Erst im Jahr 1952 wurde die Herzogenaurach Sommerkirchweih eingeführt, damals noch als "Aurachgründer Volksfest" tituliert. Daneben wurde in jedem Stadtteil mit einem Wirtshaus eine eigene Kerwa gefeiert. So auch im ehemaligen Gasthaus "Zum Walfisch" in der Hauptstraße eine Kilianikirchweih um das Patronatsfest am 8. Juli.
In unmittelbarer Nähe zum Vehnturm, am Fuße des Pfarrberges, befindet sich der Kiliansbrunnen. An dieser Stelle soll der Überlieferung nach der heilige Kilian die Taufe gespendet haben. Die gefasste Quelle war in früheren Jahrhunderten mit einem Gewölbe überdeckt, auf Steinstufen stieg man hinab, um Wasser zu schöpfen. Dieses Gewölbe musste 1591 aufwendig erneuert werden.
In der Zeit bis zum 19. Jahrhundert wurde der Brunnen wegen seiner vermuteten Lokalisierung als Taufort des heiligen Kilian nicht zur Wasserversorgung der Stadt genutzt. Erst 1848 erfolgte die Umwandlung in einen Pumpbrunnen. Das Patronatsfest des heiligen Kilian, der 8. Juli, wurde in Herzogenaurach als eigene Kilianikirchweih begangen, bei der die Büttner, deren Patron er ist, einen Umzug durch die Stadt abhielten.
Auch im 20. Jahrhundert wurde diese Kilianskirchweih noch im Wirtshaus "Zum Walfisch" am Vehnturm begangen. Dieser war über mehrere Generationen im Besitz der Familie Staudigel, die auch eine eigene Brauerei betrieben. Von Maria Staudigel ging das Anwesen 1946 an Maria Bitter über, die mit dem Gastwirtssohn Konrad Bitter verheiratet war. Der "Walfisch", ein beliebtes Gesellschaftslokal, in dem der Gesellenverein und der Heimatverein gegründet wurden, war bis 1975 geöffnet.
Für die künstlerische Ausgestaltung des Brunnens hatten sich frühzeitig Bürger engagiert. Dazu gehörten Andreas Kurr und Christof Daßler, der bereits einen finanziellen Grundstock für die Errichtung des Kiliansdenkmales sammelte. Stadtpfarrer Franz Rathgeber griff die Initiative auf und trat mit der Bildhauerin Maria Lerch in Bamberg in Kontakt.
Ausgewählt hatte er als Thema den heiligen Kilian. Dieser sollte dargestellt werden, wie er das Taufwasser über einen Täufling ausgießt. Denn die Missionierung durch Kilian hatte für Franken den Eintritt in das Christentum bedeutet, nicht erst durch den heiligen Bonifatius. Der als Apostel der Franken verehrte Kilian starb im Jahr 689 in Würzburg mit Kolonat und Totnan für seinen Glauben.


Einweihung im September 1934

Erst als die Bemühungen eine sichtbare Form annahmen und Modelle für den Brunnen vorhanden waren, zog die Stadtverwaltung die Aktivitäten an sich. Die Stadtväter hatten ihre Chance erkannt, die neu errichtete Wasserleitung in Herzogenaurach mit einem Denkmal noch besonders herauszuheben.
Die Einweihung am 16. September 1934 wurde mit einem Heimattag verbunden, der großflächige Werbung in der ganzen Region erfuhr. Um 9 Uhr fand der Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena statt. Kaplan Karl Gebert hielt die Festpredigt.
Den Festgottesdienst zelebrierte Ehrendomherr Johann Egenhöfer, der von 1908 bis 1913 Pfarrer in Herzogenaurach gewesen war. Nach dem Gottesdienst bewegte sich ein Festzug zur Einweihung des Kiliansbrunnens, wo gegen 10.30 Uhr der Weiheakt vollzogen wurde. Ehrendomherr Egenhöfer brachte es in seiner Rede zum Ausdruck: "Wir wollen in diesem Denkmal nicht nur die Künstlerin ehren, die es in solcher Schönheit entworfen, und den Meister, der es geformt hat, sondern wir wollen uns bei seiner Betrachtung immer vor Augen stellen die Treue zu unserer heiligen Religion, zu unserem Glauben und zu unserer Kirche."
Die Glückwünsche aus Würzburg, der Stadt des Frankenheiligen, überbrachte Prälat Winterstein, der auf die Bedeutung der christlichen Kultur hinwies, die von Würzburg ihren Ausgang genommen hatte. Was die vom heiligen Kilian uns vermittelte christliche Religion gebracht hat, könne niemand ermessen. "Möge sich Herzogenaurach immer bewusst sein, dass sie im Kiliansdenkmal gleichzeitig immer ein Bekenntnis ablegt für die christliche Religion und Kultur", mahnte er die Gäste.