"Die Corona-Krise hat auf dem regionalen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen," sagt Sebastian Peine, Chef der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, die auch für den Landkreis Kulmbach zuständig ist. Lag die Zahl der Arbeitslosen im März nur etwa 7,1 Prozent über dem Vorjahreswert, so waren im April ein Drittel mehr Personen von Arbeitslosigkeit betroffen als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,6 Prozent. Höher lag sie in einem April zuletzt im Jahr 2015.

Im Vergleich zum Vorjahr mussten sich - anders als im Frühjahrsaufschwung üblich - deutlich mehr Menschen aus Erwerbstätigkeit arbeitslos melden. Auf der anderen Seite schaffen es aktuell deutlich weniger Menschen, ihre Arbeitslosigkeit zu beenden.

"Neben der nachlassenden Dynamik, die bereits seit Jahresbeginn spürbar war, sind nun auch überwiegend durch die Pandemie bedingte Einflüsse festzustellen", erklärt Peine. Hinzu komme, dass nur noch sehr begrenzt Fördermaßnahmen neu begonnen werden. Über fast alle Branchen sei eine Zunahme von neu arbeitslos gemeldeten Personen zu beobachten. Die stärksten Zuwächse kämen dabei aus dem Handel und dem verarbeitenden Gewerbe. Besonders stark betroffen seien auch Beschäftigte aus dem Gastgewerbe. Von März bis April 2020 sind 4400 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld eingegangen. Insgesamt beziehen sich diese auf bis zu 62 400 Personen.

Die Lage in Kulmbach

Im Landkreis Kulmbach waren 1644 Arbeitslose zu verzeichnen, 180 mehr als noch im März. Im Vergleich zum Vorjahr fällt der Anstieg hier aber deutlich moderater aus als in den anderen Bereichen der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof. In Kulmbach nahm die Zahl der arbeitslosen Personen um 265 Personen oder 19,2 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent und lag somit 0,7 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahresmonats. Neben dem für die Jahreszeit untypischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist gleichzeitig die Nachfrage nach Arbeitskräften zurückgegangen.

Saisonkräfte im Wartestand

Die meisten Zugänge kamen aus dem Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Aber auch Personaldienstleister haben an- und ungelernte Arbeitnehmer mit geringer Beschäftigungsdauer entlassen, darunter sind auch einige Betroffene mit Fluchthintergrund. Die Wiedereinstellung vieler Saisonkräfte verzögert sich auf unbestimmte Zeit, weil die Arbeitgeber unter den besonderen Bedingungen ihre Betriebstätigkeit derzeit nicht aufnehmen können. Besonders betroffen ist das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Zu früh gekündigt

Daneben erfolgten auch Meldungen von Auszubildenden, die nach Abschluss ihrer Berufsausbildungen nicht übernommen werden. Einige Arbeitnehmer hatten ihre Arbeitsverhältnisse selbst gekündigt, weil sie nahtlos einen Stellenwechsel geplant hatten, der dann aufgrund der aktuellen Ereignisse nicht zustande kam.

Der Kulmbacher Arbeitsmarkt ist derzeit allgemein weniger aufnahmefähig. Es gibt aber Abmeldungen in Arbeit von Bewerbern, die in systemrelevanten Berufen wie dem Lebensmittelverkauf oder medizinischen Berufen arbeiten. Insgesamt gingen beim Arbeitgeber-Service 95 Stellenmeldungen ein, 75 weniger als im März und 74 weniger als vor einem Jahr. Damit ging die Nachfrage nach Mitarbeitern um rund 45 Prozent zurück.

Betriebe aus dem Raum Kulmbach reichten 634 Anzeigen für Kurzarbeit ein. Je nach tatsächlich eintretendem Arbeitsausfall können rund 6550 Beschäftigte betroffen sein. red