Manfred Wagner

Wer Mofa fährt, braucht zwar keinen Führerschein, aber einen klaren Kopf. Alkoholisiert damit unterwegs zu sein, kann schnell vor den Kadi führen. Diese Erfahrung machte eine 51-jährige arbeitslose Frau aus dem Maintal. Als sie am 23. Juli dieses Jahres kurz vor 13 Uhr bei einer innerörtlichen Verkehrskontrolle von der Polizei gestoppt wurde, rochen die Ordnungshüter gleich "Lunte" und ließen sie blasen. Eine umgehend veranlasste Blutprobe bestätigte mit 2,30 Promille den Verdacht der Trunkenheit im Straßenverkehr. Das Urteil, das das Amtsgericht in Haßfurt sprach, lautet: vier Monate Haft auf Bewährung, zusätzlich drei Monate Fahrverbot.


Zwei Tage gefeiert?

Nachdem Ilker Özalp als Vertreter der Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verlesen hatte, wollte er von der Angeklagten wissen, weshalb sie an dem besagten Tag um die Mittagszeit dermaßen berauscht war. Als Erklärung gab sie an, an einer Feier zu einer Wohnungseinweihung teilgenommen zu haben, wobei die Party angeblich zwei Tage lang angedauert habe. Die Nachfrage, ob sie alkoholkrank sei, bejahte sie ohne Zögern.
Dass dem tatsächlich so ist, konnte sie angesichts der Vorstrafen auch schlecht ableugnen. Bereits vier Mal wurde sie wegen Trunkenheit im Verkehr zu Geld- oder Freiheitsstrafen verurteilt. Die erste Verurteilung war schon 1995, die letzte vor zwei Jahren. Vor einiger Zeit, informierte sie hinsichtlich ihrer Alkoholsucht, habe sie eine sechsmonatige Therapie im Schwarzwald absolviert. Aber wenn sie ganz schlecht drauf sei, komme es häufig zu Rückfällen.
Die Polizeibeamtin, die sie damals erwischt hatte, wurde als Zeugin vernommen. Sie sagte aus, dass der Streifenwagen dem Kleinkraftrad etwa 30 bis 40 Meter gefolgt sei und dass man die Mofafahrerin nur deswegen kontrolliert habe, weil das Versicherungskennzeichen mit Tesafilm befestigt war. Ihre Fahrweise sei ansonsten - trotz der enormen Alkoholisierung - unauffällig gewesen.
Özalp bezeichnete die Arbeitslose als klassische Wiederholungstäterin. Er äußerte zwar Verständnis für die schwierige Situation der Beschuldigten, die inzwischen mehrfach operiert wurde und erkrankt ist, machte ihr aber trotzdem klar, dass auch stark alkoholisierte Mofafahrer eine große Gefahr für alle anderen Verkehrsteilnehmer darstellen. Nur unter erheblichen Bedenken plädierte er auf die Freiheitsstrafe mit Bewährung.


Auflagen

In ihrem - inzwischen rechtskräftigen - Richterspruch übernahm die Vorsitzende Ilona Conver die Forderung des Anklagevertreters. Die Alkoholsucht, betonte sie, sei bei der Verurteilten "die Wurzel des Übels". Als zusätzliche Auflage muss die Frau regelmäßig zu einem Bewährungshelfer gehen und fünf Termine in der Suchtberatungsstelle wahrnehmen.