E in Bekannter versicherte Klärchen einmal, dass Engel tückisch seien. Oder zumindest neckisch. Was er zu erwähnen versäumte: Wenn man sie um was bittet, sollte man auch konkret werden.

Es war einmal ein Pärchen wie Paul und Klärchen. Man lebte beinahe zusammen, teilte beinahe dieselben Interessen und auch ihre Kinder waren keine gemeinsamen. Und überhaupt war alles prima. Man lebte, man lachte, man zahlte Miete. Nicht gemeinsam, sondern jeder für sich, aber dafür in Lichtenfels. Klärchen glaubte an Engel und Paul im Grunde auch. Jedenfalls ein bisschen. Zumindest hielt er sie für möglich, aber er glaubte auch, dass die Tafelrunde eine Schokolade war.

Eines Julitages nun also fuhr das Pärchen nach Nürnberg, sich den Zoo anzuschauen und seine Nase ins Museum zu stecken. Es war ein schöner Tag und die Nasen landeten auch im Bier. So saß man dann gegen Abend unweit des berühmten Schönen Brunnens und war'' zufrieden. Da plötzlich stand Klärchen auf und ging zu einem der drehbaren Ringe, die ins Gitter des Brunnens eingebracht sind. Das mit dem Drehen ist ja so eine Sache, denn wer dort am Ring dreht, der schließt die Augen und wünscht sich insgeheim was Schönes. Das ist so eine Mischung zwischen Aberglaube und Volksglaube. Klärchen drehte also auch und drehte und drehte und wünschte sich etwas. Auf der Rückfahrt in der Bahn fiel es Paul dann ein, bei Klärchen doch mal nach dem Sinn und Zweck des Drehens nachzufragen. "Ich habe meinen Engel darum gebeten, dass ich immer mit dir zusammen sein möchte", antwortete Klärchen. Das wiederum war so eine Mischung aus Glaube, Aberglaube und Volksglaube. Jahre später ging die Beziehung zwischen Paul und Klärchen in die Brüche. Aber sie blieben befreundet und blieben Vertraute.

Nur ein paar Jahre später gründeten die beiden eine Wohngemeinschaft und hausen seitdem zusammen. Sie hat einen Freund, er hat eine Freundin, gemeinsam hat man nun die nicht gemeinsamen Enkel. Und überhaupt ist alles prima. Doch neulich begegnete Klärchen seit vielen, vielen Jahren ihrem alten Bekannten wieder und wie man so beieinander saß, da kam man auf Vergangenes und Aktuelles zu sprechen. Unter anderem auch auf den Glauben an die Existenz von Engeln und ob die nun brauchbare Helfer sind oder nicht. Klärchens Bekannter schwor darauf und Klärchen selbst rümpfte die Nase. "Ich habe damals am Rad gedreht und meinen Engel darum gebeten, mit Paul alt zu werden und mit ihm zusammenzubleiben", sagte sie in zwar heiterem, aber doch ernüchtertem Ton. "Wieso, was ist los, was ist seit damals passiert?", erkundigte sich der Bekannte. "Ach naja, wir haben uns getrennt, jeder geht halt so seiner Wege, aber wir haben vor paar Jahren eine WG gegründet - es ist im Grunde nicht so gekommen, wie gewünscht", bilanzierte Klärchen. "Machst du Witze", unterbrach sie ihr Bekannter. Dabei lachte er und schüttelte seinen Kopf. "Es ist alles so gekommen, wie du es dir gewünscht hattest. Schau, ihr seid beide alt geworden und ihr seid noch zusammen bzw. hockt halt aufeinander. Das sind im Grunde die Informationen, die dein Engel von dir bekommen hat - was hätte er tun sollen?"

Jetzt wurde Klärchen stutzig und sah ihren Bekannten mit großen Augen an. Und der sagte: "Du hättest deinem Engel schon genauere Angaben machen sollen. Korrekt hätte dein Satz am Brunnen lauten müssen: ,Ich möchte mit Paul als Paar alt werden und mit ihm zusammenbleiben'". Seitdem hat Klärchen wieder jede Menge Glauben und äußert Wünsche jetzt viel klarer.