Matthias Einwag Die Friedhofskultur ändert sich. Während einst in katholisch geprägten Gegenden jede Familie ihre Angehörigen in einem Erdgrab bestattete, nehmen seit etlichen Jahren die Urnenbeisetzungen aus demographischen Gründen stark zu. Der Hintergrund ist wohl, dass es oft keinen Familienmittelpunkt mehr gibt, weil die Kinder und Enkel berufsbedingt in Ballungsräume umziehen und dort leben.

Lukas Hofmann, der im Staffelsteiner Rathaus für die Friedhofsverwaltung zuständig ist, wartet mit nüchternen Zahlen auf: 2019 seien bayernweit 70 Prozent der Verstorbenen in Urnen beigesetzt worden. Im Norden Deutschlands liegen die Urnenbestattungen sogar bei rund 90 Prozent, deutschlandweit seien es im Durchschnitt 75 Prozent. Auf Bad Staffelstein heruntergebrochen, bestätigt sich der Trend, wenn auch in abgeschwächter Form: "Wir hatten 2019 insgesamt 109 Beisetzungen - 59 Urnen- und 50 Erdbestattungen. Man merkt den Trend eindeutig hin zu den Urnen."

Weniger Arbeit für Steinmetze

"Für die Steinmetzbranche bedeutet das einen kontinuierlichen Auftragsrückgang", sagt Otmar Kerner. Früher habe fast jede Familie ein Erdgrab oder eine Gruft gehabt, wo die Angehörigen eine würdige Ruhestätte fanden. Inzwischen setzen sich Urnenwände und -gräberfelder durch.

Firmenchef Michael Kerner ergänzt, dass die Steine für Grabmale einst überwiegend aus schwarzem und dunkelgrauem Stein gearbeitet wurden. Das Material sei aus dem Bayerischen Wald oder aus Schweden bezogen worden. In den 1960er Jahren seien außerdem Natursteine aus Afrika oder Nordeuropa bezogen worden. "Heute werden diese, wie in der Baubranche, weltweit geordert." Früher sei das Aufstellen einer Grabanlage mit reiner Muskelkraft erfolgt, fährt er fort. Als Hilfen dienten den Arbeitern einst nur Rollen und Hebel. Heute würden hierbei Kräne eingesetzt. Bei schwer zugänglichen Gräbern müssten die Arbeiter jedoch auf altbewährte Arbeitsweisen zurückgreifen. Arbeit für seinen Berufsstand werde es aber immer geben, sagt Michael Kerner: "Der Steinmetz ist ein steinalter Berufsstand. Einer der ersten, die es gab und einer, den es immer geben wird."

An diesem Herbsttag setzen die Mitarbeiter der Firma Kerner einen restaurierten Grabstein im Draisdorfer Friedhof. Mit dem Kran heben sie den zentnerschweren Stein vom Lkw über die Hecke. Doch dann müssen Wolfgang Zillig und Thomas Dinkel kräftig anpacken. Sie bugsieren den Stein auf einem Lastkarren zum Grab, um ihn dort in bewährter Weise Zentimeter für Zentimeter abzulassen und im Erdreich zu verankern.

Von einem deutlichen Trend hin zu mehr Urnenbeisetzungen spricht auch der Staffelsteiner Bestatter Hans-Rudolf Stich. Vor etlichen Jahrzehnten seien im katholisch geprägten Staffelstein nahezu alle Verstorbenen in der Erde bestattet worden, sagt der 59-Jährige. Feuerbestattungen seien früher eher selten gewesen. Im Coburger Raum, fügt er hinzu, sah es auch damals schon anders aus.

"Seit Mitte der 1980er Jahre machen wir Bestattungen mit Überführungen und Dienstleistungen", ergänzt er. Viele dieser Dienstleistungen seien vorher von der Stadt Staffelstein abgedeckt worden. Die Stadt hatte früher selbst einen Totengräber und einen eigenen Leichenwagen. Dieser VW-Bus sei irgendwann in die Jahre gekommen und außer Dienst gestellt worden.

Zunächst bot die Schreinerei Stich nur die Särge an, alles andere war Aufgabe des Totengräbers, bis sich das vor rund 35 Jahren änderte. Auch viele Dörfer im Staffelsteiner Land hatten einst, vor der Gebietsreform in den 1970ern, ihre eigenen Totengräber, ergänzt Stich.

Am Obermain sei es wie überall: Viele Angehörige jüngerer Generationen seien berufsbedingt nicht mehr am Heimatort; sie könnten sich aufgrund der räumlichen Entfernung nicht regelmäßig um die Gräber kümmern. Ein Urnengrab erfordere wesentlich geringeren Aufwand. "Gruften und Gräber waren früher ein wenig wie Statussymbole der Geschäftsleute, Beamten und großen Bauern", sagt Stich.

Heute sei es so, dass Familien weniger ortsgebunden sind. So komme es, dass ältere Menschen ihren Kindern und Enkeln eine Grabpflege nicht mehr aufbürden wollen und ihre sterblichen Überreste lieber auf einem Urnenfeld oder in einer Urnenwand beisetzen lassen.

Menschen, die sich in einem Friedhain oder Ruheforst beisetzen lassen gebe es im Staffelsteiner Land bisher kaum: "Bei uns in Bad Staffelstein ist das noch kein hoher Prozentsatz, wir hatten solche Beisetzungen heuer nur zwei oder drei Mal", sagt Stich und fügt hinzu: "Es ist eine Einstellungssache jedes Einzelnen, wie er dazu steht." Wer eine Urnenbeisetzung wünsche, dessen Leichnam werde zur Einäscherung ins Coburger Krematorium gebracht.

Todesanzeigen und Sterbebilder seien im Vergleich zu früher nicht weniger geworden, sagt Hans-Rudolf Stich. Heuer sei es jedoch coronabedingt oft so gewesen, dass die Todesanzeige erst nach der Beisetzung des Verstorbenen in der Tageszeitung veröffentlicht wurde. Grund dafür seien die Einschränkungen während der Pandemie, die es erforderten, Verstorbene im engsten Familienkreis beizusetzen.

Zuwanderer aus Ballungsräumen

Nicht vergessen dürfe man zudem, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten in Bad Staffelstein und Umgebung viele ältere Menschen aus Berlin und anderen Teilen der Republik ansiedelten, um ihren Lebensabend hier zu verbringen. Gerade Menschen aus großstädtisch geprägten Regionen, wo Feuerbestattungen schon lange üblich sind, stünden dieser Beisetzungsform aufgeschlossener gegenüber.