Der ehemalige Bürgermeister von Weißenbrunn, Egon Herrmann, feiert am morgigen Samstag 65. Geburtstag. Seit 1. Mai dieses Jahres genießt er als Ruheständler die Ruhe und Romantik im Garten. Zugleich hat er sich ein neues Hobby als Schreiner und Tischler angeeignet und in eine Werkstatteinrichtung investiert.

Langeweile kennt er in den vergangenen fünf Monaten also nicht, sagt er bei einem Gespräch, in dem er seine Werkstatt und sein erstes Holz-Meisterstück präsentiert. Das ist eine Treppe mit Podest als Zugang zum oberen Stockwerk in der ehemaligen Garage, die er zur Werkstatt umfunktioniert und mit technischen Geräten und Werkbank ausgestattet hat.

Die Kommunalpolitik spielt für den bis zum 30. April sehr agilen Rathauschef so gut wie keine Rolle mehr. "Es war schon beim ersten Amtsantritt im Jahr 2002 mein Ziel, sollte ich 2020 noch Bürgermeister sein, nicht mehr für eine weitere Periode zu kandidieren", sagt er. "Es muss mal Schluss sein." Nun genießt er neben seinen Hobbys wie dem kreativen Werkeln und der unerschöpflichen Literatur in seiner Hausbibliothek auch das Familienleben. Dafür stehen ihm ein blühender Garten und eine Teichanlage sowie ein Wintergarten zur Verfügung.

Leidenschaft Theater

Als er im Jahr 2002 zum Bürgermeister des Bierdorfes gewählt wurde, hat er eines seiner schönsten Hobbys aufgegeben: das Theaterspielen. Er war Mitgründer der Theatergruppe Hummendorf und inszenierte selbst zahlreiche Komödien und Schauspiele.

Eines hat ihn bis heute nicht losgelassen, das ist die Liebe zur Heimat und zur Mundart und seine Leidenschaft zu Kunst und Kultur, insbesondere zur Musik. Mit Stolz verweist er auf seinen Sohn Dominic, der es von der Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach über das Musikstudium in Würzburg zum Vollblut-Profimusiker schaffte. Seit vielen Jahren gehört er als Percussion-Virtuose zur Stammbesetzung beim Orchester am Opernhaus in Zürich.

"Ganz früher", so erzählt Egon Herrmann, und man mag es kaum glauben, "war ich Ringer beim AC Lichtenfels, mehrmaliger bayerischer Meister und deutscher Vizemeister." Erst später habe ihn dann die Mundart und das Theater fasziniert. Neben der Theatergruppe Hummendorf konnte er auch die Frankenbühne in Kronach ins Leben rufen und erinnert sich, an das von Kerstin Specht zeitkritische Stück im Dialekt "Lila". Herrmann, der einige Jahre Kreisheimatpfleger und auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mundarttheater Franken in Oberfranken war, hat ein Herzensanliegen: die Beibehaltung des fränkischen Theaters. Er freut sich deshalb, dass auch an den Schulen diese Tradition wiederbelebt wird. Kindergarten und Schulen hatten es ihn schon in jüngeren Jahren angetan, er war Elternbeiratsvorsitzender im Kindergarten Hummendorf und an der Teilhauptschule Weißenbrunn und unterstützt noch heute den Förderverein der Grundschule Weißenbrunn. Stets hatte er auch ein Auge auf die kirchliche Entwicklung und engagierte sich von 2008 bis 2014 als Synodale der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern.

Lob für die Idealisten

Neben seinem hauptberuflichen Engagement in den 18 Bürgermeisterjahren war er Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetages auf Kreis- und Bezirksebene und vieles mehr. "Es waren für mich erfüllte Jahre und ich bin froh und dankbar, mit meiner Arbeitskraft und Unterstützung von vielen engagierten Ehrenamtlichen viel Positives für Weißenbrunn erreicht zu haben", sagt Herrmann bescheiden auf die Frage nach für ihn bedeutenden Ereignissen.

Eine kluge Entscheidung sei es sicher gewesen, den Verein der Schwimmbadfreunde ins Leben zu rufen, der wenige Jahre später das Freibad Weißenbrunn erwarb und es heute noch mit Erfolg betreibt. "Das ist eine besondere ehrenamtliche Leistung von außerordentlich engagierten Idealisten."

An seinem Ehrentag, Samstag, 26. September, steht der Jubilar gerne im Gasthaus "Zur Mühle" in Hummendorf für Gratulanten von 10 Uhr bis 13 Uhr zur Verfügung. Er bittet, dabei die Corona-Hygieneschutzbestimmungen zu beachten. eh