Die Absicht ist klar. Wird jemand positiv auf das Virus getestet, suchen wir möglichst alle, mit denen der Infizierte Kontakt hatte, testen sie und schicken alle in Quarantäne. Es gelte, Infektionsketten zu unterbrechen, erklärte uns die Politik. In der Praxis ist nun zu beobachten, dass genau das nicht funktioniert. Die heillos überlasteten Gesundheitsämter schaffen es beim besten Willen nicht, diesen Prozess in der Geschwindigkeit abzuwickeln, die nötig wäre, damit das Ziel erreicht werden kann. Wer mit positiv getesteten Menschen Kontakt hatte, wird oft erst nach Tagen informiert, in Quarantäne geschickt und seinerseits getestet. Das produziert eine rasch steigende Zahl von Infizierten, die zu spät erkannt werden und ihrerseits bereits weitere Menschen anstecken, ehe sie aus der Infektionskette genommen werden können. Die Reaktion des RKI, dann eben selbst Betroffene mit leichten Symptomen schon gar nicht mehr zu testen, ist schwer als etwas zu verstehen, das diesen Prozess stoppt. Ebenso wenig will einem der Lockdown in seiner momentanen Ausprägung als geeignetes Mittel erscheinen. Wenn sich nachweislich in den vergangenen Monaten niemand in einem Fitnessstudio angesteckt hat - wie soll deren Schließung dann jetzt die Infektionszahlen beeinflussen? Ähnliches gilt für Restaurants, Theater, Kinos, Tattoo- und Kosmetikstudios. Fällt hier das Verständnis für die getroffenen Entscheidungen schon schwer, so fällt es noch schwerer, die unterschiedlichen Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern zu verstehen. Das muss in Grenzregionen zu Verdruss führen. Und es führt zu Bewegungen, die ja eigentlich vermieden werden sollten. Wer in Coburg nicht ins Kosmetikstudio darf, fährt eben nach Sonneberg, Eisfeld oder Hildburghausen. Man muss kein Epidemiologe sein, um zu erwarten, dass Ende November alles erreicht sein wird - nur kein Rückgang der Infektionszahlen. Man muss auch kein Hellseher sein, um zu prophezeien, was die Politik als Lösung verordnen wird: Mehr Maske, mehr Lockdown, mehr Chaos.