Markus Häggberg

Der Fußball bietet gewaltige Härten. Er ist eben ein Leistungssport und wenn ein Begriff zum Synonym für Härten und Qualen geworden ist, dann ist es der von der englischen Woche. Viel zu selten aber wird davon gesprochen, was eine solche Woche Fans abverlangt.
Georg ist mäkelig. Er weiß es selbst. Aber Georg ist auch mein Freund und so nehmen meine Versuche, ihm einen gelungenen Fußballfernsehabend zu bereiten, immer neue Anläufe. Zu so einem gelungenen Abend gehören für ihn Bier und Chips. Ich sehe das nicht viel anders, aber bei Chips lasse ich mit mir reden und koste mich so durch die Vielfalt. Georg nicht. Für ihn zählen nur Paprika-Chips. Er ist schließlich mäkelig.
Aber meine Anläufe lasse ich mir nicht nehmen und so sehe ich mich vor den Fußballabenden nach lohnenden Geschmacksrichtungen wie Honig-Sesam, Bratwurst-Nougat, Windlicht-Melisse oder Pistazie-Curry um. Damit scheitere ich an Georgs Geschmack jederzeit, aber man darf ja nicht aufgeben. Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht immerhin darin, selbst immer genug Chips essen zu können, guten Willen (immerhin hat man ja eingekauft und ist zum Teilen bereit) gezeigt zu haben und sich so mit einem guten Gewissen zum Bier auf die Couch zu setzen. Einmal pro Woche ist dieses Verhalten natürlich verzeihlich, aber bei englischen Wochen tritt es gehäuft auf. Englische Wochen bedeutet nämlich, dass ein und dieselbe Mannschaft in zwei oder gar drei Wettbewerben in kürzester Zeit antritt und somit den Fan auf die Couch zwingt. Georg mag den BVB Dortmund, die Bayern mag er weniger. Er ist da ganz mäkelig.
Ich hingegen mag Chips und die Bayern gerade in europäischen Wettbewerben. So saßen wir also mal auf der Couch und sahen uns am Samstag ein Bundesligaspiel des BVB an. Die Jungs kämpften, liefen, stemmten sich gegen eine Niederlage. Der Rasen war schweres Geläuf, es regnete in Strömen und die Spieler waren fix und fertig. Aber auch Georg und ich waren müde, denn wenn man pro Halbzeit mehrere Flaschen öffnen und herausbekommen muss, ob Weißwein zu Fußball passt, dann geht das nicht spurlos an einem vorüber.
Der Kater am Morgen war lästig. Georg mochte ihn nicht, aber Georg ist ja auch mäkelig. Drei Tage später ein ähnlicher Vorfall, diesmal im DFB-Pokal. Wieder mit dem BVB, wieder mit originellen Chips à la Curry-Vanille, Blaukraut-Holunder oder Tortilla-Senf. Alles meins. Die armen Sportler mussten erneut in den Regen, diesmal sogar in den der Verlängerung, wo sie ausschieden. Sie hätten unser Mitleid verdient gehabt, wenn wir nicht selbst durch Biere und zu wenig Rekonvaleszenz seit dem Vorvorvortag in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Wie sich herausstellte, passte Rotwein nicht zum DFB-Pokal. Doch schon drei Tage später neuerliche Strapazen. Thymian-Mais, Paprika-Bärlauch, Gurke-Salpeter und Champions League. Das Spiel war sehr schlimm, auch weil nach den Bieren der Portwein nicht zur Champions League passte. Er macht müde. Wie wir erfuhren, schied der BVB aus. Georg litt sehr darunter und auch unter den nun seltener werdenden Wiedersehen. Ich nicht, ich bin da nicht so mäkelig.