Was reimt sich auf Poeten? Moneten! Der Erlanger Stadtrat hat jetzt mit zwei Gegenstimmen die Preise für das bekannte Literaturfest kräftig erhöht. Die Eintrittskarten sollen teilweise bis zu 60 Prozent teurer werden. Gegen den satten Preisanstieg regt sich in der Hugenottenstadt allerdings kaum Protest. Hintergrund ist das hohe Defizit, dass die Autoren dem Stadthaushalt jährlich bescheren.

Das "Poetenfest" gehört laut Stadt mit rund 75 Veranstaltungen und rund 12 000 Besuchern zu den größten Literaturfestivals in Deutschland. Über 250 000 Euro kostet das Festival, das seit fast 40 Jahren am letzten Augustwochenende rund um den Schlossgarten stattfindet. Den hohen Ausgaben stehen geringe Einnahmen gegenüber. Rund 80 000 Euro spülen die Poeten in die städtischen Kulturkassen. Den dicksten Brocken steuern die Sponsoren mit rund 50 000 Euro bei. Mit dem Verkauf von Eintrittsgeldern werden lediglich rund 20 000 Euro erzielt. Das soll sich zukünftig ändern.

Die Karten für die beliebten Autorenporträts im Markgrafentheater sollen beispielsweise um rund 30 Prozent von zehn auf 13 Euro auf den besten Sitzplätzen steigen.

In der Regel kostenfrei

Für die Podiumsdiskussionen, die ebenfalls im städtischen Markgrafentheater stattfinden, soll die Preiserhöhung noch deutlicher ausfallen. Zukünftig sollen diese Tickets um 60 Prozent von fünf auf acht Euro erhöht werden. Festivalleiter Bodo Birk weist auf Anfrage darauf hin, dass die meisten Veranstaltungen beim Poetenfest ohnehin kostenfrei seien.

"Von den rund 75 Veranstaltungen des Erlanger Poetenfestes kosten in der Regel nicht mehr als etwa zehn Veranstaltungen tatsächlich Eintritt", erklärt Bodo Birk gegenüber diesem Medienhaus weiter auf Anfrage. Rund 75 Prozent des Poetenfestivals seien somit komplett kostenlos.

Kaum Kritik

Noch ein Argument führt Bodo Birk ins Feld, um den Preisanstieg zu rechtfertigen. Die Preise der eintrittspflichtigen Veranstaltungen seien seit knapp zehn Jahren unverändert geblieben. Trotzdem wolle die Stadt versuchen, den Preisanstieg moderat zu gestalten.

Demnach sollen hauptsächlich die Eintrittspreise auf den teuren Plätzen steigen. Auf den billigsten Plätzen ist bei den Autorenporträts tatsächlich überhaupt kein Preisanstieg vorgesehen. Erst ab der vorletzten Preiskategorie sollen die Tickets um rund 15 Prozent von sechs auf sieben Euro steigen. Die ermäßigten Karten für Schüler, Senioren und Studenten sollen obendrein von dem Preisanstieg verschont bleiben. An den Preiserhöhungen gibt es bislang kaum Kritik. Der fränkische Reiseschriftsteller und Krimiautor, Ralf Nestmeyer, findet es wichtig, dass Literatur einen Wert hat. Dieser könne sich auch in steigenden Eintrittspreisen niederschlagen.

In diesem Sommer will Nestmeyer, der 2018 seinen Krimi "Die Toten vom Mont Ventoux" veröffentlicht hat, das Poetenfest als Privatmann besuchen. Er schwärmt von der "besonderen Atmosphäre".