gerold snater Wegen der Corona-Pandemie kann in Königsberg ein alter Brauch am 30. November nicht neu aufleben. Die Hätscherklooßen müssen heuer daheim bleiben.

Normalerweise ziehen am Abend dieses Tages die Hätscherklooßen durch die Stadt, um mit einem Gedicht vor den Gefahren des Feuers zu warnen. Im Gegenzug erhoffen sie sich eine kleine Gabe in Form von Süßigkeiten oder einer Münze.

Am Abend des 30. November verkleiden sich Buben und Mädchen in Königsberg oft sehr abenteuerlich mit einem langen Mantel, einer Pluderhose, setzen einen Hut mit Feder auf und oft gehört auch ein Bart zu dieser Maske. In Königsberg heißt es an dem Abend: "Heute Abend kommen die Hätscherklooßen."

Hinter diesem Namen verbirgt sich der Name des berühmten Feldherrn Tilly oder, wie er mit vollem Namen hieß, Johann Tserclaes, Graf von Tilly, der 1632 mit 8000 Soldaten in das evangelische Städtchen Königsberg kam. Dabei brach hier ein Großbrand aus, der fast ganz Königsberg in Schutt und Asche legte. Vor so einer Feuersbrunst wollen die Hätscherklooßen an diesem Tag warnen.

Heuer wird aber nichts daraus. Bürgermeister Claus Bittenbrünn bat in der Stadtratssitzung darum, wegen der Pandemie auf den Brauch zu verzichten. Zu groß ist die Infektionsgefahr, die vorgeschriebenen Abstände können kaum eingehalten werden, zudem ist durch das Tragen der Mund- und Nasenmaske der Vortrag eines Gedichtes nur schwer zu verstehen.