Es ist ein hartes Brot, das der Zirkus Henry verdienen muss. Mit Beginn der Corona-Pandemie, als keine Vorstellungen mehr möglich waren, ist das Familienunternehmen in Dörfles-Esbach gestrandet. Zuspruch und Hilfe durch die Bevölkerung und viele Tierfreunde waren groß. "Wir sind unheimlich dankbar für die vielen Spenden, egal ob Futter-, Sach- oder Geldspenden", macht Junior-Chef Robin Frank deutlich.

Im Sommer hatte der Zirkus einige Vorstellungen gegeben und damit viele Besucher aus nah und fern mit seinen großartigen Showeinlagen und Tierdressuren erfreut. "Nach nunmehr fast zwei Jahren sind wir noch hier", sagte Junior-Chef Robin Frank. "So lange waren wir noch nie an einem Standort." Der Zirkus wird weiterziehen, sobald es möglich ist. So gut wie in trockenen Tüchern sind Gastspielorte in Rödental, Lichtenfels und/oder Sonneberg, Kulmbach und Bayreuth.

Doch jetzt, wo die Zirkusleute einen Kassensturz gemacht haben, merken sie, wie schlecht es ihnen wirtschaftlich geht. Pferde, Ponys, Fohlen, Friesen, Pintos, Alpakas, Kamele und auch Hunde gehören zum Tierbestand des Zirkus Henry. Diese müssen regelmäßig gefüttert werden und bei den fehlenden Einnahmen sind die finanziellen Mittel für die Futterbeschaffung knapp.

Der Zirkus besitzt kein Winterquartier. Auch wenn er Anfang März weiterziehen werde, werde der Winter noch einige Probleme bereiten, sagt Frank. Die Futterkosten und auch die Kosten für die Steuer und Versicherungen des Fuhrparks belasten die Kasse der Zirkusfamilie. Zudem müssten auch der Hufschmied und der Tierarzt bezahlt werden. 45 Tiere, vom sibirischen Steppenkamel bis hin zum Pony und den Hunden, müssten gefüttert werden und das sei nicht wenig, sagt Robin Frank. Allein zwei Ballen Heu würden täglich verfüttert und dazu kämen noch rund 80 Kilogramm Pferdemüsli und 100 bis 150 Kilogramm Futtermöhren. "Dies zu beschaffen ist nicht leicht." Wenn man bedenke, dass ein Kamel, davon hat der Zirkus sieben , sechs Mal so viel frisst wie eine Kuh, dann könne man sich den täglichen Bedarf ausrechnen.

Robin Frank ist es sichtlich unangenehm, über all die Kosten zu sprechen. "Mir ist es peinlich, auf Sponsoren wie Michael Stoschek zuzugehen und auf unsere prekäre Situation aufmerksam zu machen", gesteht er.

Zu allem Überfluss sei beim letzten Sturm das Zelt für die Alpakas und Lamas stark beschädigt worden. Frank: "Es wurde gut fünf Meter hoch in die Luft geschleudert und ist dabei zerrissen. Zum Glück hatten wir rechtzeitig die Tiere in Sicherheit gebracht." Allein die Reparatur koste rund 2000 Euro.

Weil die finanzielle Situation so erdrückend ist, musste sich die Zirkusfamilie sogar von einigen Tieren trennen. In jüngster Zeit wurden acht Hundewelpen verkauft. Diese jungen Hunde sollten eigentlich in einem Jahr in der Manege auftreten. Natürlich habe die Pandemie die Lage verschärft, weil ja keine Auftritte in der Manege möglich gewesen seien. Schweren Herzens, so schildert es Robin Frank, habe er seine vier Esel verkaufen müssen. Er habe sie von klein auf großgezogen und über die Jahre liebgewonnen. Auch diese Tiere waren für einen Auftritt vorgesehen und sollten die Besucher durch ihre herzliche Art erfreuen. "Es sind Tränen geflossen, als ich die vier Esel in fremde Hände geben musste", erzählt er.

Doch irgendwie muss es weitergehen, und jetzt wird nach vorne geblickt. Im März, nach zwei Jahren "Stillstand", will der Zirkus Henry endlich weiterziehen, um die Menschen in anderen Dörfern und Städten erfreuen zu können. Doch Robin Frank versäumt nicht, Folgendes zu sagen: Er sei den Sponsoren, der Gemeinde Dörfles-Esbach, den Nachbarn in der Passchendaele Straße sowie allen Unterstützern für ihre Hilfe mehr als dankbar.