Klaus-Peter Gäbelein Noch gibt es in Herzogenaurach zwei Tageszeitungen, die man im Regelfall auch frühmorgens im Briefkasten findet. Für viele Leser ist das der übliche Alltag und ich bin ehrlich: Solange ich mich erinnern kann, ist das "Blättla", wie man es manchmal abwertend bezeichnet wird, eine lieb gewonnene morgendliche Lektüre.

Seit 110 Jahren gibt es in Herzogenaurach eine regelmäßig erscheinende Tageszeitung. Nur in Kriegs- oder Krisenzeiten musste man darauf verzichten. Hausfrauen konnten sich schon seit 1909 über besondere Angebote informieren, es gab regelmäßig die neuesten Nachrichten. Man erfuhr von Trauungen und Sterbefällen, von Geburten und Jubiläen, von Todes- und Unglücksfällen. Die Tageszeitung hatte früher auch einen Fortsetzungsroman zu bieten und in der Wochenendbeilage gab und gibt es noch immer Knobelecken und dergleichen mehr.

Der 2. Januar 1909

In der vorliegenden Ausgabe (Nr. 1 vom Samstag, 2. Januar 1909) wird in einer Art Leitartikel lobend hervorgehoben, "dass dieses Blatt ... bereits 10 Jahre zur Förderung des Wohles Herzogenaurachs und (der) Umgebung erschienen ist . und dass sich ... dadurch Herzogenaurach mit der Außenwelt stets verbunden gezeigt hat ..." Weiter heißt es, dass durch das Inserieren unserer Geschäftswelt letztere einen großen Umsatz zu verzeichnen (hätte).

Rückblickend werden die wichtigsten Ereignisse seit 1898 aufgelistet. So hieß die erste Ausgabe der Tageszeitung im November 1898 noch "Auracher Volksbote" und das Abo kostete vierteljährlich 1,25 Mark. Die Leser erfuhren, dass es im August 1899 im Niederndorfer Gemeindehaus gebrannt hat und dass im August des gleichen Jahres der Grundstein zum Bau des Waisenhauses (Liebfrauenhaus) gelegt worden ist.

Im Jahr 1900 wurde den Lesern mitgeteilt, dass in der Stadt 2825 Menschen leben. In den Jahren bis 1908 ist immer wieder von Bränden (vor allem in den Schuhfabriken) und Überschwemmungen die Rede. Man erfuhr monatlich, wie viele Ochsen, Kühe, Rinder, Kälber , sogar wie viele Schweine, Ziegen und Schafe hier geschlachtet worden sind. Und schließlich konnte man lesen, dass die Wallfahrten nach Gößweinstein und Dettelbach mit Begleitung der hiesigen Geistlichkeit und per Sonderzug durchgeführt werden sollen und dass für die Wallfahrt nach Altötting eigens ein Sonderzug eingesetzt wird.

16 Chöre sangen ins neue Jahr

Die Bevölkerung erfreute sich 1909 über das Neujahrssingen an 16 (!) Stellen von hiesigen Chören im gesamten Stadtbereich, und man begrüßte den Entschluss des Magistrats (Stadtrats), dieses Spektakel "zur Hebung des Fremdenverkehrs" künftig jährlich durchzuführen. Aber, wie sollte es auch anders sein: Es gab zum Jahreswechsel 1908/09 auch Ärger. So waren "trotz schärfster Kontrolle" auch "schmutzige Neujahrskarten" in Umlauf. Es handelte sich um Karten mit anstößigen Darstellungen, "so dass manche Kindesseele beim Anblick derartiger Bilder vergiftet wird".

Die Zeitung verwies darauf, dass gemäß des §184 des Deutschen Reichsstrafgesetzbuches eine Gefängnisstrafe von bis zu sechs Monaten und zusätzlich 650 Mark Strafe drohen, wenn man das Schamgefühl von Personen unter 16 Jahren verletzt.

Und schließlich wurde auch früher in der Silvester- oder Neujahrsnacht viel Schabernack getrieben: In der Neujahrsausgabe vom Montag, 6. Januar 1909, wird berichtet, dass Franz Welker, Gastwirt der Eisenbahnwirtschaft, nachts acht große Fensterscheiben eingeschossen worden sind.

Was jedoch die meisten Leser des "Herzogenauracher Tagblattes" zum Jahresende 1908/09 noch mehr berührte, war der Wetterbericht: "Statt des erhofften Schnees haben uns die Feiertage eine Kälte von 16 Grad gebracht, welche alles erstarren ließ."