Zum 1. Januar dieses Jahres trat ein Gesetz in Kraft, das die Ausbildung in Pflegeberufen neu regelt. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres im September gelten bereits die neuen Bestimmungen. Um dem gerecht zu werden, haben sich jetzt 60 Partner zusammengeschlossen und einen Ausbildungsverbund gegründet. Weil sie Landkreis- und sogar Landesgrenzen überschreitet, gilt diese Lösung den Beteiligten als besonders gelungener Wurf.

Die Herausforderung bestand darin, die früheren Berufe der Altenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Krankenpflege zu einem neuen Berufsbild zu vereinen. Wer künftig einen Abschluss als Pflegefachfrau/-mann erlangt, kann damit in allen drei Bereichen eingesetzt werden.

"Diese Neuerungen sind für die Schulen sowie für die Ausbildungsträger mit einem sehr hohen Organisationsaufwand verbunden. Unser gemeinsames Ziel war es daher, zum Start der generalistischen Pflegeausbildung in der Region Coburg am 1. September 2020 einen Ausbildungsverbund zwischen der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste mbH (GGSD) Berufsfachschule Coburg, den Regiomed-Berufsfachschulen Coburg und Lichtenfels sowie den praktischen Ausbildungsträgern der stationären Akut- und Langzeitpflege und der ambulanten Pflege zu etablieren", erklärt Constanze Scheibl, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus Coburg.

Da der Hauptsitz der beteiligten Berufsfachschulen für Pflege in der Region Coburg liegt, habe sich die Geschäftsstelle der Gesundheitsregion plus Coburg als neutrale Plattform zur Kooperation der Berufsfachschulen für Pflege untereinander, aber auch mit den Ausbildungsträgern der Region angeboten. Die Geschäftsstelle der Gesundheitsregion plus bildet somit die Schnittstelle im neu entstandenen Netzwerk.

Es sei ein wichtiges Ziel des Landkreises, eine wohnortnahe Pflege für die Bürger zu ermöglichen, betonte Landrat Sebastian Straubel (CSU). Entsprechen wichtig sei ein gute Ausbildung in dem neuen Pflegeberuf, die ebenfalls vor Ort stattfindet.

Große Zahl von Partnern

Der Ausbildungsverbund sichert durch vertragliche Übereinkommen die Kooperation zwischen Trägern der Pflege und den Ausbildungsstätten. Coburg gehören neben den drei Berufsfachschulen für Pflege der GGSD und der Regiomed-Kliniken GmbH in Coburg und Lichtenfels mit 584 Ausbildungsplätzen zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann zum 1. September auch 57 bayerische und thüringische Ausbildungsträger mit 94 Einrichtungen an. Vertreten sind Einrichtungen aus den Landkreisen Coburg, Bamberg, Haßberge, Hildburghausen, Kulmbach, Kronach, Lichtenfels und Sonneberg.

Überregional beispielhaft

Ute Kick, Geschäftsführerin der GGSD, sieht eine große Herausforderung für die Zukunft in einer alternden Gesellschaft auch außerhalb der Großstädte. Mit dem jetzt geschlossenen Verbund sieht sie die Region beispielhaft für die Herausforderung aufgestellt: "Ich kann sagen, dass in Coburg gelungen ist, was in anderen Regionen Bayerns doch noch sehr holpert." Die gefundene Lösung könne Vorbild sein für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.

"Für uns als großer Gesundheitsversorger ist dieser Ausbildungsverbund ein Segen", betonte Alexander Schmidtke, Geschäftsführer der Regiomed-Kliniken GmbH. Er unterstrich die Bedeutung guter Pflegekräfte für eine Gesundheitseinrichtung: "Sie bestimmt die soziale Temperatur." Dass Ausbildung in diesem Bereich wichtiger ist denn je, macht er an der Zahl der Bewerber fest, die sich um freie Stellen bemühen. Sie ist seit einiger Zeit sinkend. Die jetzt breit, quasi generalistisch, aufgestellte Ausbildung zur Pflegefachfrau / zum Pflegefachmann ist für ihn ein richtiger Einstieg in die vielfältige Welt der Pflegeberufe. Mit erweiterten Kompetenzen - Pflegefachleute sollen künftig auch Dinge übernehmen dürfen, die bisher Ärzten vorbehalten sind - steige die Bedeutung und die Attraktivität des Berufsbildes.

So viele Partner zu einem Verbund unter ein Dach zu holen, die im Grunde ja auch untereinander in Konkurrenz stehen, ist für den CSU-Landtagsabgeordneten Martin Mittag nicht selbstverständlich.

Respekt auch bei Michael Busch, Landtagsabgeordneter der SPD. Viele seien der Meinung gewesen, die Umstellung sei nicht bis zum 1. September zu schaffen. In anderen Regionen sei es auch noch nicht gelungen. Nun gelte es aber nicht nur, die Wertschätzung für die Pflegeberufe zu verbessern, sondern auch die Bezahlung.

Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) betonte die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis als Beleg dafür, dass die oft beschworene Konkurrenz zwischen beiden doch nicht unüberwindbar ist.