Es ist eher die Ausnahme, dass sich Neubürger in einer Gemeinde quasi über Nacht integrieren. In Wirsberg war das vor über 40 Jahren so, als der gebürtige Stammbacher Karl-Heinz Krüger (67) nach seinem Zuzug sofort als "Eingeborener" und nicht als "Reingeschmeckter". Der Grund dafür liegt in seiner ehrlichen, freundlichen und stets hilfsbereiten Art, die ihn von Anfang an beliebt und begehrt gemacht hat Er übernahm viele Ehrenämter, in jüngster Zeit widmet er sich noch einer weiteren wichtigen Aufgabe: dem "Enkalahüten".

Nach der Ausbildung zum Technischen Zeichner war er ab 1971 auf einer U-Bahn Baustelle in München eingesetzt. "Seit damals trinke ich meinen Kaffee immer schwarz, denn die Herren Ingenieure haben mir immer meine Milch aus dem Kühlschrank weggenommen", scherzt er rückblickend. Insgesamt seien die sieben Jahre in der Landeshauptstadt "meine schönste Zeit" gewesen.

1972 lernte Krüger seine spätere Ehefrau Heidi kennen. Doch der Kontakt war lange nur telefonisch möglich. "Es war ausgemacht, dass ich immer am Mittwoch um 18.30 Uhr anrief. Handy und Computer gab es ja zu der Zeit noch nicht, und so hatten wir nur das Wochenende für uns."

Der Hofer Firma Etschel blieb Karl-Heinz Krüger bis zum Rentenalter treu. Er entwickelte sich dort zum Spezialisten für das "Fernsehauto" und war deutschlandweit bei Brunnenbauten unterwegs.

Es war eine Clique Gleichaltriger, die ihm vom ersten Tag an das Eingewöhnen im Luftkurort leicht machte. Vor allem an den Wochenenden unternahm man vieles gemeinsam, Treffpunkt war oft die damalige Diskothek "Piroschka" in Falls.

Ein Glücksgriff für den TSV

Der gebürtige Stammbacher war im Nu "eingebürgert". Die Wirsberger spürten sehr schnell, dass da einer zugezogen war, dem die Gemeinschaft nicht nur wichtig war, sondern der auch mit anpacken wollte. So war Krüger bei zahlreichen Baumaßnahmen des TSV eine verlässliche Stütze, in der Blütezeit der neu gegründeten Fußballabteilung stand er als Vereinswirt am Zapfhahn. Kurzum, für den TSV war Karl-Heinz Krüger ein Glücksgriff.

Als dann 1993 der Bau einer eigenen Kegelsportanlage anstand, war er bereit, als Vorsitzender Verantwortung zu übernehmen: "Emil Kurz wollte sich damals das Projekt nicht mehr antun, also wurde ich an die Vereinsspitze gewählt. Es war schon ein Kraftakt, denn es galt eine Investition von einer halben Million Mark zu schultern und abzuwickeln." Nach 16 Jahren übergab Krüger sein Amt in jüngere Hände, doch die Aufgaben im Ehrenamt wurden damit nicht weniger, im Gegenteil.

So folgte 2005 für die Freien Wähler der Einzug in den Gemeinderat. Als Aktiver des Posaunenchors ("Für eine Probe lasse ich alles liegen!") wurde er 2000 erstmals in den Kirchenvorstand gewählt, in dem er auch zum Vertrauensmann bestimmt wurde. Pfarrer Peter Brünnhäußer: "Als Vertrauensmann ist er hoch engagiert und bei Arbeitseinsätzen immer dabei. Seit 36 Jahren ist er eine Stütze im Posaunenchor."

Nicht zu vergessen ist natürlich der Nikolaus, den Krüger alljährlich beim Wirsberger Adventsmarkt mit seiner mächtigen Statur geradezu ideal verkörpert. Oder die Moderation am Kerwa-Montag als Präsident der "Schürzenjäger" - und das seit 40 Jahren. Unvergessen auch die markanten Festlichkeiten am Marktplatz, ob zur Feier des Hochzeitsdorfes oder bei Fernsehaufnahmen. Für die Organisation und Bewirtung kam nur einer in Frage. Karl-Heinz Krüger stellt rückblickend fest: "Ich konnte mich immer auf eine super Mannschaft verlassen. Das waren damals Mammutaufgaben, die immer in Erinnerung bleiben werden."

Auch Bürgermeister Jochen Trier (FW) weiß, dass er auf Krüger immer zählen kann: "Er ist oft Mädchen für alles und macht um sich und seine Arbeit kein großes Aufhebens. Ich halte ihn für einen absoluten Sympathieträger und spitze Typen, der nur eine Schwäche hat: Er ist Club-Fan."