Eine Vernissage ohne das übliche Gepränge und noch nicht mal bei gutem Wetter: Luxus war das nicht, aber es hieß "Lux.us" - so nämlich lautet der Name des Projekts, das ein leuchtendes Beispiel für die Zukunftsfähigkeit des Flechtwerks ablegen will. Klar, man muss einen Blick dafür haben. Aber wo, wenn nicht in der Korbstadt, darf man auf diesen Blick hoffen? Für Wochen könnte "Lux.us" Aufmerksamkeit gewinnen, unabhängig vom Wetter und von Lichtverhältnissen.

Eröffnung mit Korbstadtkönigin

Es war kurz nach 17 Uhr, als Dorothée Rentsch an der Adresse Innere Bamberger Straße 7 ihre Stimme erhob. Die Schülerin befindet sich zwar schon in der zweiten Lebenshälfte, geht aber noch in eine 11. Klasse. "Früher war ich Krankenschwester", sagt die von sich als "Spätberufene" redende Frau. Doch ihr einstiger Beruf war ihr zu wenig kreativ, und so verschlug es sie an die Staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung. In der dortigen 11. Klasse gab es zur Flechttechnik Feinarbeit die Themenvorgabe "Wandleuchte". Und so strahlte etwas in den diesig-verregneten Spätnachmittag, wozu Rentsch vor rund 30 Versammelten feierliche Worte zu finden hatte. Die fand sie auch, mit Übergängen ins Beschwörende, ins Hoffnungsvolle und in ihrer Rückschau zu der Arbeit, die hinter den neun Projektteilnehmerinnen lag. Schon im Juni sei man mit den Arbeiten beschäftigt gewesen, und gleich zu Beginn seien die fruchtbaren Diskussionen darüber losgegangen, wie groß die Exponate werden sollten. "Dass aus Traditionellem was Neues geschehen" mag, erklärte Rentsch und lag damit schon insofern nicht falsch, als dass die in Feintechnik geschaffenen Wandleuchten nicht nur in Verbindung mit Handwerk, sondern auch mit Design stehen.

Das mit dem Design sah Korbstadtkönigin Alicia I. ähnlich. Sie war gekommen, um der Vernissage beizuwohnen und bestätigte etwas, worin sie einen Trend vermutet. "Deko-Magazine greifen das gerade auf", führte sie zu dem aus, was 24-fach in unterschiedlicher Gestaltung raffiniert aus den vier Schaufenstern des Leerstandes leuchtet: wärmendes Licht, gefiltert durch feine Muster, frei von Plastik.

Wärmendes Licht

Begriffe wie Nachhaltigkeit und Wärme kommen in den Sinn. Doch was steckt hinter dem Begriff Lux.us? Lux steht für das lateinische Wort Licht und us für das englische Wort "uns". Lux.us ist demnach "unser Licht" und nicht nur Slogan, sondern auch Selbstverständnis der Flechtwerkgestalterinnen. Oder wie lautete ein Satz des Abends: "Was wir nicht können, kann keiner." Eben deshalb hieß es an diesem Abend über das Projekt auch, es "muss raus an die Öffentlichkeit".

"Das ist eine ganz engagierte Klasse", bemerkte zu den 24 Ergebnissen auch Günter Mix, Fachoberlehrer und Fachbereichsleiter für Möbelbau an der Berufsfachschule. Ihm sowie der ebenfalls anwesenden Fachlehrerin Elisabeth Dicker und Manfred Rauh, Geschäftsführer des ZEF (Zentrum europäischer Flechtkultur Lichtenfels e.V.), galten auch Dankesworte für die Unterstützung des Projekts. "Wir hoffen natürlich auch, dass sich die Leute von der Faszination (...) anstecken lassen", beschwor Rentsch. Bis weit in den November hinein sollen die Lampen leuchten, bei Tag und bei Nacht, und auch werben für diesen Handwerksberuf.

Wer hat mitgewirkt?

Die Projektteilnehmerinnen: Dorothée Rentsch, Elisabeth Richter, Margot Weiß, Bärbel Yonson, Friederike Dinkel-Schmitt, Yoko Harth, Nina Krasniqi, Lissy Johenneken und Anneberth Lux.