Bunte Blumen leuchten über den Zaun, eine schwarze Katze sonnt sich auf den Stufen zur Terrasse, vier gescheckte Schweine wühlen im Stroh ihres Freilaufes im Hof. Der Biohof Dobeneck in Weppersdorf ist ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Egid Dobeneck bestückt seinen Selbstvermarkter-Wagen an der Hofeinfahrt mit frischen Eiern. "Die von heute früh waren gleich weg, da muss Nachschub her", erklärt er. Das Geschäft mit den Biolebensmitteln ab Hof läuft gut.

Bio seit über 30 Jahren

Seit 1986 betreibt der 66-Jährige seinen Betrieb nicht mehr konventionell. Damals habe er immer wieder Vorträge über ökologischen Landbau besucht. "Und da ich schon immer was Neues machen wollte, habe ich diesen Schritt gewagt." Zu einer Zeit, als der Öko-Trend der 1970er bereits abgeflaut war und die neue Welle seit den 2010er Jahren noch lange nicht in Sicht, ließ Dobeneck seinen Hof von Bioland zertifizieren. "Ich habe das nie bereut. Als so kleiner Nebenerwerbsbetrieb hätten wir anders vielleicht gar nicht überlebt."

Mit Tochter Michaela hat vor drei Jahren die junge Generation übernommen. "Bio liegt voll im Trend. Viele junge Leute machen sich heute Gedanken um die Umwelt und achten auf ihre Ernährung." Aber nicht nur deshalb steht sie hinter dem Konzept ihrer Eltern. Es ist ihr auch eine Herzensangelegenheit: Die Tiere werden ökologisch ernährt und haben genug Platz, mit Böden und Früchten werde schonend umgegangen, ohne Spritzmittel und Schadstoffe. Alle Vorgaben des Bioland-Verbandes werden natürlich regelmäßig kontrolliert. "Ich füge Natur und Tier so wenig Schaden zu, wie möglich. So kann ich die Produkte, die dabei herauskommen, mit gutem Gewissen genießen", sagt die 28-Jährige.

Ihr Vater geht sogar weiter: Durch langsameres Wachstum würden Fleisch, Obst und Gemüse tatsächlich auch mehr Geschmack entwickeln. "Das hören wir auch immer wieder von Kunden: Dass die Produkte einfach besser schmecken - vor allem als konventionelle Güter aus dem Supermarkt."

Ein Grund mehr für die Juniorchefin, noch das eine oder andere zusätzlich auszuprobieren - eigentlich. "Erstmal bleibt alles, wie es ist", meint sie. Sie habe den Hof ja nicht aus dem Nichts übernommen, sondern sei schon lange mit einbezogen worden. Zum Beispiel bei der Entscheidung, die acht Milchkühe abzuschaffen und dafür mit Legehennen größer einzusteigen. "Der Bau des Hühnerstalls 2015 war das letzte große Projekt. Jetzt hat sich so langsam alles eingependelt." Und da die junge Frau gerade ihre Doktorarbeit in Chemie vollendet und sich anschließend eine "Hauptarbeit" in der Region suchen muss, bleibt für Neues zunächst keine Zeit. Zumal sie und ihre Eltern die Arbeit weitestgehend alleine stemmen. "Manchmal muss ich Papa eher bremsen, wenn er wieder mit neuen Ideen ankommt", meint sie lachend.

Alles aus einer Hand

Denn Arbeit gibt es so schon genug. Mit zur Philosophie gehört nämlich auch, möglichst alles selber zu machen: Hühner und Schweine bekommen das selbst angebaute Futter. Das Getreide wird vor Ort gereinigt und gemahlen, auch den Saft aus Streuobstäpfeln und -birnen presst und sterilisiert die Familie selbst. Regionaler geht nicht. Und wenn etwas zugekauft werden muss, ist das selbstverständlich ebenfalls biologisch - egal ob für den Stall, den Eigengebrauch oder den Hofladen. "Wer bio kauft, tut sich selbst und den Landwirten etwas Gutes - denn hier stimmen die Preise halbwegs", betont Michaela Dobeneck "Und wer regional und saisonal einkauft, für den ist bio trotzdem erschwinglich." Im Herbst kosten selbst Bio-Trauben nicht die Welt - anders als im Mai eben. Aber viele hätten das Verhältnis zum Produkt verloren, weil im Supermarkt ganzjährig alles verfügbar sei. "Ich glaube aber, hier ändert sich langsam etwas in den Köpfen."

Und was ist der größte Genuss für Familie Dobeneck selbst? "Ein komplettes Mittagessen - Fleisch, Spätzle, Gemüse - aus eigenen Erzeugnissen auf dem Tisch zu haben", antwortet Mutter Brigitte sofort. Wenn man den eigenen Garten oder gar Hof nicht hat, dann eben vom Bauern in der Nähe.