Nicht hoch genug eingeschätzt werden können die Verdienste des ehemaligen Bibliotheksdirektors Bernhard Schemmel um das Gedenken des Universalkünstlers E.T.A. Hoffmann in Bamberg. Als langjähriger Vorsitzender der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft, heute deren Geschäftsführer, als sachverständiger Verwalter der reichhaltigen Hoffmann-Sammlung in der Staatsbibliothek, vor allem aber auch als Betreuer des E.T.A.-Hoffmann-Hauses am Schillerplatz Nr. 26 (früher Zinkenwörth 50), für dessen Modernisierung nach modernen museumsdidaktischen Kriterien er sorgte.

Rechenschaft darüber abgelegt hat Schemmel in einem 2014 - im selben Jahr erhielt er den E.T.A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg - erschienenen Buch "In Hoffmanno", einer lesenswerten Geschichte nicht nur des Hauses, der einzigen Hoffmann-Gedenkstätte weltweit, sondern auch der Hoffmann-Gesellschaft und der Bamberger Stadtgeschichte überhaupt. Ein Desiderat jedoch war ein - gedruckter - kompakter Führer durchs Häuschen für literarisch interessierte Besucher, seien sie Touristen oder Einheimische. Denn auch für die lohnt es sich unbedingt, einmal (wieder?) in dem buchstäblich romantisch verschnörkelten Häuschen vorbeizuschauen und die recht neue Gestaltung zu goutieren.

Limitierte Öffnungszeiten

Leider sind die Öffnungszeiten in der seit 1. Januar vorigen Jahres von der Stadt getragenen Gedenkstätte sehr limitiert und der weltliterarischen Bedeutung des Poeten nicht angemessen.

Dieses Desiderat liegt nun vor: Herausgegeben von der Hoffmann-Gesellschaft unter maßgeblicher Ägide Schemmels, bietet die Broschüre "Das E.T.A.-Hoffmann-Haus Bamberg" einen reich bebilderten (für die Repros sorgte meist Gerald Raab von der Staatsbibliothek) 81-seitigen Einblick in das Quasi-Museum und weit darüber hinaus.

Denn der frühere Vorsitzende der Hoffmann-Gesellschaft, Reinhard Heinritz, hat zusammen mit einer Studentengruppe eine kurze Einführung in Leben und Werk des Romantikers beigesteuert, samt Zeittafel und Register. Die erzählt dem Hoffmann-Kenner nichts Neues, ist aber imstande, Neugier auf den Poeten und dessen Werk zu wecken.

Dies wird didaktisch sinnvoll der Führung durchs Haus vorausgeschickt. Überarbeitet wurde ja auch seit 1994 die Konzeption der Ausstellung, die von einer eher an Bamberg orientierten Kuriositätensammlung zu einer überregional bedeutsamen Hoffmann-Gedenkstätte sich mauserte. Obwohl: Bedauern mag man das Verschwinden einer geisterhaft beleuchteten Figur im zweiten Obergeschoss schon, die 1972 ins Reich der Elementargeister entfleuchte.

Viele Künstler vereint

Grundrisse der Stockwerke sind zu sehen, dann folgen jeweils die Beschreibungen der Exponate, viele Interpretationen von Autor und Werk darunter, von Künstlern wie Michael Matthias Prechtl, Wolfgang Müller, Michael Knobel, Hans Günter Ludwig u.v.a. Aus der Hoffmann-Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts ist fast nichts vorhanden - eine Tischdecke von 1788 aus dem Hause des Poetenfreundes Kunz ausgenommen.

Dennoch ist manches zusammengetragen worden, das des Romantikers Leben und Werk illustriert - nicht nur optisch, wie das Tafelklavier aus Hoffmanns Zeit samt Hörbeispielen beweist. Leider kann das Haus zur Winterszeit nicht besucht werden. Ein Besuch ab 1. Mai, wenn die Seuche hoffentlich zurückgedrängt ist, lohnt auf jeden Fall. Einen Vorgeschmack kann man sich auf der Seite der Hoffmann-Gesellschaft im Netz verschaffen in Form eines virtuellen Rundgangs samt Audioguide: https://etahg.de/bamberg/hoffmann-haus/beschreibung.