Es lag eine ungeklärte Unheimlichkeit in dem Fall, der am Mittwoch am Amtsgericht verhandelt wurde: Warum schlägt ein Mann einen anderen Mann nieder, den er nicht kennt? Tatsächlich wurde dieser Vorfall, der sich in Ebensfeld zutrug, nur knapp am Landgericht vorbei in Lichtenfels verhandelt. Denn ursprünglich wurde der 20-jährige Bamberger wegen versuchten Totschlags in den Akten geführt.

Ruhig, aufgeräumt und von beinahe unauffälligem Wesen saß der 20-jährige Kfz-Azubi neben seinem Verteidiger Albrecht von Imhoff und hörte der Anklageschriftverlesung durch Harun Schütz zu. So soll der Bamberger am 25. Februar dieses Jahres gegen 21.15 Uhr unweit eines Ebensfelder Sportheimes einem Mann bis zu fünfmal ins Gesicht geschlagen haben. Die Folgen waren eine Gehirnerschütterung und Prellungen.

Die Frage nach dem Motiv

"Es war das Dümmste, was ich jemals gemacht hab'", erklärte der Angeklagte diesbezüglich gegenüber Richter Matthias Huber.

Der aber zeigte sich irritiert. "Eine Verbindung zu dem Mann hatten Sie ja gar nicht", lautete seine Feststellung, aus der Unverständnis sprach. Denn was sollte das Motiv gewesen sein?

Es wäre interessant gewesen, das Opfer im Zeugenstand zu erleben. Doch der Mann war nicht da, und somit blieb im Dunkeln, ob und welche Verbindungen es eventuell doch gegeben haben mochte.

Zwei Aktennotizen holte Huber zu dem Angeklagten hervor, zum einen das Bundeszentralregister, aus dem klar hervorging, dass sich der Bamberger bislang noch nie etwas zuschulden kommen ließ. Außerdem ein Schreiben der Jugendgerichtshilfe, dem zu entnehmen war, dass er an jenem 25. Februar zumindest ordentlich alkoholisiert gewesen ist. Zehn Bier und mehrere Baccardi-Cola gab er damals gegenüber der Jugendgerichtshilfe zu Protokoll.

"Keine Bagatelle"

Dann war der junge Mann angehalten, von seinen Zukunftsabsichten zu erzählen. Soldat würde er gerne werden wollen, Gebirgsjäger vielleicht.

"Die Bundeswehr legt nicht mehr unbedingt Wert auf Leute, die im Suff rumschlägern", entgegnete darauf Huber und ging nochmalig auf die Ausmaße der Tat ein: "Eine Bagatelle war es nicht, was da passiert ist." Bei einer Gehirnerschütterung sei er nur knapp an einer Verhandlung wegen versuchten Totschlags eine Instanz höher vorbeigeschlittert.

Geldbuße von 1500 Euro

Zu einem staatsanwaltlichen Plädoyer sollte es ebenso wenig kommen wie zu einer Konfrontation zwischen Täter und Opfer. Huber suchte einen Ausgleich mit Harun Schütz und schlug vor, dem bis dato Unbescholtenen eine Geldbuße von 1500 Euro aufzuerlegen. Auf diesen Vorschlag ging Schütz nach kurzem Bedenken ein.