Einen Blick hinter die Kulissen der Werkstätten St. Joseph für behinderte Menschen eröffneten die Geschäftsführung und Werkstattleitungen. Und das Interesse der Bevölkerung an einem Rundgang durch die Werkstätten war riesengroß, worüber sich die Veranstalter sehr freuten. Sie hatten im wahrsten Sinn des Wortes "Tür und Tor geöffnet" und keine Mühen gescheut. Deshalb wurden nicht nur die einzelnen Werkstätten vorgestellt, sondern man hatte auch ein ansprechendes Rahmenprogramm mit Kinderschminken, Tombola, Showeinlagen und vielem mehr auf die Beine gestellt. Auch für das leibliche Wohl war mit Kaffee, Kuchen, Pizza, Snacks und Getränken aller Art bestens gesorgt.


Sozialeinrichtung mit Auftrag

Vieles von dem, was die Werkstätte für behinderte Menschen (WfbM) eigentlich leistet, ist den nicht unmittelbar Betroffenen unbekannt. Dazu geistern noch ein paar Vorurteile durch die Köpfe "das sind für die alles nur billige Arbeitskräfte" oder ähnliches, ist immer mal wieder zu hören. Wenn man hinter die Kulissen schaut, kommt eine Sozialeinrichtung zum Vorschein, die einen klaren Auftrag hat, nämlich den der beruflichen Eingliederung von Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, ein möglichst hohes Maß an beruflicher Zufriedenheit zu erreichen. Dabei sorgt der soziale Dienst des Hauses für die Ausgewogenheit zwischen den Anforderungen aus der Produktion und den Bedürfnissen der Beschäftigten.
Die Korbflechterin war eines der ersten "Standbeine" der WfbM in Burgkunstadt, sie besteht schon seit 38 Jahren. Hier werden nicht nur neue Körbe geflochten sondern auch die Geflechte von alten Stühlen fachgerecht erneuert, ein Handwerk das nur noch selten ausgeübt wird. Gekonnt erneuerten die Flechterinnen und Flechter vor den Augen der Zuschauer das bekannte Wiener-Geflecht, das es als Sechseck- oder Achteck-Variante gibt, aber auch das seltene "Sonnen-Geflecht" kann hier restauriert werden. "Mir würden da schon lange die Augen übergehen", bewunderte eine Besucherin die Flechterin, die mit geübter Hand ihre Kunst vorführte.
In der Näherei werden Dinkel-, Kirschkern- und Kräuterkissen in verschiedenen Designs und Größen hergestellt, vieles davon findet seine Liebhaber im angegliederten Werkstattladen. Aber auch Auftragsarbeiten für die Industrie und Sonderanfertigungen oder Reparaturarbeiten für Privatleute und Firmen werden hier erledigt, erzählt die Mitarbeiterin. Ganz neu im Repertoire sind Zirbenholzkissen. Die Zirbe oder Arve wächst im Hochgebirge, ihre positiven Eigenschaften auf das Wohlbefinden werden von vielen Menschen sehr geschätzt, zudem hat sie einen angenehmen Geruch, der sich lange hält. Ein "Geheimtipp" für werdende Muttis: In der Näherei der WfbM werden Stillschlangen gefertigt. Das Besondere: Bei Bestellung kann man sich auch den Stoff selbst aussuchen und wer will, kann während des Tages jederzeit in der Näherei vorbeikommen.


Arbeitspensum gesteigert

In der nächsten Gruppe wird eine Maschine vorgeführt, die speziell für diesen Arbeitsbereich hergestellt wurde. Für den Brauereibedarf werden hier Dichtscheiben auf Porzellanverschlussköpfe aufgezogen. "Das ist eine wirklich anstrengende Arbeit", erzählt der Gruppenleiter Thomas Rupprecht. "Deshalb haben wir unsere Abteilung Maschinen- und Vorrichtungsbau hinzugezogen. Die Kollegen sind für die Entwicklung von speziellen Arbeitshilfen zuständig. Sie haben für uns eigens eine Maschine konstruiert, die achtzehn Dichtscheiben in einem Arbeitsgang auf die Verschlussköpfe aufbringt. Jetzt müssen die Beschäftigten nur noch die Dichtscheiben und die Porzellanköpfe in der richtigen Reihenfolge auf die Arbeitsplatten auflegen und die Maschine erledigt den Rest. Damit konnten wir unser Arbeitspensum von täglich 12 000 bis 13 000 Verschlüssen auf 20 000 steigern". Neben den genannten Arbeitsfeldern gibt es noch die Bereiche Metallverarbeitung, Montage und Verpackung, Wäscherei, Garten- und Landschaftspflege und die Logistik. Zu den Auftraggebern gehören Autozulieferer, die Elektroindustrie, die Solar-Branche und Kinderwagenhersteller. Auch Burgkunstadts Dritter Bürgermeister Manfred Hofmann, der Behindertenreferent Stadtrat Wolfgang Sievert und seine Stadtratskollegen Raiffeisenbank-Vorstand Ulrich Klein und seine Mitarbeiterinnen nutzten die Gelegenheit, bei einer Führung durch Werkstattleiter Hans Vonbrunn einen Einblick in diese besondere Arbeitswelt zu bekommen. "Die WfbM erbringt einen enormen Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität für gehandicapte Menschen und wir als Stadtrat wissen das sehr zu schätzen", betonte Manfred Hofmann. Er wünschte den Mitarbeitern weiterhin eine glückliche Hand bei ihrem Bemühen, die behinderten Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten in die Arbeitswelt zu integrieren.