aus Zuschauergeldern sei eine Zugabe.

Aber trotzdem weiß auch Gremmelmaier um die Sorgen und Nöte aller Klubs: "Sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden können, wäre das für alle Vereine fatal. Dann würde man, glaube ich, die Basketball-Landschaft nicht wiedererkennen."

Tristesse auch beim HC Erlangen

Knapp 1800 Zuschauer durften im ersten Saisonheimspiel vor gut zwei Wochen einen Erlanger Kantersieg gegen die MT Melsungen bejubeln. Ganz anders war die Gefühlslage in der Nürnberger Arena am vergangenen Sonntag: Zuschauer waren nicht erlaubt, der HCE verlor letztlich klar gegen die Rhein-Neckar Löwen.

"Es war eine sehr eigenartige Atmosphäre. Wir brauchen die Unterstützung der Fans gerade in engen Partien", sagt Geschäftsführer René Selke. Rund 25 Prozent des Erlanger Etats bestehen aus den Zuschauereinnahmen. Die in der Testphase bis Ende Oktober geltende 20-Prozent-Regel ermöglichte dem HCE 1800 Fans in der Arena.

"Eigentlich standen ab November Lockerungen in Aussicht. Realistisch betrachtet können wir froh sein, wenn bald wenigstens die 20 Prozent wieder reindürfen", sagt Selke.

Der Austausch unter den Handball-Bundesligisten ist eng, wie der ehemalige Torhüter des HSC 2000 Coburg erklärt. Wöchentlich halten sich die Klubs auf dem Laufenden. Aktuell sei die Stimmung laut Selke sehr angespannt: "Wir alle haben das Ziel, unsere Sportart am Leben zu erhalten. Dafür brauchen wir aber Zuschauer. Es war von Anfang an von allen Vereinen kommuniziert, dass wir die Serie nur überstehen, wenn wir mit Fans planen dürfen."

Mögliche Lösungen gibt es viele. Von einer zeitweisen Aussetzung des Spielbetriebs bis zu der Fortsetzung in leeren Hallen ist alles drin. "Fest steht, dass die Vereine dauerhafte Geisterspiele hart treffen würden", sagt Selke.

Alligators offen für Planänderung

Von einem Fehlbetrag im Etat von bis zu 300 000 Euro sprachen die Höchstadt Alligators vor wenigen Wochen (wir berichteten). Damals gingen die Verantwortlichen des HEC aber noch davon aus, 600 Zuschauer im heimischen Eisstadion begrüßen zu dürfen. "Bislang ist noch nicht entschieden, wie viele Zuschauer wir reinlassen dürfen", sagt HEC-Finanzvorstand Dominik Rogner zwar. Doch angesichts der auf über 50 gestiegenen Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind 600 Fans beim Höchstadter Heimauftakt in der Eishockey-Oberliga in zehn Tagen kaum realistisch.

Hilfe verspricht der Fördertopf Profisport des Bundes, der rund 80 Prozent der ausfallenden Zuschauereinnahmen decken soll. Dies gilt bislang aber nur bis Jahresende und gleicht entgangene Einnahmen aus dem Catering oder Veranstaltungen nicht aus. Für Rogner ist klar: "Durch die Fördermittel könnten wir ein paar Wochen überbrücken, mehr nicht. Eine komplette Saison ohne Zuschauer wird kein Oberligist überleben."

Am Montag berieten Vertreter des Deutschen Eishockey-Bunds und der Oberligisten über mögliche Konsequenzen. Eine Verschiebung des Saisonstarts sei laut Rogner noch nicht geplant. "Das kann sich aber jederzeit ändern. Entscheidend sind die Infektionszahlen und mögliche Entscheidungen der Bundespolitik." Denkbar sei eine Verschiebung ohnehin nur, wenn der sehr straffe Spielplan entsprechend angepasst würde.

Brose Bamberg hofft auf Fans

Obwohl die Corona-Ampel in Stadt und Landkreis Bamberg seit dem vergangenen Wochenende auf Rot steht, hofft Brose Bamberg, in der am 6. November beginnenden Bundesliga-Saison vor Zuschauern spielen zu können. Ob das aber der Fall sein wird, liegt in den Händen des örtlichen Gesundheitsamts.

Dieses entscheidet über die Zulassung von Besuchern, sobald der Inzidenzwert die Zahl von 35 überschreitet. "Wir stehen in ständigem Austausch mit der Behörde und hoffen natürlich, dass unser Hygienekonzept insofern überzeugt, dass wir zumindest eine kleine Zahl von Fans in die Halle lassen dürfen", erklärt Thorsten Vogt, Mediendirektor von Brose Bamberg.

Da die Bamberger ihr erstes Heimspiel erst am 14. November austragen, lasse sich heute noch nicht voraussagen, wie das Gesundheitsamt entscheiden werde. "Das hängt auch damit zusammen, ob das Infektionsgeschehen lokalisierbar ist oder quer durch Stadt und Landkreis geht", so Vogt.

Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, hatte kürzlich erklärt, notfalls mit Geisterspielen in die neue Spielzeit starten zu wollen. Eine Verschiebung des Saisonstarts schloss er aus. Für alle Vereine sind Geisterspiele aber keine Dauerlösung, da Zuschauereinnahmen ein wesentlicher Eckpfeiler der Budgetplanungen sind.

Auch Philipp Galewski, Geschäftsführer von Brose Bamberg, hatte schon mehrfach betont, dass eine Hallenauslastung von 30 bis 40 Prozent das Minimum sei, um wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben. oph/ps/kow