Matthias einwag Die Orgel der Stiftskirche ist Pfarrer Hans-Werner Alt besonders ans Herz gewachsen. Über 40 Jahre ist der Geistliche in Altenbanz und Kloster Banz nicht nur für das Seelenheil seiner Gemeinde zuständig, sondern auch für den Unterhalt der Bausubstanz beider Kirchen. Mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren muss Pfarrer Alt am 1. September in den Ruhestand gehen. Die Zeit bis dahin will er nutzen, um zu vollenden, was er in über vier Jahrzehnten begonnen hat: Die Stiftskirche in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Barockorgel wieder hergestellt

Bereits 1980, nach der Übergabe der Stiftskirche an die Pfarrei Banz, hatte Hans-Werner Alt darauf gedrängt, die Barockorgel zu sanieren. Die herzogliche Familie der Wittelsbacher, sagt er, habe einst die Barockorgel ausbauen und durch ein romantisches Werk nach Zeitgeschmack ersetzen lassen.

Auf seine Initiative hin, so der Pfarrer, habe der Orgelbaumeister Gerald Woehl 1986/87 in das historische Banzer Barockgehäuse die Laden und das Pfeifenwerk der Seuffert-Orgel von 1744/48 aus Kloster Grafschaft integriert und mit neuer Technik ergänzt. Hans-Werner Alt: "Dank der Meisterleistung Gerald Woehls erklingt in Banz heute wieder ein barockes Orgelwerk im barocken Kirchenraum."

Alle 20 bis 30 Jahre sollte jede Orgel überholt werden, sagt Orgelbaumeisterin Monika Sommer aus der Werkstatt Gerald Woehls. Vor etwa vier Wochen demontierten die Orgelfachleute aus Marburg im Auftrag von Pfarrer Alt über 1000 Pfeifen der Banzer Orgel. Nachdem die Orgelpfeifen überholt worden sind, werden sie jetzt wieder in der Stiftskirche installiert. Derzeit reinigen Monika Sommer und ihre Kollegin Lea Graumann zudem das Innere des Gehäuses und das Hauptwerk. Weil alle Bauteile Einzelanfertigungen seien, müssten Ergänzungen und Reparaturen in Handarbeit nachgefertigt werden, was meist sehr zeitintensiv sei, sagt Monika Sommer.

Bis an Pfingsten die Saison der Sommerkonzerte in der Stiftskirche beginnt, soll die Banzer Orgel renoviert sein, da sind sich Orgelbaumeisterin Sommer und Pfarrer Alt sicher.

"Du musst hier ständig bauen, sonst geht die Kirch' kaputt", erklärt Hans-Werner Alt. Und er beginnt zu erzählen, was er in den vergangenen Jahrzehnten nach und nach ergänzen ließ, weil es entweder in Folge der Säkularisation oder von den Wittelsbachern, die Banz als Sommerresidenz nutzten, verkauft oder verändert worden war. Nach dem Ersten Weltkrieg verpachteten die Wittelsbacher ihren Besitz an die Trappisten, einen strengen Reformzweig des Zisterzienserordens.

Die Trappisten blieben nur zehn Jahre. 1933 erwarb der Missionsorden der Gemeinschaft von den Heiligen Engeln Kloster Banz. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor dieser Orden an Bedeutung. Zwar lebten weiterhin Mönche in der Abtei, doch ein großer Teil des Klosters wurde als Altersheim der Caritas eingerichtet.

Engel und Putten versilbert

Alle diese Pächter und Besitzer der Stiftskirche hinterließen Spuren und veräußerten Gegenstände aus dem Sakralbau. Pfarrer Alt weiß ein Lied davon zu singen. Von verkauften Möbeln berichtet er und von einem Orgelspieltisch, der achtlos zum Sperrmüll gegeben und nur mit viel Glück von ihm noch gerettet werden konnte.

Sein besonderes Augenmerk gilt aber den Engeln und Putten. Zahlreiche dieser geflügelten Himmelsboten bevölkern heute wieder die Barockaufsätze der Seitenaltäre. Die meisten dieser Figuren seien im Lauf der Jahrhunderte verschwunden - sie seien von irgendeinem Besitzer, der gerade Geld brauchte, versilbert worden. Hans-Werner Alt sagt, dass er etliche dieser Putten zwar zurückkaufen oder nachschnitzen lassen konnte, doch einige seien noch immer verschollen. Er werde deshalb die letzten Monate, die ihm als Pfarrer von Banz noch verbleiben, darauf verwenden, die fehlenden Engel nachfertigen zu lassen.