Der Inzidenzwert der vergangenen sieben Tage hat in Hildburghausen die 500er Marke überschritten. Der Landkreis meldete am Mittwoch einen Wert von 526,9. Aus dem Klinikverbund Regiomed kommt dazu die beruhigende Nachricht, dass kein Patient am Krankenhaus abgewiesen werden muss.

"Wir haben die Kapazitätsgrenze nicht erreicht", versicherte Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke am Mittwoch im Gespräch mit Journalisten. Derzeit werden verteilt auf alle Regiomed-Kliniken in Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen 89 Patienten mit einer Covid-19-Infektion auf Normalstation behandelt. Zehn liegen auf der Intensivstation, sechs davon werden beatmet.

Die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens werde mit Sorge beobachtet, sagte Alexander Schmidtke. Steigende Inzidenzwerte schlagen erst mit einer guten Woche Verzögerung auf die Patientenzahlen durch. "Wir können derzeit nur auf Sicht fahren", sagt Schmidtke, bezeichnet die Lage aber insgesamt als "angespannt, aber beherrschbar". Gleichzeitig appelliert er an Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU), trotz der angeordneten Schließung aller Schulen und Kitas im Landkreis, die Kinderbetreuung für die Mitarbeiter des Krankenhauses zu ermöglichen. Angesichts eines derzeit überdurchschnittlichen Krankenstandes und Ausfällen durch Quarantäne drohe akuter Personalmangel im Krankenhaus.

Aktuell gelten in Hildburghausen verschärfte Kontaktbeschränkungen. Die Wohnung darf nur mit einem triftigen Grund verlassen werden. Gleichzeitig sollen Schulen und Kitas bis zum 13. Dezember geschlossen bleiben. Diese Zeit könnte durch Tests verkürzt werden. Das Thüringer Gesundheitsministerium stellt 11 000 Schnelltests bereit, die für alle Schüler und Lehrer, Kindergartenkinder und Erzieherinnen gedacht sind. Doch die Tests müssen auch zur Anwendung kommen. Das erfordert einen erheblichen Organisationsaufwand, über den am Mittwoch im Landratsamt Hildburghausen lange beraten wurde. Ergebnis: So schnell, wie gewünscht, geht es nicht. Wie Landrat Thomas Müller auf Anfrage erklärte, wurden ihm bisher fünf Testteams der Bundeswehr bewilligt. Diese könnten 400 Personen täglich testen. "Da läuft unsere Allgemeinverfügung aus, ehe wir fertig sind", sagte Thomas Müller mit Blick auf über 9000 Tests, die durchgeführt werden müssten. Er hat 20 Teams angefordert.

Sehenden Auges ins Chaos

Erste Tests werden voraussichtlich am Dienstag stattfinden können. Wo begonnen wird, steht noch nicht fest. "Wir werden räumliche Cluster bilden, damit die Teams nicht ständig herumfahren müssen", sagte Thomas Müller. Doch das Problem stellt sich vor Ort an jeder Einrichtung. Es können nicht alle Schüler oder Kita-Kinder mit ihren Eltern vor der Tür auf ihren Test und dann auf das Ergebnis warten. Solche Massenansammlungen gilt es zu vermeiden. Weil der Test freiwillig sein wird, ist mit einer Spaltung der Schüler zu rechnen. "Für die, die negativ getestet sind, besteht Schulpflicht im Präsenzunterricht", sagt der Landrat. Nicht oder positiv getestete Schüler müssten zu Hause beschult werden.

Laut Thomas Müller geht es dem Gesundheitsministerium darum, gezielt zu erfahren, welche Rolle Kitas und Schulen im Infektionsgeschehen spielen. Massentests sollen das klären.

Finanzielle Verluste

Unterdessen bereitet den Verantwortlichen bei Regiomed nicht nur die Versorgung der Corona-Patienten Kopfzerbrechen. Alexander Schmidtke ist von den Plänen für einen neuen Rettungsschirm zur finanziellen Absicherung der Krankenhäuser enttäuscht. "Es ist ein Rettungsschirm, der seinen Namen nicht verdient", sagte er am Mittwoch dazu. Seitens der Bundesregierung sei zu Beginn der Pandemie versprochen worden, kein Krankenhaus werde wegen der Pandemie ins Defizit rutschen. Schmidtke: "Das ist nicht eingetreten." Für den Klinikverbund Regiomed zeigt die Hochrechnung seit September und Oktober, dass monatlich dreiviertel bis eine Million Euro am Betriebsergebnis fehlen. Im Frühjahr wurde bereits ein erster Rettungsschirm aufgespannt. Für jedes Bett, das die Kliniken frei hielten, um für eine Welle von Corona-Patienten gerüstet zu sein, bekam das Krankenhaus eine Pauschale von 560 Euro. Im neuen Rettungsschirm ist eine Ausgleichszahlung an eine Reihe von Faktoren gebunden. Für Schmidtke ist die ständig zu aktualisierende Nachweispflicht und Berechnung , die dafür nötig ist, nicht nur eine zusätzliche Belastung in der täglichen Arbeit, sondern der Rettungsschirm an sich ein System, das zu erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen für die Krankenhäuser führen wird. Sein Fazit: "Der Rettungsschirm geht an der Lebenswirklichkeit vorbei, in der wir uns befinden." Die Kliniken hätten schließlich auch andere als Covid-Patienten zu versorgen. Das werde durch den Rettungsschirm in der geplanten Form infrage gestellt.

Impfzentrum im Landkreis

Hoffnung ruht auf einer Impfung, die inzwischen in greifbarer Nähe sein soll. Jede Kreisverwaltung muss nach einem geeigneten Objekt suchen und ein Impfzentrum einrichten. In Coburg wird das für Stadt und Landkreis gemeinsam geschaffen, wie Corinna Rösler, Pressesprecherin des Landratsamtes Coburg, auf Anfrage bestätigt. Wo genau das Impfzentrum entstehen wird, soll am Freitag bekanntgegeben werden. Klar ist bisher nur, dass es im Landkreis sein wird.