Die zwei "vom Aldi"

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Bei Wolfgang Siebert (li) und Stephan Dennerlein geht alles Hand in Hand. Foto: Uschi Prawitz
Bei Wolfgang Siebert (li) und Stephan Dennerlein geht alles Hand in Hand.  Foto: Uschi Prawitz

Filialleiter Wolfgang Siebert und sein Stellvertreter Stephan Dennerlein hatten gemeinsam Grund zu feiern.

Wohl jeder, der in der Aldi-Filiale in der Albert-Ruckdeschel-Straße einkaufen geht, hat die beiden schon einmal gesehen. Filialleiter Wolfgang Siebert und sein Stellvertreter Stephan Dennerlein haben immer ein offenes Ohr für ihre Kunden, und das seit vielen Jahren. "Der Zufall will es, dass beide in diesem Frühjahr ihr 40-jähriges Firmenjubiläum feiern", sagte Regionalverkaufsleiter Axel Kleinscheck und: "Es ist beeindruckend, dass Mitarbeiter so lange dabei sind."

Wolfgang Siebert und Stephan Dennerlein feiern aber nicht nur ein Doppeljubiläum, auch in ihrem bisherigen Lebenslauf gibt es so einige Parallelen. Beide sind Quereinsteiger im Einzelhandel und beide wollten einst gar nicht so lange bei Aldi bleiben.

"Ich kam damals aus persönlichen Gründen von Berlin nach Kulmbach", erzählte der gelernte Industriekaufmann Siebert. Als Übergangslösung habe er sich bei Aldi beworben und wollte ursprünglich nur vier Wochen bleiben. "Ich wollte ja zurück in meinen gelernten Beruf." Die Arbeit in der alten Filiale in der Kulmbacher Fritz-Hornschuch-Straße gefiel ihm aber so gut, dass er knappe vier Jahre blieb, bevor ihm die Leitung einer Filiale in Naila angeboten wurde. "Dorthin bin ich dann jahrelang gependelt, bis der Kulmbacher Marktleiter in Rente ging und ich die Stelle hier antreten konnte."

Ähnlich erging es Stephan Dennerlein, auch wenn seine Ausgangsbasis eine ganz andere war. Der gelernte Koch hatte sieben Jahre lang in Bayreuth gearbeitet, als sein damaliger Chef die Wirtschaft zumachte. "Da dachte ich mir, ich suche mir etwas mit attraktiveren Arbeitszeiten", erzählte er. Oft hätten sich er und seine Familie nur noch die Türklinke in die Hand gegeben. Fündig wurde er in Bayreuth, wo er bis zum Leiter aufstieg.

Sortiment viel größer als früher

"Schließlich hatte ich die Option, entweder weiter weg zu gehen oder die Position des Stellvertreters hier in Kulmbach zu übernehmen." Die Wahl fiel ihm leicht, und seit 33 Jahren hat er seine Entscheidung nicht bereut. In den vielen Jahren haben die beiden natürlich auch viele Veränderungen in ihrem Beruf erfahren. "Die Aufgaben sind komplexer geworden, durch die Digitalisierung hat sich viel verändert", sagte Siebert. Viel mehr Analysen oder Statistiken gehörten heute zu den Aufgaben, und auch das Sortiment sei viel umfangreicher geworden. "Für uns Ältere ist das oft gar nicht so einfach, früher haben wir alles in manueller Form festgehalten", ergänzte Dennerlein, da seien es aber auch nur um die 650 Artikel gewesen, Sonderartikel habe es gar nicht gegeben.

Kunden sind kritischer

"Da wusste ich die Zahl der Ananasdosen, die im Regal stehen, quasi auswendig", witzelte er. Doch stupide und langweilig sei der Job auch durch die Digitalisierung nicht geworden, ganz im Gegenteil. "Routine ist bei uns nicht angezeigt, wir haben viel Abwechslung, das ist auch gut fürs Hirn", sagte Wolfgang Siebert. Auch die Kunden hätten sich im Lauf der Jahre verändert, sie seien informierter, kritischer und anspruchsvoller geworden. "Wir sind uns auch bewusst, dass man uns draußen kennt." Zwar nicht unbedingt mit Namen, aber man sei immer "der vom Aldi".

In ihrem Markt achten die beiden Chefs auf ein gutes Klima, nicht nur im Kundenkontakt, sondern auch bei den 18 Mitarbeitern. "Wir haben eine tolle Truppe mit einer guten Mischung aus Jung und Alt", sagte Wolfgang Siebert. Und gab es in den 40 Jahren auch einschneidende Erlebnisse? "Sicher", lachten die beiden und erinnerten sich an die deutsche Grenzöffnung 1989. "Sowohl Kulmbach als auch Naila waren ja sehr grenznah - wir hatten zeitweise nur noch Trabbis auf dem Parkplatz stehen."