Anette Schreiber Auf Dauer sind die Teile ganz schön schwer. Den Firmenschriftzügen auf den Lehnen ist anzusehen, dass die Sitzmöbel schon etwas mitgenommen sind, nach dieser Tour durch unseren Landkreis. Und ich bin es eigentlich auch nach dieser Abenteuertour, dieser Fahrt ins Blaue, die da zweimal pro Woche anstand.

Normalerweise ist bei uns in der Lokalredaktion bis auf die unvorhergesehenen Ereignisse wie Feuer, Unwetter, Überschwemmungen, Unfälle oder Überfälle jeder Termin vorbesprochen und sorgfältig geplant. Bei "Zwei Stühle, eine Stunde" haben wir gerade mal die Orte festgelegt, alles Weitere sollte sich ergeben.

Der Plan: Wir bitten denjenigen in einem Ort zum Interview auf den Stuhl, den wir als erstes sehen. Meistens, so zeigte sich, hat gerade das nicht geklappt. Aber immer haben wir, zumindest dann im zweiten oder dritten Versuch oder bei einem weiteren Anlauf an einem anderen Stuhlstandort, eine interessante Lebensgeschichte erfahren.

Entdeckungsreisen ins Leben

In der Regel waren es die älteren Menschen, die tagsüber Zeit hatten, sich auf eine Fragestunde zu ihrem Leben einzulassen. Es war immer spannend und jedes Leben eine Entdeckungsreise. Eine Reise durch Jahrzehnte, in denen es viele, vor allem kindheitliche Weichenstellungen gegeben hat, die eine oder andere Sackgasse, aber auch ganz klare Erfolgswege.

Meine Begleiter, die Fotografen Barbara Herbst, Ronald Rinklef, Marcel Terillo und die Auszubildende Lena Riemenschneider, haben mit mir Lustiges, Trauriges, Überraschendes, Spannendes aber immer Einzigartiges über einzigartige Menschen erfahren, die zur Einzigartigkeit unserer ganz besonderen Region beitragen.

Freilich haben wir in der Zeit, in der wir auf Menschen für unseren Redaktionsstuhl warteten, auch kulinarisch einiges dazugelernt. Wo es schnell, gut und günstig Pizza-Leberkäs und Essiggurken gibt, etwa.

Spontane Ständchen

Für die Geduld unserer Interviewpartner haben wir uns mit kleinen Geschenken aus dem Fundus des Fränkischen Tag bedankt. Wir wurden unsererseits aber auch mit Präsenten überrascht.

Unvergessen die tollen geschnittenen Hasen in Stadelhofen, Material aus dem Verlag des Gundelsheimers Heinz Tillig (zudem Kaffee und Pralinen der Gemeinde), oder eine Anekdotensammlung des Walsdorfer Chronisten Gottlieb Honold. Dazu gab es zwei spontane Gratis-Ständchen und jede Menge wirklich nette Menschen. Ein Blick in die Seele unserer fränkischen Heimat.

Danke allen, die sich für unsere Sommerserie eine Stunde Zeit genommen haben.