2010 rief der 2016 verstorbene Professor Peter Sadlo die Konzertreihe "Haus Marteau auf Reisen" ins Leben. Viele spannende Konzertabende durfte man seither auch im Rathaussaal in Neustadt erleben. Hochkarätige Abschlusskonzerte von international besetzten Meisterkursen locken immer mehr Besucher in den akustisch reizvollen Saal.
Der diesjährige Abend wurde zu einem ganz besonderen Ereignis, da man fünf von acht Teilnehmern bereits vor zwei Jahren unter den Fittichen des äußerst engagierten Professors Ulf Klausenitzer erlebt hatte. Seine Freude "der jungen Generation musikalisch auf die Sprünge zu helfen", ist spürbar. Am Flügel wurden die jungen Künstler wiederum von der souverän mitgestaltenden Pianistin Manami Sano begleitet.
Mit einem verführerisch anmutenden Liebesgruß wurde das gespannte Publikum von Judith Keresztessy begrüßt. Mit vollem, warmen Ton spielte sie das bekannte "Salut d'Amour" von Edward Elgar. Boyana Maynalovska stellte sich schon 2015 mit ihrer Barockgeige vor; sie fährt sozusagen zweigleisig, was eine besondere Herausforderung darstellt. Nun war sie mit einem modernen Instrument zu hören, dessen zahlreiche Klangfacetten sie mit schwelgerischem Spiel, ausgereiften Spitzentönen und sehr guter Technik zur Wirkung brachte. In einer Bearbeitung von Josef Joachim präsentierte sie den Ungarischen Tanz Nr. 1 von Johannes Brahms temperamentvoll und leidenschaftlich.


Exotische Schönheit

Asiatische und europäische Klangwelten wusste die junge Chinesin Yunyang Chen mit "The sun shines of Tashkurgan" von Gang Chen zwischen Geigenartistik und melodischem Charme in exotischer Schönheit zu schildern. Ausgefeilte Bogentechnik und gesangliche Geschmeidigkeit machten dieses abwechslungsreiche und interessante Stück zu einem virtuosen Erlebnis.
Schon beim ersten Hören versetzte der nun elfjährige Raphael-Yujin Horn das Publikum in Erstaunen. Mit der "Introduction et Tarantelle op. 43" von Pablo Sarasate, das höchste geigerische Anforderungen stellt, zeigte er verblüffende Reife in technischer und gestalterischer Hinsicht und keinerlei Scheu vor technischen Hürden wie Flageoletts und Arpeggien. Ein kleiner Teufelsgeiger, auf dessen weitere Entwicklung man neugierig sein kann.


Hinreißend und packend

Annalena Kohde hatte diesmal das Allegro aperto aus Mozarts Violinkonzert Nr. 5 A-Dur ausgewählt. Mit hervorragender Technik, einschmeichelnd wie expressiv und dynamisch fein abgestuft, verlieh sie der Komposition einen starken Ausdruck.
Athira Sukumaran aus Indien besucht derzeit eine Berufsfachschule für Musik, um eine Zulassung für eine deutsche Hochschule zu bekommen. Hinreißend und packend gelangen ihr bereits die ersten Takte des Allegro moderato von Max Bruchs Violinkonzert g-Moll, das die junge Künstlerin unter energischem Zugriff leidenschaftlich gestaltete.
Auch die beiden letzten Interpreten waren bereits 2015 zu hören. Der Oberpfälzer Christopher Kott war nun mit einer leichtfüßigen, zugleich brillanten Wiedergabe des Allegros aus dem Violinkonzert Nr. 4 D-Dur von Mozart zu hören. Er begeisterte vor allem durch seine Transparenz, ganz besonders in der Kadenz.
Ebenfalls auf dem Weg zur Professionalität (im dritten Semester) ist der aus Franken stammende Moritz König. Neben seiner schon optisch hervorragenden Technik entwickelt sich sein nuancenreiches Spiel beim Adagio sostenuto aus Beethovens Sonate für Klavier und Violine op. 47. Wie selbstverständlich lässt er die Musik in sein Instrument fließen bis hin zu beinahe atemloser Expressivität. Frenetischer Beifall im ausverkauften Rathaussaal war der Dank für ein besonderes Musikerlebnis.