Ina Kirschner brennt für ihr Hobby. Bei anderen Menschen ist es eher sinnbildlich gemeint, bei Ina Kirschner ist es wörtlich zu nehmen. Die junge Frau ist Edelbrandsommelière und betreibt eine kleine Destillerie.

Als ich Ina Kirschner an diesem Samstag besuche, trägt sie gerade eine Kiste Holz in die ehemalige Milchkammer auf dem elterlichen Bauernhof und befeuert ihre Brennanlage. Anschließend kippt sie die vorbereitete Maische in die Brennblase, schließt die Öffnung und dann heißt es: warten, immer wieder Holz nachlegen, kontrollieren, ob alles passt. Jeder Handgriff wirkt wohlüberlegt, Ina arbeitet ruhig und konzentriert, ist voll in ihrem Element. Nebenbei erzählt sie von ihrer großen Leidenschaft, dem Brennen.

Hier auf dem Hof der Eltern in Oberfranken ist sie aufgewachsen, hat nach dem Abitur Agrarmanagement studiert und arbeitet Vollzeit in einer Molkerei. Zum Brennen hat sie ein Zufall geführt. Ina hatte ein besonderes Aha-Erlebnis in geselliger Runde. Das dargereichte Destillat schmeckte nicht - wie vorher erwartet - furchtbar oder kratzte im Hals wie so viele andere, sondern bestach mit ausgeprägtem Aroma. Die Frage, wie man das hinbekommt, hat sie seitdem nicht mehr losgelassen.

Lehrgang besucht

Also macht sie 2015 einen Brennlehrgang an der Universität Hohenheim, 2017 schließt sie die Ausbildung zur Bayerischen Edelbrandsommelière an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit bestem Erfolg und einer Ehrenurkunde ab - als einzige Teilnehmerin in diesem Jahrgang, die vorher noch nie gebrannt hat. Die Anlage bekommt sie gebraucht und generalüberholt von dem Anlagenbauer A. Holstein. Durchkalkuliert hat sie die Investition bewusst nicht, "sonst hätte ich das nicht gemacht", lacht sie.

Das Destillieren ist ihr Hobby, ihre Leidenschaft, ihr kleines Glück. "Gebranntes Glück" ist daher der Name ihrer Destillerie. Alle Produktionsschritte liegen in ihrer Hand. Dieses breite Spektrum macht für sie den besonderen Reiz aus. Vom Pflanzen und Pflegen der Obstbäume über die Ernte, das Verarbeiten der Früchte, das Brennen mit seinen handwerklichen Facetten, das Abfüllen und die Vermarktung. Auch die liebevollen Etiketten hat sie selbst entworfen, ebenso wie ihre Homepage. Tastings in kleiner Runde vervollständigen das Angebot.

Die Rohstoffe für ihre Produkte stammen meist aus der Region; zum Hof gehören auch ein paar Obstbäume und landwirtschaftliche Flächen. Am Wohnhaus empfängt die Besucher ein überreich tragender Quittenbaum, Spalierbirnen schmücken die Hauswand. Der Vater liebt seinen Beruf als Biolandwirt und hat für die Tochter im vergangenen Jahr eigens Getreide für den ersten eigenen Whiskey angebaut.

Ina Kirschner tüftelt gerne, überlegt sich, welche Aromen gut zusammenpassen könnten und kreiert dabei außergewöhnliche Destillate. Für sie ist es spannend, ihren Bränden und Geisten eine ganz eigene Handschrift zu verleihen.

Ihr Leitspruch ist auf ihrer Homepage zu finden, ein Auszug aus "Die Stadt in der Wüste" von Antoine de Saint-Exupéry: "Es war mein Wunsch, vor allem das Glück kennenzulernen. (...) Man spürt Glück innerlich wie eine Frucht, die von ihrem Geschmack voll ist."

Neben Klassikern wie Himbeer- oder Birnenbrand hat sie daher ganz besondere Destillate im Angebot, zum Beispiel einen im Eichenholzfass gelagerten, dunklen Doppelbockbierbrand oder ein Steinpilzgeist in einer Pumpsprühflasche, der über ein fertiges Gericht gesprüht wird und ihm eine besondere Note verleiht.

Im Frühjahr kam ihr eine weitere Idee: Wie könnte der Frankenwald schmecken? So macht sie sich bei Spaziergängen in der Heimat auf die Suche nach besonderen Zutaten. Sie besucht Messen, liest sich ein, macht Fortbildungen und heraus kommt ein Frankenwald-Gin. Ein London Dry Gin, der neben dem typischen Wacholdergeschmack auch Botanicals aus dem Frankenwald enthält. Welche das sind, verrät die junge Frau nicht, nur so viel: Die Bestandteile kann sie nur im Frühling sammeln.

Inzwischen ist es gemütlich warm geworden in dem kleinen Raum, die Maische in der Brennblase fängt an zu verdampfen, und Ina Kirschner ist hochkonzentriert. Sie muss den richtigen Zeitpunkt erwischen zwischen Vor- und Mittelauf, die Abtrennung auf den Punkt genau vornehmen. Genau: jetzt! Eine Probe mit dem Finger und sie weiß, dass nun der wertvolle Teil der Arbeit in den Behälter rinnt. Jetzt ist etwas Zeit zum entspannten Hinsetzen. Das liebt sie am Brennen: sich für ein paar Stunden in diesen kleinen Brennraum zurückzuziehen und sich nur dieser Tätigkeit widmen. Nichts anderes soll dabei stören. Nicht nur weil sie genau schauen muss, wann das nächste Holz (aus dem eigenen Wald) aufgelegt werden muss, sondern auch weil sie die Ruhe und Stille genießt, diese Zeit für sich selbst. Auf einem alten Stuhl vor der Anlage sitzen, etwas lesen.

Heute entsteht etwas Spezielles: der fränkische Ingwergeist. Der Zusatz "fränkisch" weist auf die Besonderheit hin: auch dieser Rohstoff stammt aus der Region! Ingweranbau im Norden Bayerns, wie geht das? Hier kommt das Tropenhaus Klein Eden in Kleintettau ins Spiel.

Zwei Aromakenner

In Kooperation mit Ralf Schmitt, dem dortigen Gewürzsommèlier, ist nicht nur der Ingwergeist entstanden, sondern auch das neueste Produkt: ein Tropical Gin Klein Eden. Die beiden Aromakenner haben gemeinsam überlegt, welche Früchte und Aromen des Tropenhauses man zu einem spannenden Destillat veredeln könnte. Das Ergebnis ist ein Premium-Gin, der neben dem typischen Wacholdergeschmack auch Aromen von Kaffirlimette, Blüten der Banane und Ananasguave enthält.

Beim Brennen ist jetzt wieder viel Handarbeit gefragt, als sich der Mittellauf dem Ende entgegen neigt. Noch einmal höchste Konzentration, das genaue Abpassen des richtigen Moments, bevor das Aroma kippt, zack, schon steht innerhalb einer Sekunde ein anderes Gefäß unter dem dünnen Strahl. Der fränkische Ingwergeist wird verschlossen und reift, wartet auf seine Abfüllung - zusammen mit dem hochwertigen Trinkwasser aus der Ködeltalsperre im Frankenwald ergibt sich am Ende ein besonderes Destillat: der fränkische Ingwergeist, vollständig regional!