Marion Krüger-Hundrup Taub und blind gegenüber den Untaten von Islamisten ist Pater Richard Nennstiel gewiss nicht. Der Dominikaner, Islambeauftragter des Erzbistums Hamburg und im Auftrag seines Ordens oft in Istanbul oder Kairo unterwegs, benennt Terror klar als solchen. Doch ebenso unmissverständlich unterscheidet er zwischen fundamentalistischer Ideologie und Religion. Ja, der Ordensmann plädiert für einen "Dialog im Respekt vor anderen Menschen, vor anderen Kulturen", der mit den Muslimen hierzulande gepflegt werden müsse: "Muslime sind nicht unsere Feinde!", umschreibt Pater Richard das Gebot der Feindesliebe, das Jesus in seiner Bergpredigt aufgestellt hat. "Muslime gehören zu unseren Nächsten", sagt der Priester deutlich.

Auch der zweite Tag des Seminars zur Bergpredigt eröffnete den Teilnehmern neue Sichtweisen. Gerade der Sonntag im Dominikanerinnenkloster Heilig-Grab, an dem es um "Die Bergpredigt - auch Richtschnur für den Umgang mit Muslimen?" ging, ließ Vorurteile und Ängste aufbrechen. Und das nicht etwa, weil der Islamexperte Richard Nennstiel und Leiter des Dominikanischen Instituts für christlich-islamische Geschichte (DICIG) eine unzulässige Vermischung von Christentum und Islam betrieben hätte. Im Gegenteil: "In Fragen der Glaubensinhalte trennen Christen und Muslime unüberbrückbare Differenzen", erklärte er und führte auch kenntnisreich die Kernbereiche an.

Kein gemeinsamer Gott

In freier Rede, nüchtern und sachlich ging der Dominikaner auf den Koran und die arabischen Quellen ein. Ihm gelang die Einordnung gewisser Suren in den historischen Kontext. Pater Richard erläuterte den Gottesbegriff, der in Allah stecke und nicht mit dem christlichen Gott deckungsgleich sei. Das bedeute, dass Christen und Muslime nicht gleichzeitig zu "dem einen Gott" beten könnten, jedoch nacheinander in der je eigenen Tradition, wie es in den multireligiösen Feiern auch üblich sei.

Immer wieder sprach Pater Richard von Respekt, der Andersgläubigen entgegenzubringen sei in einem Land, das die Religionsfreiheit im Grundgesetz garantiere. Er brachte ein praktisches Beispiel: "Wenn Muslime kein Schweinefleisch essen und keinen Alkohol trinken, wenn sie Halal-Restaurants eröffnen, ist das nicht gegen Deutsche gerichtet, sondern weil Muslime ihre Speisegebote einhalten wollen." Und wieder fiel das Wort "Respekt".

"Islam will Frieden"

Seit seiner Gründung vor 800 Jahren pflegt der Dominikanerorden den christlich-islamischen Dialog. Dominikaner sind in vielen islamischen Ländern präsent. So wurde an diesem Sonntag im Heilig-Grab-Kloster nicht nur über Muslime gesprochen, sondern auch mit ihnen. Mohamed Hédi Addala, Vorsitzender des Migranten- und Integrationsbeirats der Stadt Bamberg und Muslim, bestätigte die Richtigkeit der Ausführungen von Pater Richard. "Der Islam will Frieden", betonte Addala und zeigte sich froh darüber, dass in Bamberg das Zusammenleben der Religionen ungetrübt ist.

Auch Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD), der als offizieller Vertreter der Stadt ein Grußwort sprach, ging auf dieses "harmonische Miteinander" ein. Dies sei "leider keine Selbstverständlichkeit, wenn wir erschreckende Meldungen von Hass und Gewalt, Diffamierung und tätlichen Angriffen aus anderen Städten verfolgen". Veranstaltungen wie der Studientag "sind immens wichtig, weil sie das gegenseitige Verständnis aller Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und den respektvollen Umgang miteinander fördern", so Metzner. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog sei essentiell für ein friedliches Zusammenleben.

Weg von der Oberflächlichkeit

Abschließend warb Pater Richard darum, sich gründlicher über den Islam zu informieren und nicht auf "Internet-Imame" hereinzufallen, die Religion in wenigen Sätzen darlegen wollten. "Erklären Sie mal in zwei Minuten die Dreifaltigkeit, das geht nicht", machte der Dominikaner darauf aufmerksam, dass es wie im Christentum auch im Islam Inhalte gebe, die nicht in rascher Oberflächlichkeit abgehandelt werden könnten.

Veranstalter der beiden gut besuchten Angebote zur Bergpredigt waren der Dominikanische Freundeskreis hl. Katharina von Siena an St. Gangolf und die Katholische Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg.