Willi Rzepka eröffnete die Diskussion bei der Bürgerversammlung praktisch mit einem Co-Referat, bei dem er schwere Vorwürfe an das Gemeinderatsgremium richtete.
"Ich möchte wissen, wie großzügig die Gemeinderäte mit den Ressourcen umgehen. Der Gemeinderat darf nicht mit dem Geld der Bürger Memory spielen. Mein Vertrauen in den Gemeinderat wurde leichtfertig verspielt." So fragte er nach Planungs- oder Anwaltskosten, der Jugendtreff friste ein "Schattendasein" mit null Besucherzahlen, durch die Kanalisation müssten sich die Hausbesitzer in ihrer Lebensqualität einschränken, die Sammelschächte entbehrten jeglicher Notwendigkeit, der Dorfsee sei nur ein Lieblingsprojekt der Zweiten Bürgermeisterin und "warum werden die Bauplätze aus der Berechnung herausgenommen?" Seine Aussagen gipfelten in der Ankündigung der Gründung einer Bürgerinitiative am 28. Juli in der Gaststätte Strätz. Johann Müller, selbst im Gemeinderat, meinte: "Wir bauen einen Kanal, den keine Gemeinde mehr baut. Wir hätten erst einmal eine Gesamtplanung machen müssen." Otto Höfler konnte sich nicht mit den Betonrohren bei der Kanalisation anfreunden und war der Meinung, dass man die alten Leitungen noch für die Ableitung des Hochwassers hätte nutzen können. Johannes Markert sprach von einer "hitzigen Debatte", bei der jeder Bürger seine Meinung sagen könne, aber in respektvoller Art. Sein Anliegen betraf den Straßenausbau in der Seeringstraße und hier forderte er eine "kostengünstige Regelung, um die Kosten für die Bürger möglichst niedrig zu halten". Das unterstrich er mit der Übergabe einer Unterschriftenliste aus diesem Straßenzug.
Christian Rübner sprach die Probleme für den Rudendorfer Weg an, der mittlerweile zu einer Durchgangsstraße geworden sei und in der die Anlieger viele Belastungen aushalten müssten. Hier werde nach Lösungen gesucht, bis hin zu einer Schranke.


"Kein Luxus"

Bürgermeister Alfons Hartlieb ging auf die Anliegen ein und meinte, "die Kanalbaumaßnahme und die Auswechslung der Wasserleitung nach 90 Jahren sind wirklich kein Luxus und hoffentlich hält er dann wieder 70 bis 80 Jahre. Mit Polemik kommen wir hier nicht weiter." Die Stahlbetonrohre würden in ganz Deutschland verbaut, denn Steinzeug-Rohre seien nahezu unbezahlbar und würden nur bei aggressiven Gewässern empfohlen. Es wäre auch kein Trennsystem möglich gewesen, weil die Kläranlage für ein Mischwassersystem ausgelegt sei.


Aufwertung angestrebt

Zur Seeringstraße führte der Bürgermeister aus, dass diese Maßnahme nach den Regeln der Technik ausgeschrieben sei, weil man sonst auch keine Gewährleistung bekomme. Im Übrigen gelte hier die Straßenausbaubeitragssatzung. Die Siedlung "Brunnwiese" und das zukünftige Gewerbegebiet seien auf einen Gemeinderatsbeschluss hin herausgenommen worden, weil man dort sonst innerhalb drei Jahren etwas umsetzen müsste. Es gebe hierfür aber noch keinerlei Interessenten. Beim Dorfsee habe sich die Mehrheit der Bürger dafür ausgesprochen, weil man die Ortschaft aufwerten und attraktiver gestalten wolle. Das werde man nach diesen großen Maßnahmen tun.
Als die Sprache auf den Rechtler-Streit (Holznutzung) kam, wurde es emotional. Es gab Attacken in beide Richtungen.
Carola Nitsch kommentierte die Auseinandersetzung mit den Worten: "Was ich schlimm finde: Dass wir unsere Energie in der Gemeinde für die Entzweiung in Rechtler und Nichtrechtler stecken. Es wäre viel besser, unsere Energie in sinnvollere Maßnahmen und Themen in unserer Gemeinde zu investieren wie zum Beispiel in den Kindergarten. Wir sollten uns nicht an Themen festbeißen, wo man auch sein Gesicht verliert." gg