"Mit dem Wald ist kein Geld mehr zu verdienen." Mit diesen drastischen Worten brachte Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU) in der Waldausschusssitzung am Dienstag die momentane Situation auf den Punkt. Trockenheit und Schädlingsbefall durch Käfer hätten "massivste Schäden" im Stadtwald hinterlassen. Die Zeiten, in denen der Wald 100 000 Euro Gewinn pro Jahr abwarf, seien vorbei, sagte er.

Preise sind im Keller

Die Holzpreise - vor allem der Fichte - seien im Keller. Während vor drei Jahren noch 85 Euro für den Schüttraummeter erlöst wurden, lag der Preis in diesem Jahr bei nur noch 25 Euro, erfuhr der Ausschuss des Hofheimer Stadtrates.

Auch das Nord-Süd-Gefälle sei so groß wie nie. Während der Wald in Südbayern mit 1300 bis 1600 Litern Regen pro Quadratmeter reichlich Wasser abbekommt, fallen laut Borst auf der fränkischen Trockenplatte nur 350 bis 370 Liter. Die Haßberge seien noch stärker von der Trockenheit betroffen wie der Raum um Schweinfurt. Darunter litten vor allem die Fichten.

Um die vom Käfer befallenen Bäume aus dem Wald zu bekommen und damit zu verhindern, dass noch weitere Bäume befallen werden, wurde in diesem Jahr das Dreifache der geplanten Menge gefällt. Statt der geplanten rund 1000 Festmeter Holz seien circa 3000 Festmeter auf 118 Hektar Fläche gefällt worden, sagte Revierförster Bernhard Streck. Die Hälfte des Fichtenbestands sei mittlerweile aus dem Stadtwald verschwunden, beschrieb der Fachmann.

Die große Menge des Holzes habe zu Problemen geführt, Zwischenlager zu finden, die mindestens 500 Meter weit vom Waldrand entfernt sein müssen. Andere Arbeiten wie die Wartung der Wege oder die Astung von Bäumen mussten in diesem Jahr zurückgestellt werden.

Roten Zahlen

Das Betriebsergebnis zum 1. Oktober dieses Jahres weist ein Minus von 41  000 Euro aus. Darin sind allerdings bereits Investitionen für die Wiederaufforstung enthalten. Auch im kommenden Jahr rechnet Streck mit einem größeren negativen Minusbetrag von rund 28 000 Euro. Die Vorausschau auf das Jahr 2021 gleiche jedoch einem "Blick in eine Glaskugel". Es sollen vier Mal so viele Bäume wie in diesem Jahr angepflanzt werden. Damit die Jungbäume nicht verbissen werden, sollen rund 18 000 Euro für Zäune und knapp 19 000 Euro für den Einzelschutz ausgegeben werden.

Gepflanzt werden sollen Bäume, die Wärme und Trockenheit besser verkraften wie die Elsbeere, Speierling, Ulme, Kirsche, Spitzahorn oder Esskastanie. Doch gerade Setzlinge der Esskastanie seien kaum auf dem Markt zu erhalten, da das Saatgut hierfür in Deutschland nur in geringem Ausmaß vorhanden sei, sagte Streck. Ein neu gepflanzter Baum wie Spitzahorn oder Kirsche wachse bei optimalen Bedingungen bis zu einem Meter pro Jahr und sei dann nach drei bis vier Jahren aus der "Äser". Das heißt, er könne dann nicht mehr durch Wildverbiss Schaden nehmen. Bei ungünstigen Bedingungen - wie in den letzten trockenen Jahren - könne diese Zeit jedoch bis zu zehn Jahren betragen, sagte er.