In Küps wurde der fast schon verschwundene jüdische Friedhof wieder als "Ort der Ewigkeit" sichtbar. Diese Maßnahme im Rahmen des Leader-Projekts "Kulturlandschaftskompetenz" ist ein weithin leuchtendes Zeichen, das nicht nur ins ganze Land hinausstrahlt, sondern jetzt sogar bei der Internationalen Tagung des Arbeitskreises für historische Kulturlandschaftsforschung in Wien vorgestellt wurde.
Der Küpser Dieter Lau referierte vor einem großen Publikum über die Jüdische Landgemeinde Küps und das Projekt. Im ritterschaftlichen Küps bestand vom 16. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde, die neben einer Synagoge und einer Mikwe auch einen eigenen Begräbnisplatz besaß, erklärte Dieter Lau. Die Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Bewohner ist heute verblasst. Einen erfolgreichen Ansatz, um Vergangenes oder Vergessenes in der Kulturlandschaft zu erkennen, zu erhalten und weiterzuentwickeln, bietet ein Konzept der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, das bürgerschaftliches Engagement einbezieht. Im Projekt "Jüdische Landgemeinde Küps" wurde das Konzept "Kulturlandschaftskompetenz" der Hochschule angewendet und in einzelnen Arbeitsschritten am Beispiel des jüdischen Friedhofs erprobt.
Der jüdische Friedhof in Küps ist als "Ort der Ewigkeit" nur in Ansätzen erkennbar. Ein Grabstein von 1611 gilt als der älteste Hinweis auf die Begräbnisstätte. Der Friedhof liegt am Rande des alten Siedlungskerns. Der Friedhof bildet mehr als die vergängliche und veräußerbare Synagoge, ein zentrales unverrückbares Fundament jüdischer Glaubensgrundsätze.
"Friedhöfe zählen zu den konfessionellen Brückenelementen in der Kulturlandschaft", betonte Dieter Lau. "Sie vermitteln uns ein Bild von der überkommenen Geisteshaltung und Kulturausrichtung in verschiedenen Dimensionen der Religionsausübung."


Ewiges Ruherecht

Nach 1945 war man sich amtlicherseits der Existenz der jüdischen Begräbnisstätte in Küps offensichtlich nicht mehr bewusst. Das führte dazu, dass anders als bei den übrigen über 100 jüdischen Begräbnisplätzen in Bayern die Kommune im Besitz des Geländes blieb. 1985 besichtigten Vertreter des Innenministeriums und der Israelitischen Kultusgemeinden Bayern das Grundstück an der Judengasse. Die Kommission bekräftigte das ewige Ruherecht auf dem Friedhof und schlug neben der Abräumung des Spielplatzes eine Rückübertragung und die Umwandlung der Fläche in ein eingefriedetes Grundstück vor.
Die Beteiligten vereinbarten, ein Denkmal errichten zu lassen, das der Kronacher Bildhauer Heinrich Schreiber schaffen sollte. Eine Aktionsgruppe initiierte das Projekt "Jüdischer Friedhof Küps". Nach der Marktgemeinde Küps sicherte auch der Landesverband der Israelitischen Gemeinden und die Hochschule Weihenstephan ihre Unterstützung zu.
Bei einem ersten Ortstermin 2014 mit David Kurz vom Israelitischen Landesverband, 1. Bürgermeister Herbert Schneider und der Verwaltung wurden Projektziele festgelegt und folgende Vereinbarungen getroffen: "Das Grundstück an der südwestlichen Seite zur Judengasse erhält wieder eine Einfriedung."
Weitere Gestaltungsvorschläge vom Ingenieurbüro IVS-Kronach fließen in die Objektplanung ein. Die Finanzierung der Maßnahme wird durch den Landesverband und den Markt Küps gesichert. Zusätzliche Fördermittel aus dem Programm "Kulturlandschaftskompetenz" wurden beantragt. Die Pflege des Geländes übernimmt die Gemeinde Küps, der israelitische Landesverband beteiligt sich an den Kosten. rg