Sie begeistern nicht nur jährlich bis zu 40 000 Fans bei ihrem Spatzenfest in Kastelruth, sondern auch unzählige Menschen auf ihren Tourneen. Auch in Bamberg sind die Kastelruther Spatzen regelmäßig zu Gast, so auch wieder im Rahmen ihrer Frühjahrstournee.

Sie treten seit Jahrzehnten immer in der gleichen Tracht auf und sie ist längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Woher kommt Sie eigentlich?
Walter Mauroner: Ursprünglich stammt die Tracht aus Ungarn. Inzwischen ist es aber eine ganz traditionelle Kastelruther Schützentracht, die man früher nur zu größeren Veranstaltungen oder Festen wie Hochzeiten getragen hat. Wir selbst haben sie nur ganz leicht geändert: wir tragen das Tuch etwas anders, ansonsten ist es ein originale Tiroler Tracht. Übrigens wurden und zum Teil werden diese Trachten immer weitervererbt. Das heißt der Sohn trägt die Tracht vom Vater.

Gibt es eigentlich den typischen Spatzen-Fan? Oder anders gefragt: Wie schaut das Publikum der Kastelruther Spatzen aus und wie setzt es sich zusammen?
Norbert Rier: Unser Publikum ist sehr unterschiedlich. Wir haben Fans vom hohen Alter bis zum Kleinkind. Wir sind aber jedes Mal überrascht, dass wir auch viele jugendliche Fans haben, die sich zutrauen öffentlich zuzugeben, dass ihnen unsere Art von Musik gefällt. Dies haben wir besonders gespürt, als wir mit der Band Freiwild ein gemeinsames Konzert gaben. Alle Fans haben unsere Lieder mitgesungen. Und erfreulicherweise haben wir auch viele italienische Fans, die sich unsere Texte übersetzen lassen.

Wer schreibt bei den Kastelruther Spatzen die Texte, wer komponiert die Musik? Und wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte?
Albin Gross: Natürlich haben wir ein Komponisten- und Texterteam, das sich in den letzten Jahren herauskristallisiert hat und uns bedient. Unter den sechs Komponisten und Textern sind bekannte Größen wie Jean Frankfurter oder die Schlagertexterin Irma Holder. Wir leisten aber auch selbst immer unseren eigenen Beitrag. Vor allem bei unserer ersten CD im Jahre 1983. Da waren wir noch sehr unbekannt und mussten alle unsere Lieder selbst komponieren und betexten. Ich selbst habe inzwischen bereits schon um die 150 Spatzentitel geschrieben. Andere Bandmitglieder sind ähnlich aktiv.
Norbert Rier: Inhaltlich greifen wir neben unserer schönen Heimat, der Bergwelt, und der Liebe immer wieder Themen aus dem Alltag auf, darunter auch kritische Dinge. Wir versuchen dabei immer die Menschen anzusprechen. Übrigens: Die Ideen zu unseren Liedern kommen bei sehr unterschiedlichen Momenten zustande. Mir ist mal ein Lied auf einer Alm beim Kühemelken eingefallen. Das war 1983, der Titel hieß das "Mädchen mit den erloschenen Augen" und war gleich unser erster Erfolgstitel.

Allerdings fallen gerade im Fernsehen immer mehr volkstümliche Plattformen weg. Der Musikantenstadl ist bis auf eine Neujahrssendung abgeschafft worden, die Krone der Volksmusik gibt es ebenso nicht mehr wie den Grand Prix der Volksmusik. Ist dies für die Band ein Segen oder ein Fluch?
Norbert Rier: Ich glaube, es ist beides. Man sagt ja immer wieder, dass Gruppen, die viel im Radio gespielt werden, weniger CDs verkaufen als Bands, die kaum gespielt werden. Allerdings gefällt uns die Entwicklung im Fernsehen nicht sonderlich. Dennoch: Das ganze Leben ist eben wie ein Wellengang. Es gibt Höhen und Tiefen. Es gab eine Zeit, in der es mit der Volksmusik regelrecht übertrieben wurde. Und zurzeit ist halt gerade mal der Trend, wo im Fernsehen extrem viele Kochsendungen und Shows wie Dschungel-Camp und Co. gesendet werden. Ich finde es den älteren Zuschauern gegenüber ungerecht, alles nur zu verjüngen. Mittlerweile hat man fast schon das Gefühl, die Älteren sind für die Sender gar nicht mehr vorhanden. Daher sollte man schon etwas mehr auf das Publikum eingehen.
Albin Gross: Bestes Beispiel, dass die Volksmusik noch immer super funktioniert, sind unsere Konzerte und Live-Auftritte. So kamen allein im Jahr 2015 wieder über 30 000 Besucher zu unserem Spatzenfest nach Kastelruth oder fahren Hunderte von Kilometern zu unseren oder anderen Volksmusikkonzerten.

In den letzten vier Jahrzehnten der Band gab es sicher viele Höhen, aber auch Tiefen. War jemals das Fortbestehen der Spatzen in Gefahr?
Norbert Rier: Es gab in unserer Bandgeschichte viele Situationen, die nicht angenehm waren. Beispielsweise, als man uns vorgeworfen hatte, wie würden ähnlich wie Milli Vanilli nicht selbst singen. Aber glücklicherweise hat uns Karl Moik die Chance gegeben zu zeigen, dass es anders ist. Die Band hat in diesen Situationen immer fest zusammengehalten - selbst in Krisenzeiten. Und unsere Fans standen eh immer hinter uns. Daher hat uns das Ganze mehr zusammengeschweißt als getrennt.

Wie wirken sich Musik-Streaming-Portale im Internet auf das CD-Verkaufsgeschäft aus? Leiden die Spatzen auch darunter?
Albin Gross: Wir sind glücklicherweise krisensicherer als andere Musiksparten wie beispielsweise der Popsektor. Wir haben eben auch ein älteres Publikum, welches nach wie vor CDs kauft. Wir wollten vor Jahren mal unsere Fanzeitung einstampfen. Das gab aber einen großen Aufschrei unserer Fans. Denn die wollen noch etwas in Hand haben, blättern, Bilder anschauen oder bei einer CD das Booklet lesen.

Wie gehen Sie denn eigentlich auf Tournee? Mit dem großen Spatzenbus, in dem dann auf der Autobahn die große Party steigt?
Norbert Rier: Nein. Wir fahren meist mit zwei Autos und wechseln uns beim Fahren regelmäßig ab. Im Hotel hat jeder sein Einzelzimmer und auch sonst hängen wir nicht wie die Kletten aneinander. Schließlich kennen wir uns alle schon von der Jugendzeit her. Und wir freuen uns nach jedem Auslandskonzert, wieder auf zu Hause.

Gibt es noch unerfüllte Ziele oder Wünsche, die die Spatzen noch gerne verwirklichen würden?
Albin Gross: Eines meiner Wunschziele, nämlich in einer großen Arena spielen zu dürfen, haben wir bereits letztes Jahr geschafft, als wir in der Arena von Verona auftraten. Das war sicherlich für uns ein Meilenstein. Zudem waren wir die erste Volksmusikgruppe überhaupt, die in der 2000 Jahre alten Arena in Verona spielen durfte. Ansonsten, denke ich, wünschen wir uns vor allem Gesundheit und dass wir noch lange miteinander spielen können.

Das Gespräch führte
Harald Rieger.