2018 kam Youness Kouissi mit seiner deutschen Frau aus Marokko nach Deutschland. Sie wohnten in Wollbach, er arbeitete in Stangenroth und kickt beim TSV Wollbach. Weil die Ehe vergangenes Jahr in die Brüche ging, soll er ausreisen - zum Unmut seines Umfelds. Der TSV hat mittlerweile sogar eine Petition gestartet.

Sein Aufenthaltstitel verfiel im Winter 2021, weil die Ehe nicht lange genug hielt. Eine Arbeitserlaubnis hat er dadurch auch nicht mehr und ist ausreisepflichtig. Um bleiben zu dürfen, müsste er laut Landratsamt nach Marokko reisen, um ein Visumverfahren zum Zwecke einer Erwerbstätigkeit bei der Deutschen Botschaft zu beantragen.

Corona erschwert das. Nach Informationen der dortigen Botschaft sind seit Ende November alle Flüge und Fähren von und nach Marokko bis zum 31. Januar ausgesetzt. Allerdings: Bestimmte Fluggesellschaften würden Sonderflüge anbieten. Und eine Ein- oder Ausreise ist über zwei Ecken möglich. Davon machte ein Marokkaner aus dem Landkreis bereits Gebrauch. "Unabhängig davon hätte Herr Kouissi bereits nach Ablauf seines Aufenthaltstitels freiwillig vor dem 29. November 2021 ausreisen können." Das ist Youness allerdings nicht. Zu dem Zeitpunkt hatte er keine feste Adresse. Das Problem: Wichtige Dokumente kamen dadurch erst verspätet bei ihm an. "Ich habe damals in Bad Bocklet bei einem Freund gewohnt", sagt er.

"Aus Vereinssicht gesehen, ist Youness ein perfektes Beispiel für gelungene Integration", sagt Steffen Schmitt vom Vorstand des TSV Wollbach. Die Wege des Vereins und des Marokkaners kreuzten sich 2020. "Er ist immer mal am Sportplatz gesehen worden, wie er alleine gekickt hat." Das Engagement für die Elf kam dann schnell. "Wir haben einfach gefragt, ob er nicht Lust hat, mit uns zu trainieren und mitzuspielen." Und Youness kam mit dem Rad, aus dem zehn Kilometer entfernten Bad Bocklet.

"Man freut sich ja als Verein über jeden. Über jeden guten Fußballer allerdings noch mal mehr. Und: Wenn es persönlich noch passt - besser geht es nicht", sagt Steffen Schmitt. "Er ist ein absoluter Glücksgriff für unseren Verein." Seit einigen Wochen ist Youness mit Hilfe seiner Mannschaft und seines Arbeitgebers Jürgen Wehner nach Burkardroth umgezogen und ist jetzt noch näher am Männerhölzlein. Für Jürgen Wehner, von der Eventfirma Top-Event-Service in Stangenroth, wo Youness arbeitete, ist die Situation nur schwer zu fassen. "Laut Gesetz müsste er jetzt ausreisen, um dann zu versuchen, mit einem neuen Visum wieder einzureisen." Er sieht die Gefahr, dass er und Youness sich so aus den Augen verlieren. "Wir haben das Jahr 2022, warum lässt sich das nicht über die Botschaften regeln?", fragt sich Jürgen Wehner. "Er ist integriert, ist Teil der Gesellschaft - warum kann er nicht einfach hier bleiben?"

Um das möglich zu machen, hat er ein beschleunigtes Fachkräfte-Verfahren gestartet. Dadurch ließe sich die Erteilung eines Visums beschleunigen. "Mir wäre wichtig, dass es klappt. Von unserer Seite her würde es laufen." Das heißt: Youness hat von ihm einen Arbeitsvertrag ab April 2022 bekommen - eine Grundvoraussetzung im Verfahren. Der junge Mann ist gelernter Gas- und Wasserinstallateur. Allerdings: Ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren würde laut dem Landratsamt Bad Kissingen nichts an der bestehenden Ausreisepflicht ändern. Federführend sind laut Landratsamt Arbeitgeber und die Ausländerbehörde. "Der Arbeitgeber wurde seitens der Ausländerbehörde seit Juli 2021 mehrfach hierzu beraten." Im Herbst klärte die Behörde Jürgen Wehner darüber auf, wie das Verfahren fortzuführen ist. Aber: Bislang sind trotz mehrfacher Nachfrage - so das Landratsamt - keine Unterlagen eingereicht worden. Folglich war es der Ausländerbehörde noch nicht möglich, die Voraussetzungen zu prüfen. Unter anderem muss er Deutschkenntnisse nachweisen. Seit Beginn seines Aufenthalts ist das noch nicht geschehen. "Mit dem Deutsch-Lernen habe ich schon in Marokko angefangen", sagt Youness. In Deutschland folgten zu Beginn des Jahres 2019 weitere Kurse. Dann landete Youness für einen Monat im Krankenhaus - daraufhin erschwerte die Pandemie seine Bemühungen. "Mittlerweile ist alles auf den Weg gebracht für die notwendige Prüfung", sagt Youness Die findet am 26. Januar statt.

Reaktionen von Rottmann und Kirchner

Sein Schicksal bewegt auch die Politik. Sandro Kirchner (CSU, MdL) sagt: "Ich habe mich im Juni schon mit dem Fall befasst und aufgrund der aktuellen Rahmenbedingung noch mal. Aber: Als Abgeordneter habe ich da keinen direkten Einfluss." Das hängt damit zusammen, dass es um Bundesgesetze geht. "Da, wo Dinge im Sachverhalt nicht ganz klar sind, wirke ich darauf hin, dass nochmal geprüft wird." Manuela Rottmann (Grüne, MdB) ist ebenfalls informiert. In den vergangenen Monaten habe es im Landkreis eine Vielzahl solcher Fälle gegeben. Zum Visumverfahren im Ausland hat sie eine klare Meinung: "Das ist aufwändig und teuer, ohne dass irgendjemand einen Nutzen davon hätte, in manchen Fällen auch völlig unpraktikabel." Sie betont, dass im Koalitionsvertrag Änderungen beim Aufenthalts- und Bleiberecht angedacht sind. Dabei geht es um mehr Geschwindigkeit und Bürokratieabbau.