In Herzogenaurach wird zwei Mal im Jahr Kirchweih gefeiert. Jedenfalls in normalen Zeiten. Im Corona-Jahr 2020 konnte keine der beiden begangen werden. Die ursprüngliche Kirchweih in Herzogenaurach war früher die Martini-Kirchweih im November, die sich in der Innenstadt abspielte. Die für alle verbindliche Verlegung des Kirchweihfestes in Würzburgischem Territorium vom 6. Februar 1764 auf den ersten Sonntag nach Martini (11. November) hatte an der Aurach offensichtlich bis in die heutige Zeit Bestand.

Die Martini-Kirchweih hatte die Kirchweih am Festtag der Kirchenpatronin Maria Magdalena (22. Juli) verdrängt, die Pfarrer Johannes Widhössel (1508 bis 1532) erwähnte und die bis ins 18. Jahrhundert üblich war.

Der bekannte Herzogenauracher Baumeister Andreas Kurr (1849 bis 1938) notierte eine Beschreibung der Martini-Kirchweih in seiner Jugend. Passend zur Jahreszeit mussten für den Festtagsbraten vor allem die Gänse dran glauben. Darüber hinaus roch es in jedem Haus nach Kuchen, Krapfen und Kiegli. Am Samstag wurde beim 14-Uhr-Läuten die blecherne Kirchweihfahne am Kirchturm der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena aus einem Fenster gehängt.

Gans auf dem Tisch

An der Kirchweih hatte die Jugend manches Privileg. Vor allem musste sie den Polizeidiener nicht so sehr fürchten, wenn sie nach dem Gebetläuten abends nicht gleich daheim waren. Obligatorisch war der Festgottesdienst am Sonntagvormittag. Zum Mittagessen kam die Martinsgans auf den Tisch, bei den weniger Begüterten zumindest ein Gänsepfeffer. Am Nachmittag gab es Kaffee und Kiegli. Die Hauptsache für die Kinder waren die "Marktkreuzer", die sie von Eltern, Besuchern und Paten erhielten. Das Recht darauf ließen sich die Buben und Mädchen nicht so leicht nehmen. Am Marktplatz waren zahlreiche Stände aufgeschlagen. Da erst ab 1894 eine Zugverbindung nach Erlangen existierte, konnte niemand in ein Kaufhaus zum Einkaufen, sondern deckte in der Heimatstadt seinen Bedarf. Vor dem Rathaus hatten die Schuster ihre Stände aufgeschlagen. Vertreten waren auch die Hafner und Flaschner sowie auswärtige Fieranten.

An Leckereien gab es Lebkuchen, Feuersteine, Bärendreck, Schaumrollen und Schnitten. Statt Orangen und Bananen wurden Johannisbrot, Süßholz, Hutzeln und dürre Zwetschgen angeboten. Für die Kinder gab es ein Karussell, das früher Reitschule hieß, und ein Kasperltheater.

Besonders lebhaft ging es in den Wirtschaften zu. Die Bauern der Umgebung, aber auch Fremde bevölkerten die Gastronomie. Davon profitierten vor allem die Gastwirtschaften in der Innenstadt, in der Hauptstraße der Gasthof "Schwarzer Bär", Hauptstraße 25, der Gasthof "Weißes Roß", Hauptstraße 27, die Brauerei Heller, Hauptstraße 33, und der Gasthof "Krone", Hauptstraße 37, am Marktplatz das Gasthaus "Zum Roten Ochsen", Marktplatz 4, und die Gastwirtschaft Glass, Marktplatz 10. Aber auch noch um den Kirchenplatz konnten die Gasthäuser auf Kundschaft hoffen, so die Gaststätte "Weißer Hahn", Kirchenplatz 1, die Gastwirtschaft "Zum Steigerwald", Engelgasse 4, und die Gaststätte Heubeck, Hintere Gasse 42. Am Samstagabend wurde außerdem ein Ball veranstaltet.

Groß gefeiert wurde in Herzogenaurach die Martini-Kirchweih von Samstag bis Montag und mit einer Nachkirchweih am darauffolgenden Sonntag.