Wo steht der "heilige Josef" nicht nur zur Weihnachtszeit als hölzerne Figur in der Krippe, sondern demonstriert schon mal für mehr Gerechtigkeit? Genau, in Mitwitz. Hier stehen unter anderem zwei Krippen, die auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken.

Eine lebensgroße Krippe steht schon seit fast 30 Jahren in Mitwitz. Sie zieht immer mal um, verändert sich und kann auch schon mal dem Osterhasen ein Dach über dem Kopf bieten. Dass diese Krippe auch in diesem Jahr vor dem Wasserschloss neben dem Weihnachtsbaum steht, ist keine Selbstverständlichkeit. Zu verdanken haben die Mitwitzer dies dem ehemaligen Bürgermeister Hans-Peter Laschka und seiner Frau Barbara. Sie haben auch dieses Jahr dafür gesorgt, dass die Krippe zur Weihnachtszeit ihren Platz einnehmen kann.

60er-Jahre-Kleidung statt Tracht

Jetzt könnte man eigentlich mit der Geschichte schon wieder aufhören, aber klar steckt ein bisschen mehr dahinter als Ochs und Esel mit ihren Hirten und Maria und Josef mit dem Jesuskind. Angefangen hat es, als Laschka die Idee dazu kam und er seine Frau sofort mit dem "Krippenvirus" infiziert hatte. So einen Stall konnte man ja bauen, aber die Figuren? Barbara Laschka lacht aus vollem Hals: Unsere ersten Figuren waren Schaufensterpuppen von Hagu (einem Einkaufsmarkt in Mitwitz) und die waren ja erst mal nackt."

Das konnten sie natürlich nicht bleiben und so zog die Bürgermeistersgattin los, um etwas zum Anziehen zu besorgen. "Eigentlich hatte ich eine fränkische Trachtenkrippe im Kopf, aber das war fast unmöglich. Keiner hat einfach so eine Tracht gespendet, also bekam ich unter anderem 60er-Jahre-Klamotten von meiner Schwiegermutter. Ging auch irgendwie."

Später habe sie dann selbst etwas genäht, "oder ich bin wieder losgezogen und habe gezielt Leute darauf angesprochen." Und was im zweiten Jahr micht mehr infrage kam, war die nochmalige Aufstellung von Schaufensterpuppen. Also haben Laschkas die Ärmel hochgekrempelt und es mit "Handwerker-Tai-Chi" versucht - "so haben unsere Kinder das immer genannt".

Es wurden Wasserleitungsrohre mit Isoliermaterial und einem Drahtgeflecht verbunden, Arme und Beine aus Holz daran befestigt, alles zusammengeschraubt und voilà: fertig waren die beweglichen Figuren. "Halt leider ohne Kopf und Haare", lacht Barbara Laschka. Aber auch das sei keine größere Hürde gewesen, denn auch hier kam wieder Hagu ins Spiel. "Sie haben uns die entsprechenden Perücken gesponsert." Und die Köpfe? "Die hat Uli Wagner von der Töpferei gemacht." Und dann kommt wieder ein leises Lachen von Barbara Laschkas Lippen. "Naja", gibt sie zu, "Josef hat die Nase von meinem Peter." Echt jetzt? "Ja, die wurde mit Gips nachmodelliert." Jetzt lacht sie wieder und meint: "Die steht ihm doch gut."

Maria mit Bauch

Eine weitere Erinnerung: "Wir haben Maria sogar mal einen Bauch verpasst, denn schließlich war sie ja schwanger." Und so hätten die Figuren im Laufe der Jahre öfter mal das Aussehen und die Kleidung gewechselt. "Unser erstes Jesuskind war die Puppe einer Nachbarin; und einmal am Weihnachtsmarkt, bei dem die Krippe immer gegenüber vom Nikolaus steht, lag tatsächlich ein echtes Baby drin."

Nein, vergessen oder ausgesetzt sei es nicht worden, beruhigt Laschka. "Die Eltern fanden, es sei eine gute Idee, ihr Kind in der Krippe zu fotografieren." Die sei nämlich sonst immer zugänglich und begehbar gewesen, versichert sie. "Aber in diesem Jahr geht das leider nicht, weil wir sie ja nicht immer im Blick haben."

Sie spricht auch von Vandalismus, und auch wenn die eine Begebenheit eher zum Schmunzeln ist, war die zweite gar nicht so witzig. "Einmal hatte ein Scherzbold tatsächlich den Josef auf seine Maria gelegt." Beim zweiten Mal sei ein Böller in der Krippe explodiert und habe einiges beschädigt.

Und dann kommt Hans-Peter Laschka ans Telefon: "Wusstest du, dass unser heiliger Josef mal verhaftet worden ist?" Und dann erzählt er völlig ernsthaft: "Er hat ja ein paar Mal demonstriert, unter anderem in Weißenbrunn. Da wurde er als unerwünschter Teilnehmer verhaftet, abtransportiert und in die Asservatenkammer nach Coburg gebracht. Da hat ihn meine Frau dann ausgelöst."

Und dann erinnert er an die Zeit, als "lebendige Figuren" die Krippe bevölkerten. "Schafe waren da, ein Esel und ein Pony, denn den Esel gab es nur im Doppelpack und einmal haben wir sogar ein Kälbchen ausgeliehen. Jetzt stehen geschnitzte Tiere um die heilige Familie.

Einen Traum habe er noch, verrät Laschka am Ende: "Ich möchte für das übernächste Jahr die Heiligen Drei Könige in der Krippe stehen haben und zwar mit einem Melchior, der eine dunkle Hautfarbe hat und den Kontinent Afrika vertritt. Das ist meine Bedingung."

Für Bürgermeister Oliver Plewa steht es übrigens außer Frage, dass man gemeinsam mit den Laschkas und dem Bauhof die lebensgroße Krippe auch in den nächsten Jahren aufstellen wird. "Sie gehört zu Mitwitz, ist ein Symbol, das den Menschen ein bisschen Normalität in dieser schweren Zeit vermittelt und etwas Hoffnung und Trost spendet."