Der Laden ist eine Herzensangelegenheit. Ganz besonders für Thomas Brunecker. Seit 20 Jahren kümmert sich der ehemalige Einzelhandelskaufmann ehrenamtlich um das Bestellen der fairen Waren, teilt die Mitarbeiter für den Ladendienst ein und steht selbst viele Stunden in dem kleinen Geschäft in der Steingasse 9 hinter der Kasse.

Betrieben wird der Weltladen vom Verein Eine Welt Treff. Kaffee, Tee, Honig, Marmelade, Gewürze und Schokolade aus aller Herren Länder haben eins gemeinsam: Alle Produkte werden fair gehandelt. Bei der Herstellung wird auf soziale Gerechtigkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit geachtet.

Keine Förderung

Doch Thomas Brunecker macht sich gerade jetzt Sorgen. Obwohl das Geschäft trotz Lockdown immer geöffnet bleiben konnte, da ja Lebensmittel verkauft werden dürfen, ging der Umsatz um etwa 40 Prozent zurück. Und im Gegensatz zu anderen Einzelhandelsgeschäften steht dem Verein keine Förderung zu. "Wir laufen am Rande der Klippe und schaffen es gerade so", sagt Brunecker. Nicht nur, dass seine ehrenamtlichen Mitarbeiter aus Angst vor einer Ansteckung ihren freiwilligen Dienst im vergangenen Jahr zurückgeschraubt hatten, auch die Versorgung mit allen Markenprodukten konnte nicht garantiert werden. "Natürlich hatten auch wir Lieferschwierigkeiten, da Corona überall auf der Welt seine Spuren hinterlassen hat, und gerade bei unseren Handelspartnern Gesundheitshygiene der Mitarbeiter eine Rolle spielt", erläutert der Vorstand.

Der Verein kämpft derzeit ums Überleben.Vor allem die Einnahmen aus dem Vorweihnachtsgeschäft fehlen. Einen Mietnachlass konnte Brun­ecker nicht erwirken, lediglich einen Aufschub gewährte der Hausbesitzer. Brunecker, der auch immer wieder Schulklassen in dem kleinen Geschäft empfängt und über fairen Handel aufklärt, die Missstände im Hinblick auf Kinderarbeit anprangert und nicht müde wird, an die Situation der Produzenten in den ärmsten Ländern der Welt zu erinnern, weist daher auf die Möglichkeit hin, Waren aus dem Sortiment online zu bestellen. "Der Händler El Puente liefert unsere Waren und wir bekommen die Marge gut geschrieben", sagt er. Wer über shop.el-puente.de ordert, kann bei der Bestätigung der Bestellung den Coburger Weltladen auswählen. "Support your local" ist die Initiative überschrieben und hilft Weltläden in ganz Deutschland.

Johanna Beetz, die sich erst seit ein paar Monaten ehrenamtlich engagiert und die zur Zeit eine Weiterbildung über ein "enkeltaugliches Leben" macht, geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie appelliert an die Vorbildfunktion der Stadt Coburg und fragt: "Warum kauft eigentlich die Stadtverwaltung ihren Kaffee und Tee nicht bei uns im Laden?"

Immerhin: Die Stadt Coburg hat 2019 den "Pakt zur nachhaltigen Beschaffung in den Kommunen der Europäischen Metropolregion Nürnberg" unterzeichnet. Dieser unterstreicht die Wichtigkeit des fairen Handels und der nachhaltigen Beschaffung sowie das Engagement der Metropolregion Nürnberg als Fairtrade-Region. Der Pakt nennt Kernpunkte des Engagements hin zu einer Ausweitung der nachhaltigen Beschaffung in den Kommunen der Region.