Herzogenaurach — Kabarettisten gibt es viele, doch nur die wenigsten können von sich behaupten, dass sie an einem Abend mehrere Politiker verkörpern und parodieren. Einer kann das allerdings: Wolfgang Krebs. In seinem Programm "Geh zu, bleib da!" trat er am Samstag im Vereinshaus Herzogenaurach innerhalb von zwei Stunden als Markus Söder, Horst Seehofer, Edmund Stoiber, Hubert Aiwanger und Angela Merkel auf.

Doch damit nicht genug, auch einen oberbayerischen Dorfbewohner namens Schorsch Scheberl, die Allgäuer Schlager-Kanone Meggy Montana und König Ludwig II. verkörpert der Comedian in seinem Programm. Eingeladen hat ihn die örtliche SPD.

Schorsch Scheberl aus Untergamskobenzeißgrubengernhaferlverdimmering will etwas gegen die Landflucht in Bayern unternehmen, weshalb er die Politiker alle zu einem Motivationsabend eingeladen hat. Bei dieser Veranstaltung werden Großstädte verschmäht, Digitalisierung kritisch untersucht, und für das Leben auf dem Land geworben.

Natürlich lässt Wolfgang Krebs auch aktuellste Themen nicht außen vor und so fällt der ein oder andere Spruch zu Lasten der Panikmache um den Coronavirus, die CO2- Steuer und das G9. "Nur von einem Thema hörst seit dem Corona nix mehr", so Wolfgang Krebs als Edmund Stoiber, "nämlich vom Klimawandel!"

Überspitzt und übertrieben

Mit beeindruckendem Tempo und einer ordentlichen Ladung Sarkasmus werden die sprachlichen Marotten der Politiker überspitzt und übertrieben, bis das Publikum Tränen lacht. Wolfgang Krebs wechselt in Sekundenschnelle zwischen den einzelnen Stimmen, verliert dabei nie die Fassung, und schießt mit Witzen und Sprüchen nur so um sich.

Mit Humor und gekonnter Vorsicht kritisiert er Minister, Parteien, Bundesländer, Gesetzgebungen, Regierungen und Großkonzerne, ohne dabei beleidigend oder boshaft zu wirken. Gleichzeitig fordert er sein Publikum zu hoher Wahlbeteiligung am 15. März auf und empfiehlt, Kandidaten für Gemeinderat- und Bürgermeisteramt zu wählen, die man persönlich kennt: "Das ist doch das Beste was es gibt: Da gehen Sie dann vorbei und fragen einfach mal, warum Ihre Garage nicht genehmigt wird." Damit betont Wolfgang Krebs die Wichtigkeit des persönlichen Gesprächs und warnt vor der Anonymität des Internets.

Doch nicht nur auf der Bühne wirkt der Künstler absolut bodenständig, er nimmt sich auch die Zeit, nach seinem Auftritt "Selfies" mit den Gästen zu machen und sich zu unterhalten. Im Gespräch verrät er, dass er selten frei hat: "Ich versuche ja so aktuell wie möglich zu sein, also entwickle ich mein Programm jeden Tag weiter. Heute hab' ich zum Beispiel ein Zitat von Aiwanger verwendet, das er erst heute gesagt hat."

Immer aktuell

Diese Aktualität und sein gekonnter Einsatz von Ironie sichern Wolfgang Krebs die Lacher des Publikums und dementsprechend großen Applaus. Der Profi, der auch auf Bayern 1 verschiedene Politiker parodiert, findet die perfekte Balance zwischen Unterhaltung und Gesellschaftskritik, zwischen Politik und Alltag, zwischen Witz und Warnung, und liefert so eine großartige Show ab.

Alle zwei Jahre präsentiert der Comedian ein neues Programm, und so startet im November die neue Show "Vergelt's Gott!". Hier geht es darum, dass der Bayerische Himmel leer und die Hölle überfüllt ist und daran etwas geändert werden soll. Edmund Stoiber fungiert als Vermittler zwischen den beiden Orten.