Der Kulmbacher Bahnhof scheint auf einen 25-jährgen Mann eine magische Anziehungskraft zu haben. Immer wieder zieht es ihn dorthin, obwohl er eigentlich Hausverbot hat. Eigentlich heißt, dass er den Bahnsteig zum Ein- und Aussteigen benutzen darf. Wie sollte er sonst nach Hause nach Neuenmarkt kommen. Dort aufhalten, beispielsweise um Alkohol zu konsumieren, das darf er allerdings nicht.

Genau das hat er aber immer wieder getan. Diesmal nicht ohne Folgen: Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Zusätzlich muss er 80 Stunden unentgeltliche gemeinnützige Arbeit leisten, sofern das aufgrund der Corona-Beschränkungen wieder möglich ist.

Eigentlich waren die für Bahnhöfe zuständigen Beamten der Bundespolizei am 25. September kurz nach 17 Uhr nur deshalb auf den Mann aufmerksam geworden, weil er den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz nicht trug. Doch schnell erkannten die Polizisten, wen sie da vor sich hatten. Insgesamt sechs Mal hatte er schon gegen das Hausverbot der Deutschen Bahn verstoßen. Darauf angesprochen, gab der Angeklagte nicht etwa klein bei, sondern setzte seinen Weg zu einem Kumpel in das Bahnhofsinnere fort, nicht ohne auch noch die eine oder andere Beleidigung fallenzulassen.

Über seinen Verteidiger Werner Brandl aus Kulmbach ließ der Angeklagte einräumen, dass er seinen Kumpel am Bahnhof getroffen habe. Offene Beleidigungen habe er dagegen nicht ausgesprochen. Er habe nur so vor sich hingemurmelt und sei wohl fälschlicherweise davon ausgegangen, dass dies niemand hören würde.

Zumindest in einem Fall hatten es die Beamten aber klar und deutlich gehört, was der Angeklagte so über die Polizei dachte. "Wir haben ihn mehrfach aufgefordert, zu gehen", sagte einer der Polizisten. Das habe der Angeklagte aber nur unter erheblichem Protest getan. Zumindest eine Beleidigung sei so laut gewesen, dass sie Passanten auf dem Bahnsteig hören konnten. "Wir haben eindeutig vernommen, dass die Beleidigungen an uns gerichtet waren", so der zweite Polizist.

Neben den Verurteilungen wegen Hausfriedensbruch am Kulmbacher Bahnhof hatte der junge Mann auch Vorstrafen unter anderem wegen Sachbeschädigung und wegen einer Drogensache. Er hat keinen Beruf gelernt, lebt derzeit von Hartz IV und steht unter Betreuung.

Einschlägig vorbestraft

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten, vor allem wegen der massiven einschlägigen Vorahndungen und der enormen Rückfallgeschwindigkeit des Mannes. "Es gibt doch genug andere Orte in Kulmbach, an denen man sich treffen könnte", sagte der Anklagevertreter. Verteidiger Brandl sah dagegen eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro als ausreichend an. Die Beleidigungen habe sein Mandant "nur so im Weggehen" gemurmelt, eine Beleidigungsabsicht liege damit nicht vor.

Richterin Sieglinde Tettmann urteilte auf fünf Monate mit Bewährung. Zumindest eine Beleidigung sei laut Zeugen laut und deutlich vernehmbar gewesen, sagte sie. Sie habe nicht den geringsten Zweifel, dass der Angeklagte damit gerechnet habe, dass die Polizisten das auch hören, wenn es nicht sogar seine Absicht gewesen sei. Tettmann nannte es schlichtweg nicht nachvollziehbar, wenn der Angeklagte immer wieder gegen das Hausverbot am Bahnhof verstößt. Eine Geldstrafe reiche deshalb nicht mehr aus.