Vor 20 Jahren war die Eichfelder-Orgel in der St.-Oswald-Kirche in Untersteinach feierlich eingeweiht worden. Anlässlich seines eigenen Organistenjubiläums wollte Heiner Beyer zeigen, was alles in dem Instrument steckt. "Ich möchte einfach einmal demonstrieren, welche Möglichkeiten die Orgel zu bieten hat", erklärte Beyer, der seit 50 Jahren in die Tasten greift.

Heiner Beyer spielte mit den Zugregistern und den verschiedenartigen Registrierungsmöglichkeiten, er verwendete Sub-Koppeln und verstärkte so die tiefen Töne. Obwohl er ein Garant für höchste Qualität in Sachen Kirchenmusik ist, hatte er sich akribisch auf das Konzert vorbereitet. Ohne Martina Schubert, die ihm zur Seite stand, wäre die anspruchsvolle Umregistrierung gar nicht zu realisieren gewesen.

Oboe und Orgel

Seit September hatte Beyer die anspruchsvollen Werke einstudiert. Vor allem die Fantasie in f-Moll für Oboe und Orgel von Johann Ludwig Krebs hatte es in sich. Reiner Mengele (Oboe) und Heiner Beyer (Orgel) ergänzten sich bei dem Werk geradezu perfekt. Letzterer spielte mit hohen leisen Tönen, die kaum wahrnehmbar waren, und verlieh dem Werk geradezu himmlischen Charakter.

Beim Jubiläumskonzert erklangen die Fanfare aus der Oper "Amadigi" und der Marsch in D-Dur aus der Oper Rinaldo von Georg Friedrich Händel. Echte Schwergewichte süddeutscher Kirchenmusik waren die vier Magnificat-Fugen "primi toni" von Johann Pachelbel sowie Vincent Lübecks Präludium und Fuge in c-Moll und Christian Heinrich Rincks Postludium in Es-Dur.

Und natürlich durfte auch Bach nicht fehlen: Heiner Beyer hatte für das Jubiläumskonzert Präludium und Fuge in a-Moll ausgesucht. Gemeinsam mit den Musikern Reiner Mengele (Oboe), Martina Schubert (Violine) und Walter Steiner (Viola, Schlagwerk) brachte er die Choralmeditationen "Nun komm der Heiden Heiland", "Magnificat" und "Gelobet seist du, Jesu Christ" zu Gehör. Ihren besonderen Reiz bekamen die Werke durch die abwechselnde Instrumentierung. Mal mischten sich Oboenklänge und Orgel, mal wurde mit dem gesamten Instrumentarium experimentiert.

"Es war mir wichtig, bei dem Konzert einmal zu zeigen, dass man auch instrumentale Musik mit der Orgel spielen kann", sagte Heiner Beyer. Ein echter musikalischer Leckerbissen war die Kirchensonate von Arcangelo Corelli.

Als besonderen Gag hatte Beyer zum Ausklang beschwingte, raffinierte Swing-Stücke in das vorweihnachtliche Programm eingebaut. Aus der Feder von Thomas Riegler stammen "Latinsong", "Love-Rag", "Good Morning" und der Osterwalzer. Walter Steiner sorgte für den richtigen Rhythmus. Das Konzert ging mit dem Sortie in E-Dur und mit zwei Zugaben zu Ende.

Lebenslanges Spielrecht

Pfarrer Wolfgang Oertel moderierte charmant und übergab dem verdienten und langjährigen "Mister Kirchenmusik" eine Ehrenurkunde. Beyer - pensionierter Hauptschullehrer und langjähriger Leiter des Gesangvereins Untersteinach - hatte 1954 angefangen, Klavier zu spielen. Seit 50 Jahren hat er seinen festen Platz an der Untersteinacher Kirchenorgel. Und den wird er auch weiterhin behalten. Denn auf der Urkunde der Kirchengemeinde ist vermerkt, dass er lebenslang Zutritt zu allen Untersteinacher Orgeln haben wird.