Vor der zweiten Runde der Tarifgespräche in der Milchwirtschaft an diesem Donnerstag hat die Gewerkschaft noch einmal Druck gemacht. Warnstreiks sollten den Unternehmen signalisieren, dass ihr bisheriges Angebot zu mager ist. In fünf Betrieben gingen die Beschäftigten zeitweise vor die Tür, unter anderem in Bayreuth, Würzburg und Bad Aibling

"Der Branche geht es gut. Die Milchwirtschaft zählt in Zeiten der Krise zu den systemrelevanten Branchen", sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), Mustafa Öz. Kurzarbeit sei weitgehend ein Fremdwort geblieben.

In den vergangenen fünf Tagen haben Mitarbeiter in 15 Betreiben quer über den Freistaat für einige Stunden die Arbeit niedergelegt.

Die NGG verlangt sechs Prozent mehr Lohn für die rund 19 000 Beschäftigen in Bayern, mindestens aber 190 Euro mehr pro Monat. Die Gehälter der Lehrlinge sollen um 125 Euro steigen. Ein Facharbeiter in der Käseproduktion verdient in Vollzeit rund 3100 brutto pro Monat.

Die Unternehmen haben bisher ein Plus 1,5 Prozent angeboten, sind aber damit abgeblitzt. "In der Milchwirtschaft gibt es viel Licht und Schatten. Einige Unternehmen sind gut durch die Krise gekommen, andere nicht", sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Werner Giselbrecht. Einen Aufschlag von sechs Prozent hält er für abenteuerlich. Das Geschäft mit den Handelsketten wie Lidl, Aldi und Rewe ist laut Giselbrecht sehr gut gelaufen. "Die Leute konnten ja im Frühjahr nicht in die Kantine gehen und mussten selber kochen."

Im Gegenzug seien aber eben Gastronomie und der Export gebeutelt worden. Die Linken-Abgeordnete Susanne Ferschl aus dem Allgäu hat sich tief in die Zahlen der Branche eingegraben, um die Frage zu beantworten, wie die Unternehmen in Bayern dastehen. Die Daten stammen aus Abfragen beim Statistischen Bundesamt. Der Umsatz ist demnach zwischen 2010 und 2019 um über 40 Prozent geklettert - von 8,25 Milliarden auf den Rekordwert von 11,7 Milliarden in 2019. Im gleichen Zeitraum stellten die Unternehmen über 4 000 zusätzliche Mitarbeiter ein. Letztes Jahr erwirtschaftete jeder Beschäftigte einen Umsatz von 628 000 Euro und damit acht Prozent mehr als vor neun Jahren. Ferschl meint, dass die Unternehmen wegen der guten Jahre eine kräftige Lohnsteigerung verkraften können. "Durch ihre Arbeit haben sie auch jetzt in Krisen-Zeiten für steigende Unternehmensgewinne und Umsätze gesorgt, daran haben die Beschäftigten ihren Anteil verdient", sagte die frühere Betriebsrätin unserer Redaktion. Höhere Löhne belebten die Nachfrage, "die die Wirtschaft ankurbelt".

Der Verhandler der Molkereien und Käsereien hält das Polster hingegen für nicht so üppig, wie es die Zahlen nahelegen. "Frau Ferschl blickt in den Rückspiegel. Wir haben natürlich die Unsicherheiten der Zukunft", sagte Werner Giselbrecht. Für die Verhandlungen in Fürstenfeldbruck zeigte er sich dennoch kompromissbereit. Er brauche keine dritte Gesprächsrunde, nur damit Härte demonstriert werden könne. Sein Gegenüber von der Gewerkschaft sieht das genauso, lässt aber keinen Zweifel daran, eben jene Härte zeigen zu können. "Kommt kein richtiges Angebot, dann gehen wir in die Vollen und werden ganze Schichten bestreiken", kündigte Öz an.

Der Warnstreik gehe dann über in einen echten Arbeitskampf. Die bayerische Milchwirtschaft wird geprägt von internationalen Konzernen wie Danone und Nestle und größeren Mittelständlern wie Meggle, Zott und Bergader. Der Milch-Riese Müller aus der Nähe von Augsburg unterliegt nicht der Tarifbindung.